Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 55 (9.7.1900)
- Date
- 1900-07-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1124 wurde u. daher schon oft an Wochentagen n^en einstellen mußte, hat sich nun mit dem alten zwz vereinigt und führt nun den Namen: Altes ört'z und '•er; 'n-Schul. In voriger Woche fand die Vereinigungsfeier in würdiger Weise statt. Herr Prediger Caro hielt vor den zahlreich versammelten Mitgliedern und geladenen Gästen die eindrucksvolle Weihrede, und ein gut geschulter Knabenchor trug mehrere entsprechende Psalmen und Gesänge vor. Diese Vereinigung wird nun, wie auch Herr Caro in seiner Weiherede ausführte, hoffentlich zur Folge haben, daß die beiden Betlokale, die getrennt nicht mehr existenzfähig waren, jetzt vereint in den Stand gesetzt sein werden, regelmäßig 11:22 auch an Wochentagen abzuhalten und überhaupt irrnyt rmi Bit pflegen. Die Zahl der jüdischen Schüler an den hiesigen höheren Lehranstalten stellt sich nach den am Schluß des Schuljahres ausgegebenen Jahresberichten wie folgt heraus: Friedrich-Wilhelms-Gymnasium unter 683 Schülern 204 Juden, Vorschule unter 120 Schülern 36 Juden, Maria-Gymnasium unter 604 Schüler 20 Juden, Berger-Gymnasium und Oberrealschule unter 686 Schüler 98 Juden. Haigerloch, 4. Juli. Am ersten Tage Roschchaudesch Tamus beging Herr Stadtrath David L e v i in bester Lebenssrische seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß begaben sich mittags 11 Uhr die Herren Stadträthe, mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, in die Wohnung ihres Herrn Collegen, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen. Abends waren diese Herren, sowie viele Freunde des Jubilars, im „Fürst Joseph" zu einer gemeinsamen, gemütblich verlaufenen Feier versammelt. Herr David Levi gehört schon seit 33 Jahren ununterbrochen dem Stadtkollegium an, ein Beweis, daß er sich infolge seines biederen Charakters des allgemeinen Vertrauens seitens der hiesigen Bürgerschaft zu erfreuen hat. Herr Stadtbürgermeister Münzer hielt Abends eine schöne Festrede, woraus der Jubilar tief gerührt dankte. Auch in unserer Gemeinde sungirt Herr Levi schon über 40 Jahre als Bal thefile an den hohen Festtagen. Möge derselbe noch lange Jahre uns erhalten bleiben. Qe st er r.- Ungar. Monarchie. Budapest, im Juli. Der Rabbiner der Ofener isr. Cultusgemeinde, Dr. Rafael K 0 l d 5 e r g , ist dieser Tage nach längerem Leiden in seiner Sommerwohnung gestorben. Der Verblichene wirkte dreißig Jahre in seiner Gemeinde und obwohl er kein Freund radikaler Reformen gelvesen, so wird man doch weder bei seinen Kindern, noch in den Institutionen seiner Gemeinde altjüdische Gesetzestreue ausgeprägt finden. Das Leichenbegängniß hat unter Entfaltung ungewöhnlichen Trauerpompes, in Anwesenheit mehrerer Honoratioren von Budapest, stattgefunden. — Demnächst wird es ein Jahr sein, daß Prof. David Kaufmann aus dem Leben schied. Zahlreiche Verehrer, Schüler und Freunde des Verstorbenen, versammelten sich auf dem Friedhofe der hiesigen großen Cultusgemeinde, um dem so früh Heimgegangenen Gelehrten ein Grabdenkmal zu errichten. Rabbiner Dr. R 0 s e n t h a l aus Breslau, ein Schwager Kaufmanns, hielt eine ergreifende Rede, in der er den herrlichen Mann als Gelehrten itnd Menschen hervorhob. N. B l u m g r u n d , ein Zögling des Landrabbinerseminars, schilderte in ungarischer Sprache den Einfluß, den der Verstorbene auf seine Schüler ausübte. Wenn dem doch so wäre! Prof. Kaufmann war bekanntlich außer dem greisen Direktor der einzige unter den Professoren der kgl.-ungar. Rabbinerschule, der auch durch praktische Bethätigung von Thora und Mizwos die Würdigkeit besaß, Lehrer der zukünftigen Rabbiner zu sein. Von diesen sind aber nur sehr wenige, deren rabbinische Wirksamkeit an den Talmudspruch erinnert: „Heil dem Lehrer, der ihn Thora gelehrt." Budapest, im Juli. Der jüdische Landesfond, der von hiesigen angesehenen Männern verlvaltet wird, wurde im Milleniumsjahre zu dein Zlvecke gestiftet, um ungarisch-jüdische oder jüdisch-ungarische Kultusinte ressen zil fördern. Seit mehreren Jahren bemühte sich die Leitung, unter den Juden des Marmaroser Komitates ungarische Volksschulen zu errichten; die dortigen jüdischen Gemeinden weigerten sich aber, die culturellen Wohlthaten der Neologen in Anspruch zu nehmen. Die armen, aber frommen Glaubensbrüder jener Gegend und deren Rabbiner behaupten, daß es besser 11. durchaus nicht gefährlich sei, profanes Wissen oder moderne Kultur ~~ wie das Schlagwort lautet — beim N icht - j u dcn zu lernen. Die braven Juden fürchten nämlich für den unverfälschten religiösen Geist, den sie aus ihre Kinder verpflanzen, lind es >väre auch schade, lvenn unter dem Deckmantel der Cultur die jüdischen Kinder dem wahren Limud-Hatorah entfremdet würden. Die jüdische Gemeinde zu Korösmezö hat die Bewilligung ertbeilt,, daß die erste öffentliche Volksschule dort errichtet werde. Die Leitung des Fonds hat sich verpflichtet, in Sachen des Religionsunterrichtes nicht dreinzureden. Der Religionslehrer wird dem Rabbiner und der Gemeinde unterstehen. Es wird sich nun zeigen, ob in dieser von Juden und für jüdisches Geld errichteten Schule die religiösen Gefühle der dortigen Juden auch thatsächlich geschont werden. Leider kann es nicht geleugnet werden, daß in den von der hiesigen großen Gemeinde ereirten Institutionen nur äußerst selten der echtjüdische Geist gepflegt wird. Die hiesigen reichen Juden bringen große Opfer, die Gemeinde verfügt über ein ganzes Heer von Beamten: aber für das gesetzestreue Judenthum geschieht blutwenig. Hoffen wir, daß es in dieser neuesten Anstalt, die ja auch den leitenden Männern dieser Gemeinde untersteht, nicht so zugehen wird. — In Neutra hat die orthodoxe Kultus-