Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-07-12 · Heft 56 (12.7.1900) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 56 (12.7.1900)
Date
1900-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449101--51099-2501595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4U Jahrgang. M L« Der Israelit. Ein GenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLHum. Begründet von Dr. Mrhmrrrirr in Donnerstag, den 12. Juli K660 (ISO«). Leitender Artikel. Bittk W kt>WS inchr Wlhkit und Siiorlnl. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink, Wien. II. Das Gebet ist ursprünglich der freie Ausdruck innerer Seelenregungen. Es erfließt aus den in ihre Beziehungen zu Gott gebrachten jeweiligen Herzensstimmungen der Betenden. Diese Auffassung hatten auch unsere Weisen von der Sache, wenn sie das Gebet als n^ae» rn'is? als die Bethätigung des Herzens im Dienste Gottes ansehen. Erscheint das Gebet jedoch in dem Gepräge einer bestimmten Form, so* hat es seinen urwüchsigen Charakter bereits eingebüßt und ist damit gleichsam zu einem Kunstprodukt geworden. Dieser durchgreifende Wandel auf einem so bedeutsamen Gebiete religiöser Bethätigung kann selbstverständlich nicht ohne zwingende äußere Ursache vor sich gehen. Derselbe muß jedoch mit Nothwendigkeit dann erfolgen, wenn das Gebet aus dem Rahmen eines persönlichen Anliegens hinaustretend, zur gemeinsamen religiösen Angelegenheit Vieler, also zum gemeinschaftlichen Gebete wird, um sich schließlich zum Gemeindegebete zu erheben. Als solches erscheint es stets an bestimmten, dem Dienste Gottes ausschließlich geweihten Stätten, gewöhnlich 'Bethäuser genannt, gebunden. Mag das Gebet in dieser Form auch an persönlicher Innigkeit manches einbüßen, ungleich mehr gewinnt es dafür an religiöser Erhebung. Das ist auch der Grundgedanke, von welchem sich die Bestimmungen der 3. Mischnah im 7. Cap. in Berachoth herleiten, welche anordnen. daß man in einer Gemeinschaft von dreien das Lob Gottes mit -pa: „wir wollen preisen," in einer solchen von zehn mit 'pbxb “pa: „wir wollen unfern Gott preisen," in einer solchen von hundert mit 'pbx 'nS “pa: „wir wollen den Ewigen unfern Gott preisen, in einer solchen von tausend mit 'ib -pa: 'pbx bx-!L" „wir wollen den Herrn, unfern Gott, den Gott Israel," in einer solchen von zehntausend endlich mit 'p^x ’pSx -pa: mw zm mjoatn 'pbx bx-ie" „wir wollen den Ewigen, unfern Gott, den Herrn der Heerschaaren, der über Cherubim thronet, preisen," verkünde. Diese stetige Steigerung in der HuldigMg Gottes will nichts anderes besagen, als daß, je zahlreicher eine Gemeinschaft, die von gleicher Gesinnung getragen, sich zu Gott erhebt, desto entschiedener geht der Einzelne mit voller Hingebung in Gott ein und desto mehr tritt in Folge dessen das rein Persönliche von selbst in den Hintergrund. Wo daher des gemeinschaftlichen Gebetes und in Folge dessen der gemeinsamen Andachtsstätte Erwähnung geschieht, da werden wir mit aller logischen Folgerichtigkeit auch aus das Vorhandensein fest formulierter Gebete schließen müssen, selbst wenn historische Nachrichten hierüber keine Auskunft geben sollten. Diessäüigen Berichten wiederum werden wir, weil sie eben im geschichtlichen Zusammenhänge tief begründet sind, im vorhinein mit allen Voraussetzungen historischer Wahrhaftigkeit begegnen müssen. Wenden wir uns nunmehr der Prüfung des geschichtlichen Sachverhaltes zu. Die älteste Spur eines gemeinschaftlichen Gebetes an einer der Andacht gewidmeten Stätte ist meines Erachtens in den Worten der Propheten Jeremiah entnpi 22'bx tobt 'bx «Menm djiäu vnx „Ihr werdet mich anrufen, indem ihr euch hinausbegebet und zu mir beten werdet — und ich werde euch erhören." (Cap. 26. 12). In diesen Worten wird das Vorhandensein öffentlicher Gebetsstätten außerhalb des Weichbildes der Stadt (es ist allgemein bekannt, daß im Alterthum jedenfalls in der Absicht, um eine freie Aussicht nach Jerusalem zu gewinnen svergl. l. König 8, 48 und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.