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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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4L starb in Worms am 5. Cheschwan (27. Okt.) 1786 (Memorbuck 8. 52). — Salomon Levi, der zweite Sohn des Wolf Levi, machte zuerst unter Aufsicht seines Vaters und später in Prag seine Talmudstudien und wurde in Gailingen (Baden) angestellt, wo er 47 Jahre lang bis zu seinem am 24. Tebet (14. Januar) 1825 erfolgten Ableben segensreich wirkte; seine Frau Mirjam starb hochbetagt in Gailingen am 3. Schebat (29. Januar) 1838. Die Söhne, die den Namen Levinger führten, lebten streng religiös und waren auch in der rabbinischen Litteratur nicht unwissend. — Der dritte Sohn. Hirsch Levinau, war ein reicher Bankier in Augsburg. — Ein Sohn des oben genannten Mainzer Rabbiners war der am 4. April 1899 im Alter von 93 Jahren verstorbene Benedict Levi, emeritirter Landesrabbiner von Giessen. Er besass das Bild seines Grossvaters, des Rabbiners Benjamin Wolf Levi Spiro von Pfersee. Es ist, wie mir der verstorbene Rabbiner von Giessen brieflich mitteilte, ein sehr feines, edles Greisengesicht mit langem, dünnen weissen Barte; mit polnischer Pelzkappe, weisser Halskrause und einem weiten, schwarzen Talar bekleidet, sitzt er auf einem Sessel vor einem nneo Schrank, eine Hand zwischen ein Buch gesteckt. — Benjamin Wolf Spiro starb in Pfersee um's Jahr 1792. Bei der 1765 erfolgten Beerdigung des Simon Wolf Wertheimer, der ein Sohn des bekannten Hotfaktors Wertheimer war, schloss die Gemeinde Pfersee sich dem Zuge an, der die Leiche von Mönche n nach K r i e g s h a b e r überfiihrte (vgl. Kaufmann, Samson Wert heim er, S. 84). 1788 wohnte in Amsterdam der Arzt Josef Pfersee (Steinschneider Hebr. Bibi. VIII, 136; XI, 44) D- Ein Maier Bär Pfersee, Steuersekretär in Prag, starb dort im März 1827 (Bikure Haitim IX, 190). Eine andere Gemeinde des schwäbischen Kreises ist Thann hause n, welches früher eine ziemlich grosse jüdische Gemeinde hatte, die gegenwärtig vollständig aufgelöst ist. 1561 wohnten dort einige Juden. 1592—94 befand sich daselbst, wie schon erwähnt, eine jüdische Druckerei, welche von Simon Levi Giinzburg und Isak *no geleitet wurde7 8). In derselben 7) 1818 war in Hamburg eiu Rabbiner, Namens Zadok Fersen, was, wie mir scheint, unserm Pfersee entspricht. 8) In Wolf bibl. hebr. II, 18-1 wird Thannhausen mit Thiengen verwechselt, wo A. 1560 jüdische Werke gedruckt wurden. wurde 1502 das Machsor nach deutschem Ritus gedruckt. Nachdem eine grosse''Anzahl von Exemplaren fertig gestellt war, soll, nach dem Bericht von Brentz9) das Buch konfiszirt worden sein, weil darin angeblich Lästerungen gegen die christliche Religion enthalten waren; auch sollen die Juden in Schwaben, hierdurch in grosse Gefahr geraten sein. Salomon!Zebi10 * * *) aus A li f h a u s e n1') berichtet jedoch, dass die Machsorim wieder zurückgegeben worden"seien, nachdem die erwähnte Beschuldigung sich als haltlos herausgestellt, habe, ln den wenigen noch erhaltenen Exemplaren fehlen jedoch tliatsächlich verschiedene Blätter, die der Censur zum Opfer fielen12). — 1594 wurden dort die Sulathot durch Stephan Schurmann und Peter Geisler gedruckt. Eine jüdisch-deutsche Handschrift des „ Eulen- Spiegel“ wurde a. 1600 in Thannhausen durch den Arzt Benjamin b. Josef13) vollendet14). Dort spielt auch eine Handlung, die durch ein jüdisch-deutsches Lied aus dem Jahre 1620 verherrlicht wird l5). 1599 ff. hatte die gemeine Judenschaft an „Rossgeld“ jährlich 17 fl. zu zahlen. Eberlen Judt, Doktors Sohn, zahlt für Sitzgeld 8 fl., Neujahrsgeld 50 Kreuzer und Gansgeld16) 20 Kreuzer. Die beiden letztem Abgaben wiederholen sich öfter in gleichen Beträgen, während das Sitzgeld von 8 fl. zuweilen zur Hälfte, zuweilen auch ganz nachgelassen wird. An Judenzoll waren jährlich 21 fl. zu zahlen. Lazarus Jud von Giinzburg sollte 1603 auf sein Haus 1 fl. 30 kr. „Pensionsgeld“ zahlen; er ist, jetzt „Villensclireiber“ (Tfillinschreiber) und bestreitet die Verpflichtung zur Zahlung, da er das Haus von Samuel bezogen habe I7). 9) Jiul. al gestreifter Schlangenbalg, Kap. 5, 8. 30. 10) Jiul. Theriak S. 305. 11) Der Ort heisst nicht IJflumsen (Zunz, z. Gesell. S. 381 und gottesd. Vorträge S. 451a), auch nicht Ottenhausen (Cat. Bodl. Nr. 6962), sondern Auf hausen am Scheukenstein, liegt im Ries und gehört seit 1806 zu Württemberg. 12) Ci. Orient Lit. Bl. 1840 Col 407; Mtsch. 25, 350. 13) Er starb 1614; seiner Wittwe wurde als einer „verlebten armen sterbenden Jüdin“ das Schutz- und Sitzgehl lebenslänglich erlassen (Rathausakten). 14) Steinschneider, Cat. München Cod. 1005; Serapemn 1864 Nr. 388. «5) Serapeum ibid Nr. 450. 16) In tfu n de lfingen betrug 1683 das Gansgeld 30 Kreuzer; es war dieses eine Abgabe, die für jede Gaus zu zahlen war; vgl. Biilinger, Ailemannia II, 407 ff. 17) Vorstehende Notizen, die den Rathausakten in Thannhausen entnommen sind, wurden durch Herrn Lehrer Weiler aus Nördlingen an Ort und Stelle abgesebrieb.-n und mir freuudlichst zur Benützung überlasten.

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