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Der Israelit · 1900-07-16 · Heft 57 (16.7.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 57 (16.7.1900)
Date
1900-07-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1163 barste und am meisten in die Augen fallende Anschauungs Lection, aber es gibt noch andere orientalische oder mohammedanische Nationen, bei denen gleiche Ursachen früher oder später gleiche Wirkungen haben müssen. Marokko, wo der Verfasser lange gewohnt und an verschiedenen Versuchen, Mißstände zu beseitigen, Antheil genommen hat, ist eine derselben, die bald die Aufmerksamkeit der Außenwelt auf sich ziehen können. Berlin, im Juli. Jacob B e r n a y s hat bekanntlich bei seiner intimen Freundschaft mit den hervorragendsten christlichen Gelehrten und Schriftstellern (Mommsen, Haupt, Paul Heyse u. s. w.) stets seine Anhänglichkeit an die Satzungen des überlieferten Judenthums bewahrt. Eine interessante Notiz über diesen berühmten Philologen (Paul Heyse nennt ihn einen der schärfsten und tiefsten Denker, die jemals sich der Aufgabe, Erkanntes zu erkennen, unterzogen haben) findet sich in dem jüngst erschienenen Buche über Georg von Bunsen lherausgegeben von seiner Tochter Marie von Bunsen, Berlin 1900). Der junge Bunsen, der später so bekannt gewordene liberale Politiker und Gegner Bismarcks, war Bernays durch gemeinsame Studien des Plato in Bonn nahegetreten und lud ihn im Sommer 1861 ein, die Universitätsferien im Hause seines Vaters, des damaligen preußischen Gesandten in London, mit ihm zu verbringen. Dabei zeigte sich die große Vorurtheilslosigkeit Bunsen's nicht nur in der Beurtbeilung des damals noch ziemlich unbekannten jungen Gelehrten selbst, sondern auch in der Würdigung seines jüdisch-religiösen Standpunktes Allerdings kann Bunsen nicht begreifen, wie dieser philosophische Kopf so „leidenschaftlich am Aeußerlichen der Satzungen hafte," und hält es für nöthig, seinen Vater auf die Anschauungen des Freundes vorzubereiten. „Beim Mittagessen (denn Frühstücken, d. h. Thee oder Kaffee trinken und Butterbrot essen, kann er mit Christen) hilft er sich in jüdischen Garküchen oder, was wahrscheinlicher ist, bei seinen unzähligen und anhänglichen Landsleuten." Aber er mnimt in jeder Beziehung aus den 'tfreunö Rücksicht: „Am Samstag darf er weder abreisen noch ankoinmen, also reisen tvir am Sonntag." Er rühmt Bernays Intelligenz, seine unbeugsame Willenskraft und stellt seinen! Vater einen großen Genuß von dein Verkehr mit ihm in Aussicht — „trotz seines jüdischen Aeußern, trotz der — ganz ehrlich gesagt — natürlichen Abneigung, die wir alle einer so gänzlich fremden Rasse gegenüber empfinden." llebrigens haben Georg von Bunsen sowohl wie sein Vater sich damals große Mühe gegeben, Bernays eine seiner Gelehrsamkeit würdige staatliche Anstellung zu verschaffen. Aber aus Berlin langte eine gänzlich entinuthigende Antwort ein. Erst bedeutend später hat Bernays eine Anstellung als außerordentlicher Professor in Bonn und Bibliothekar an der Universitätsbibliothek gefunden. Dr. A. Feilchenfeld, Hamburg. Hamburg, 10. Juli. Dreiundfünfzig hiesige Aerzte haben an die Kurverwaltung des Seebades Borkum nachstehendes Schreiben gerichtet: „Vor Kurzem sandten Sie an hiesige Aerzte und so auch an fast alle Unterzeichneten eine Mittheilung Uber die in Ihrem Kurorte gemachten Neueinrichtungen, offenbar in der Absicht, daß wir Ihr Bad empfehlen sollen. Wir sehen uns dem gegenüber zu der Erklärung veranlaßt, daß wir Borkum als Kurort nicht bloß nicht empfehlen, sondern vielmehr unseren Klienten, sowie allen unserem Einflüsse zugänglichen Personen dringend abrathen werden, einen Kurort wie Borkum zu besuchen, wo antisemitische Rohheiten, die auch jeden anständigen Christen anwidern müssen, nach Inhalt vielfacher, bisher unwidersprochen gebliebener Zeitungsberichte bis in die jüngste Zeit vorgekommen sind. Da die Badeverwaltung sich nicht veranlaßt gesehen hat, in irgend einer Weise dagegen einzuschreiten, so darf aus dieser Thatsache geschloffen werden, daß die oben bezeichneten Ausschreitungen mit Billigung der Badeverwaltung geschehen." Kattotvih, 10. Juli. (S ch l u ß st e i n l e g u n g.) Dieser Tage fand die feierliche Schlußsteinlegung zu dem Neubau der Synagoge statt, zu welcher Feier sich in dem nördlichen Vorraum, der mit frischem Tannengrün geschmückt war, außer den beiden Gemeindekollegien die Herren Rabbiner Dr. Kohn, Rabbinatsaffeffor Dr. Vraunschweig, die Vorstände des Krankenpflege- und Beerdigungsvereins, des Vereins der Jugendfreunde. des Unterstützungsvereins, des Frauenvereins. des Jungfrauenvereins u. der Konkordialoge, die Gemeindebeamten und mehrere Gemeindemitglieder, sowie die Erbauer der Synagoge, die Herren Regierungsbaumeister a. D. Grünfeld und Baumeister Grünfeld und mehrere bei dem Bau beschäftigte Handwerker eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Synagogen - Vorstandes, Stadtrath S. Wiener, richtete zunächst eine kurze auf die Bedeutung dieser kleinen Feier bezugnehmende Ansprache an die Erschienenen. Der Akt der Schlußsteinlegung sei an und für sich so bedeutungsvoll für die Gemeinde, daß eine Feier in größerem Maßstabe angebracht gewesen wäre; man habe aber ini Hinblick auf die mit der im September stattfindenden Einweihung zu verbindende Feier hiervon diesmal Abstand genommen. Im Namen des Vorstandes sprach Herr W i e ne r den Erschienenen den Dank für ihre Theilnahme aus und brachte sodann eine der in den Schlußstein einzumauernden Urkunden zur Verlesung, welche Angaben über die inneren Verhältniffe der Gemeinde, den Synagogenbau und über den heutigen Stand des Judenthums im allgemeinen enthält. Der Bauplatz, auf dem sich der imposante Synagogenbau erhebt, ist im Jahre 1896 von der Stadt für 65,900 Mk. erworben worden und umfaßt einen

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