Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 56 (12.7.1900)
- Date
- 1900-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1138 Dan. 6, 11], die Anlage von Synagogen durchgehends nur an solchen Orten erfolgte) und das Versammeln der Gemeinde zu gemeinschaftlichem Gebete bereits vorausgesetzt. Ebenso läßt die an die babylonische Judenschaft von Seiten desselben Propheten gerichtete Mahnung: naB* nan» ’n^jn wk i'p.i eite r\» isnn 'n btt m yz ibbanm Bemühet euch um die Förderung derjenigen Stadt, in welche ich euch verbannt habe und betet für dieselbe zu Gott" (das. V. 7), auf die Abhaltung gemeinschaftlicher öffentlicher Gottesdienste schließen. Denn das Gebet für Stadt und Vaterland erhält nur als Kundgebung der Gesammtheit seinen wahren Sinn. Aus diesem Grunde ist ja das diesfällige Gebet bis auf den heutigen Tag nicht sowohl Gegenstand der häuslichen, als vielmehr der öffentlichen Andacht. Um Mißverständnissen zu begegnen, sei hiermit im vorhinein erklärt, daß die ältesten historischen Nachrichten bezüglich der hier in Betracht kommenden Einrichtungen auf den Propheten Jeremiah zurückweisen, womit jedoch keineswegs behauptet sein soll, datz letztere selbst vor seiner Zeit nicht vorhanden waren. In dieser Weise sind die Worte des Propheten Jecheskel: irs-ixr Mv \tnpob anb 'nxi rav ">L'rr „Ich ward ihnen zu einem Heiligthum geringerer Art in den Ländern, in welche sie gekommen" (11, 16). nur dann verständlich, wenn wir sie dabin auslegen: ich ließ sie dahin gelangen, daß sie mir in den Ländern ihrer Verbannung Heligthümer geringerer Art — im Vergleich zu dem in Jerusalem — errichteten. Oefientliche Gebetssiätten waren also auch zur Zeit dieses Propheten eine durchaus alltägliche Erscheinung. Wenn endlich in Dan., Cap. 6, erzählt wird, daß die persischen Oberen und Satrapen, außer Stande, ihrem Genoffen Daniel irgend ein Vergehen auch nur anzudichten, diesem aus der Gepflogenheit, dreimal täglich sein Gebet zu verrichten, eine Falle bereiteten. so beweist dieser Umstand ebenfalls, daß letztere nicht blos in Babylonien geübt, sondern auch allgemein bekannt war. Es laffen ferner die Worte in Koheleth: rav L'si'LSN r.ra pwe'b nrpi ’pbs rrn -[bn iv'xr N37 Achte auf deinen Wandel, wenn du in das Gotteshaus gehst, woselbst du leichter erhört wirst, als wenn die Thoren spenden" l4, 17), erkennen, daß selbst zur Zeit des Tempels öffentliche Gebetsstätten vorhanden waren. In dem Ausdruck DHi-rn b: n» ei» „gehe hin und versammle alle Juden" (Esth. 4, 16) ist eine Anspielung auf die unter rßjrm r'a allgemein bekannte Gebetsstätte nicht zu verkennen, wie andererseits die Bezeichnung nejs 'V)x die sich jedenfalls von der großen Synagoge, in welcher jener Rath seinen Sitz hatte, herleitet, nur dann verständlich erscheint, wenn es in der damaligen Zeit auch gewöhnliche nveia 'ro gab. Vemerkenswerth erscheint hier auch der Bericht von der großen Prachtfynagoge in Alexandrien (Sukkah 61 b), in welcher 71 vergoldete Sessel für die Vorsteher aufgestellt und jeder Zunft ein besonderer Platz angewiesen war. In Folge ihrer allzugroßen Dimensionen mußte man in derselben als Zeichen zum Einstimmen des fv« das Schwenken von Fahnen geben. Das zeigt deutlich, daß in den ältesten Zeiten in jener ägyptischen Gemeinde öffentlicher Gottesdienst ganz in der noch heute allgemein üblichen Weise abgehalten wurde. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Correspondenzern Deutschland. Berlin, 4. Juli. Unter der Ueberschrift „Christliche Gedanken zu den Konitzer Vorfällen" bringt die „Christl. Welt" einen Aufsatz des Theologieprofessors Lic. Dr. Jülicher, worin es mit Bezug auf die Haltung der konservativen Presse in der Konitzer Angelegenheil heißt: ' ' ' Als das Schmerzlichste bei dieser Sache erscheint mir die Erfahrung, daß die christliche Presse so überaus wenig Verständniß für die solchen Erscheinungen gegenüber des Christenthums würdige Haltung zeigt. Ich habe dabei nicht die antisemitische Hetzpresse im Auge, von der Niemand viel Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit erwartet. Aber in der Presse, die es liebt, sich als die berufene Vertreterin echt kirchlicher Gesinnung bei uns zu betrachten, offenbart sich von den großen konservativen Zeitungen der Hauptstadt au, die „positiven" Kirchenzeitungen nicht ausgeschlossen, bis herab zu den bescheidenen Provinzialblättchen, eine merkwürdige Einmüthigkeit in der Sympathie für die Stimmungen des westvreußischen Pöbels .... Wenn die Männer, die das Volk in christlichem Geiste führen wollen, es indirekt in seinen wilden Instinkten, die niemals de» Sache nützen, wohl aber ihm selber schwer schaden, durch Entschuldigung und Rechtfertigung bestärken, was kann dann vom Volk erwartet werden? Breite Kreise der Kirche — denn leider stehen hinter der konservativen Presse noch gewichtigere Potenzen — im Bunde mit Unwissenheit und Leidenschaft, wo doch gerade im Kampfe mit dem Judenthum das Christenthum durch reinere Erkenntniß und Unbefangenheit des geschichtlichen Urtheils, durch den ernsten Willen und die Kraft, die Masse zu erziehen, seinen Vorrang beweisen sollte! Volksthümlich und modern mag heute solch eine Ja-Nein-Verleumdung in Sachen des Blutaberglaubens sein, christlich darf sie niemals heißen. Wiesbaden. In der Generalversammlung der „Israel. Lehrer des ehemaligen Herzogthums Nassau" am 10 Juni zu Wiesbaden lvurden die neuen Statuten des Vereins berathen. Da mit dem Lehrerverein zugleich eine Pensionskasse verbunden wurde, war eine Neubearbeitung der Statuten nothwendig geworden. Kollege T r a u b - Wiesbaden hat sich der großen