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Der Israelit · 1900-07-12 · Heft 56 (12.7.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 56 (12.7.1900)
Date
1900-07-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1146 Köln, 10. Juli. Dein Rechenschaftsberichte des „Vereins des jüdischen Lehrerseminars" in Rheinland zu Köln für 1897—98 (81. Jahr seines Bestehens) entnehmen wir: Seit unserer jüngsten Berichterstattung sind 17 Zöglinge nach vollendeter Ausbildung entlassen worden und haben im Schuldienste und als Cultusbeamte Verwendung gefunden. Die Berichte, die uns über die Wirksamkeit derselben zugehen, lauten im Allgemeinen recht günstig und bestärken uns in dem Vertrauen, daß wir bezüglich der Wahl des Unterrichtsstoffes und der Unterrichtsmethode nicht fehlgegangen sind. Das Seminar würde ein noch günstigeres Unterrichtsergebniß erzielen, wenn wir — und darauf müssen wir bis zur Erfüllung unseres Wunsches pflichtgemäß wiederholt zurückkommen — in Verbindung mit demselben eine Präparandenanstalt mit zweijährigem Cursus besäßen, in welcher die Zöglinge in einem früher bildungsfähigen Alter eintreten könnten, um für das Seminar und im Sinne desselben nach einheitlichem Plane vorgebildet zu werden. Da unser Gebäude die dazu erforderlichen Lehr- und Wohnräume bereits darbietet, so steht der Verwirklichung unseres Wunsches, dieselben zu benutzen und dem Seminar den unterrichtlichen Unterbau zu verschaffen, nichts entgegen, als der Mangel an Geldmitteln, zur Beköstigung der aufzunehmenden Schüler, sowie zur Besoldung der für eine Präparandenanstalt zu gewinnenden besonderen Lehrkräfte. Es bedarf wohl nur dieses wiederholten Hinweises, um den so oft und so ausdauernd bethätigten hochherzigen Eifer unserer Freunde nunmehr auch zur Herbei schaffung der für eine so wllnschenswerthe Vervollständigung unserer Lehranstalt unentbehrlichen äußeren Mittel energisch anznregen. Das ehrende Vertrauen, welches unserer Anstalt als einer Pflege- und Pflanzstätte altjüdischer Glaubenswissenschaft und treuer Pflichterfiillung von Nah und Fern entgegengebracht ivird, hat sich auch im verflossenen Jahre durch die ihr zugewandten frommen Stiftungen für das Seelenheil theurer Heimgegangenen in erfreulicher Weise zu erkennen gegeben. Es war uns vergönnt, mit dem Beginn des verflossenen Wintersemesters zehn neuen Schülern die Pforten der Anstalt zu eröffnen, so daß dieselbe während des Eingangs erwähnten Zeitraumes von 37 besucht wurde. Bielitz. (Cardinal Kopp gegen den Antisemitismus.) In antisemitischen Kreisen ist man wenig erbaut über einen sehr deutlichen Wink, der den Antisemiten von höchst autoritativer Seite gekommen ist. Cardinal Kopp, der sich vor einigen Tagen zum Sommeraufenthalt auf seine schlesischen Besitzungen begab, hat vorher eine Woche auf die Visitation des österreichischen Theiles seiner Diöcese verwendet. In Bielitz nun hatte der Kardinal in einer Ansprache spontan, aber scheinbar ohne Absicht und ohne Bezugnahme auf actuelle Verhältnisse, besonders die Tugend der Duldsamkeit und Nächstenliebe empfohlen und schließlich in Anwesenheit einer großen Anzahl von Geistlichen Alle aufgefordert, an dem Werke des Friedens und der Eintracht unter der Bürgerschaft mitzuwirken: „Die Bürgerschaft könne nicht gedeihen, wenn auch nur ein einziges Glied derselben in seinem Gedeihen gehindert werde," und hatte schließlich mit scharfer Pointirung geschlossen: „Ich bete zu Gott, er möge allen Bewohnern dieser Stadt seinen reichsten Segen spenden." Es scheint jedoch, daß sich die Christlich-Sozialen, die in Bielitz seit kurzer Zeit unter clerikaler Führung eine eifrige Agitation entfalten, mit diesem Hinweis des Kirchenfürsten noch nicht haben zufrieden geben wollen. Denn tagsdaranf besuchte der Cardinal das katholische Gesellenheim, einen der Mittelpunkte der antisemitischen Agitation. In der Begrüßungsansprache des Vereinsvorstandes ließ dieser mit scharfer Betonung und auffallender Absicht die Worte einfließen, daß hier die „Geltendmachung des katholischen Standpunktes nicht leicht gemacht werde." Darauf nun erfolgte prompt die Ablehnung. Der Cardinal reagirte ans die sehr deutliche Anspielung damit, daß er den Herren vom Katholischen Gesellenvereine empfahl, vor „Allem selbst auf die Erhaltung des confessionellen Friedens zu achten," der bisher erfreulicherweise am Orte geherrscht habe. Im Verein mit der früheren Ansprache war das eine nicht leicht mißzuverstehende Verurtheilung der Feindseligkeiten, zu denen seit kurzer Zeit an mehreren Orten von Schlesien geschürt wird. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag, 0. Juli. Die frühen Morgenstunden des gestrigen Tages brachten uns die Trauernachricht, daß Herr Alexander I r m e n b a ch seinen Leiden erlegen ist. An der Bahre dieses frommen Mannes trauerte eine große Versammlung. Herr Alexander Jrmen bach war einer angesehenen frommen Familie entsprossen und war stets ein pflichttreuer Anhänger der jüdischen Religion. Früher Kaufmann, hatte er seine Schulung zu diesem Berufe in großen Bankhäusern in Wien und Paris genossen, längere Zeit in London gewohnt, nie anders als koscher gelebt und stets Sabbat und Feiertage streng gehalten. Als er dem kaufmännischen Stande entsagte, übernahm er nach dem Tode des berühmten K. Lieben s. A. den Posten eines Schriftführers der Chewrah Kadischah, und so wie dieser das lebende Memorbuch über Geschichte und Wesen der hiesigen p'-i geworden, so war sein nunmehr verstorbener Nachfolger ein Compendium der p"n nue Auf seinen vielen Reisen suchte er die jüdischen Friedhöfe auf, so in Rom, London, Paris, Kopenhagen, Wien und Berlin, um Erfahrungen über die Einrichtungen derselben zu sammeln. Sein humanes Wirken war von einem beispiellos leutseligen Wesen begleitet,

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