Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 55 (9.7.1900)
- Date
- 1900-07-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1125 gemeinde ein Schulgebäude für 130,000 Kronen erbauen lassen. Die jüdischen 'Schulverhältnisse stehen daselbst in schönster Blüthe. Italien. Nianl, 4. Juli. Die aufgelöste italienische Deputiertentammer zählte vierzehn Juden als Mitglieder. Bei den nunmehr vollzogenen Neuwahlen ist die Zahl der jüdischen Abgeordneten auf siebzehn gestiegen, darunter der Ex-Minister Luigi Luzzatti und die beiden Br Staatssekretäre Romani Jacur und Wollemborg. Die „Unita cattolica" ist sehr betrübt dariiber, daß gerade Padua, „die Stadl des heiligen Antonius," ein „Best!; des Ghetto" geworden ist. Die Provinz Padua schiett nämlich drei Juden in's Parlament. Frankreich. Parte, 4. Juli. In der heutigen Nummer der „Aurorc" ist ein Aufsatz von Bernhard Lazare veröffentlicht, der „Roumains et Juifs" betitelt ist. Der berühmte französische Schriftsteller erinnert daran, daß die rumänischen Studenten am internationalen Studententongreß, der in Paris am 7. August d. I. eröffnet wird, theilzunehmen gedenken, um — so heißt eS in dem Aufruf der ruinänischen Studenten - die Jrrtbümer der Bergangcnheit lvieder gut zu machen, die Bande unter den Böllern fester zu knüpfen und die Ideen des Friedens u. der Brüderlichkeit triumphieren zu lassen." Bernard Bazare driickt seine lebhafte Freude über diesen Ausruf aus, da er darin eine Wendung in der Well und Lebensanschauung der ru.nänifchen Intelligenz erblicken zli dürfen glaubt. Diese Wendung ist gerade jetzt uni so bemerkenslverther, lvo die rumänische Regierung die grausamsten Maßnahmen gegen Hunderttausende ehrlicher Bürger ergreift, die lediglich ihrer jüdischen Abstammung und ihres jüdischen Glaubens wegen verfolgt werden. Diese Studenten ----- fährt Lazar in seinem so bemerkenswerthen Artikel fort - wissen lvohl, daß die Landstraßen der Moldau und Walachei Dag und Nacht von Schaaren hungriger Juden voll sind, die, um den heuchlerischen Verfolgungen zu entfliehen, zum Wandersiabc des elvigen Inden greifen. Sie misten auch, daß auf den Friedhöfen van Bukarest und Galatz, vor den Schulen und Synagogen, Tausende von obdachlosen und hungrigen Menschen ein elendes Leben fristen. Sie willen auch, daß dank der Niedertracht der rumänischen Regierung die jüdischen Proletarier ans ihren Werkstätten und ihre Söhne ans den Schulen und den Universitäten vertrieben sind. Vielleicht hat dies alles im Herzen der rumänischen Jugend den schönen Traum der Ideale erweckt. Und bald werden die Studenten gegen die Ausweisungen protestiren, um der ganzen civilisirten Welt zu zeigen, daß es noch in Rumänien Menschen gibt, die um die Ehre ihres Vaterlandes besorgt sind. So weit Lazare. Ja, mögen sie kommen, die rumänischen Studenten, die den Muth haben, gegen diese Grausamkeiten zu protestiren. Wir werden ihnen freundlich unsere Bruderhand reichen und ihnen beweisen, daß wir nicht geneigt sind, sie für die Gemeinheiten ihrer Regierung verantwortlich zu machen. Pr. Rußland. Petersburg. (Rückwanderung der Juden nach Petersburg.) Eines der wichtigsten Paragraphen des Vertrages, den s. Zt. der Baron Hirsch als Begründer der „I. K. A." mit der russischen Regierung geschlossen hat, bestimmt, daß die Juden, welche durch Vermittelung der „I. K. A" aus Rußland ausgewandert sind, unter keiner Bedingung nach Rußland zurück dürfen. Da aber das Erwerben des Bürgerrechtes in den meisten Ländern Europas und Amerikas erst nach einem langjährigem Aufenthalte im Lande möglich ist, wurde in der letzten Sitzung des russischen Staatsininisteriums auf Vorschlag des Ministers des Auswärtigen beschlossen, alle durch Vermittelung der „I. K. A." ausgewanderten Juden so lange als russische Unterthanen zu betrachten, als sie noch nicht die Unterthanenschaft eines anderen Staates angenommen haben. Demzufolge ist ihnen auch die Rückkehr nach Rnßlang gestattet. Die Repatriirung bat auf Kosten der „I. K. A." zu erfolgen und werden die betreffenden Ausgaben aus der s. Zt. von der „I. K. A." bei der Regierung hinterlassenen Kaution gedeckt. Dnlhinnw. Die Feuersbrünste, welche in den letzten sechs Wochen 20 jüdische Gemeinden in Rußland heimgesucht haben, fangen an, das Mitleid der Behörden zu erregen. So hat der Gouverneur von Wilna vergangene Woche die Trümmer unserer anfangs vorigen Monats abgebrannten Stadt besucht und auf dem Wege nach Dalbinow für die Abgebrannten 17,000 Rubel gesammelt. Noch großmüthiger hat sich der Gouverneur von Susvalt bei seinem Besuche des am 24. Mai abgebrannten Städtchens Simena gezeigt. Bon dem Anblick des Elends tief erschüttert, hielt er an die ihn umdrängende jüdische Volksmenge folgende Ansvrache: Sorgt nicht. Brüder! Gott wird schon Helten! Und auch ich will alles für Euch thun, was in meinen Kräften steht. 200 Rubel spende ich persönlich, 10,000 Rubel will ich für Euch aus der Provinzial- ^reditkassc zu erhalten suchen, ferner hoffe ich beim Berkehrsminiller für nach Simena gehendes Holz eine erhebliche Frachtermäßigung dnrchznsetzen. Endlich soll das Holz aus den fiskalischen Wäldern in der Nähe von Simena nicht nrehr ocranctionirt, sondern zu marktgängigen Preisen freihändig Euch verkauft werden. Amerika. Newttork. Die Inden in den Bereinigten Staaten machen sich ans ein gewaltiges Anschwellen der jüdischen Emigration gefaßt. Die Hungersnoth und die Krisis in Rußland, das Elend in Galizien und die Verfolgung in Rumänien drängen unsere Glaubens-