Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 56 (12.7.1900)
- Date
- 1900-07-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1140 denn auch die große Betheiligung an seiner Lewajo, die am 8. Tamus stattfand. Die vielen Verwandten, die herbeigeeilt waren, und die Mitglieder unserer Gemeinde, wir fühlten es alle, daß wir uns selbst ehrten, indem wir das Andenken dieses Mannes ehrten. Am Sarge sprach zunächst Herr Rabbiner Bamberger aus Sennheim, der als früherer Stiftsrabbiner hier den Verstorbenen kennen und schätzen gelernt hatte und durch Verwandtschaftsbande Herrn Rabbiner Dr. Kahn nahesteht. Ein Schüler Ahrons, nannte der Redner den Heimgegangenen. der den Frieden liebte, aber nur den Frieden, der auf Wahrheit und Pflicht aufgebaut ist, der für diesen Frieden kämpfte und seine ganze Kraft einsetzte, der die Menschen liebte und durch sein harmonisches Leben für die Thora gewann. Tief erschüttert weihte Herr Rabbiner Dr. Kahn seinem Vater letzte Worte des Abschiedes. Wie die Himmelskörper treu und nie weichend ihre Bahn wandeln u. freudig die Gesetze erfüllen, die der Allmächtige ihnen vorgezeichnet, so wich der theure Heimgegangene nie von dem Posten, den ihm sein Schöpfer angewiesen. Weder der harte Kampf um's Dasein, noch die Verlockungen des modernen Abfalles mit seinen glatten, gleißnerischen Worten, konnten ihn je in seiner Pflicht irre machen. Als sein Lebensziel betrachtete er aber, seine Kinder zu Juden zu erziehen und darum verdanke auch er (der Redner) seinem Vater, der aufopferungsvoll für ihn gesorgt, das Glück, den Lehrern in Israel anzugehören. Die goldenen, lauteren Eigenschaften des Entschlafenen hob auch Herr Rabb. Dr. Bamberger aus Sulz u. Wald, der Schwiegersohn des Herrn Rabbiner Dr. Kahn, in seinem Nachrufe hervor, der den Verblichenen jenen Vätern großer Männer, Amram u. Jsai, zur Seite stellte, die, wie es im Talmud heißt, so rein und fleckenlos ihre Seele bewahrten, daß sie würdig gewesen, ewig zu leben, und nur darum starben, ineil einmal das Erbtheil der Menschheit der Tod ist. Seine treue Pflichterfüllung hat auch ihn die Krone des Greisenalters erringen laßen, wie R. Jochanan von den Greisen Babels gestand, daß ihr inniges, gemeinsames Gebet ihnen das Leben verlängert. Möge es uns beschieden sein, die Lücke, die sein Tod gerissen, durch würdigen Ersatz auszufüllen, seine Seele aber weile im Bunde des Lebens! Amen. S. B. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 10. Juli. (E i n S e i t e n st ü ck z u m Fall A rate n.) Die „Oesterr.-Jsr. Union" macht folgende Mittheilung: Am 7. August v. I. verließ die minderjährige Roza, recte Rochme Weiß in Wieliczka, heimlich das Elternhaus unter Mitnahme von Wäsche, Kleidern und zweier Sparkaffenbücher. Aus einem zurückgelaffenen. an das Mädchen gerichteten Briefe ging hervor, daß ein junger Bursche Namens Josef Juszkiewicz sie verleitet hatte, sich in ein Kloster zu flüchten und daselbst taufen zu lassen. Am folgenden Tage kehrte Roza Weiß in's Elternhaus zurück, entfloh jedoch am 1. September neuerdings, hielt sich vier Tage hindurch bei dem Gemeindeanfseher Adam Zapolski in Wieliczka auf und wurde am 5. September Nachts vom Adam Wiarowski unter Beihilfe Zapalski's in das Kloster der Felicianerinnen zu Krakau gebracht. Unmittelbar nach der zweiten Flucht des Mädchens hatte der Vater, Markus Weiß, die Anzeige bei der Polizeibehörde erstattet und um Ausforschung seines Kindes gebeten. Der Wieliczkaer Polizeiinspektor Jassik erklärte dem Vater, er wisse wohl, wo das Mädchen sei, er sei aber nicht bezahlt, um jüdische Kinder in's Elternhaus zurückzubringen. Am 7. September richtete Markus Weiß an die Krakauer Polizeibehörde die Bitte, ihm die erforderliche, im Gesetze begründete Assistenz zur Erwirkung einer Unterredung mit seiner Tochter zu gewähren. Die Erfüllung dieser Bitte wurde wochenlang verzögert, bis endlich der Polizeikommissär Tomasik beauftragt wurde, Markus Weiß und einen gewissen Meißner aus Szczueina, dessen Tochter gleichfalls von den Felicianerinnen zurückgehalten wurde, in's Kloster zu begleiten. Der Kommissär ließ beide Väter im Hofe warten und erschien nach zwei Stunden mit einem Protokoll, das angeblich mit den Mädchen ausgenommen worden war. und wonach sich dieselben weigerten, mit ihren Vätern zu sprechen. Im Sommer 1899 erwirkten Markus Weiß und Schul Straußberg, der in der gleichen traurigen Lage war, eine oberhirtliche Erlaubniß, ihre Kinder zu sprechen. In dem Schreiben des Fürstbischofs wurde die Oberin angewiesen, die Mädchen für die Unterredung mit ihren Vätern „vorzubereiten." Die Oberin verweigerte jedoch den Vätern den Zutritt in's Kloster mit dem Bemerken, daß ihre Kinder sie nicht sehen wollten. Diese Aussage steht im Widerspruch mit den Angaben der Gattin und einer zweiten Tochter des Markus Weiß, welche Roza wiederholt durch eine Spalte des Gartenthores gesprochen hatten, und denen Letztere weinend klagte, daß man sie eingesperrt halte, obwohl sie gerne nach Hause möchte. Auch die Anrufung der Gerichte ist, gleich wie im Falle Araten, bisher erfolglos geblieben. Erfolglos geblieben wie im Fall Araten, obgleich der Kaiser selbst dem betrübten Vater versprochen hatte, er werde sein Kind »nieder bekommen. Das spricht Bände, denn es gibt eine triftige Antwort auf die Frage, wer denn in Oesterreich eigentlich regiere. Rumänien. Putarcst, 2. Juli. (D e r Auszug a u i R ii m ü n i e ii.) Die „Oefterr. Wochenschrift" wandte sich an einige Persönlichkeiten in Bukarest, Galatz und