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Der Israelit · 1900-07-09 · Heft 55 (9.7.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 55 (9.7.1900)
Date
1900-07-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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im lungert veranstaltet hätten, theilweise verhindert waren, beschloß die Versammlung, sich für Gesammthessen mit dem Vorort Mainz zu organisiren. Die anwesenden Vertreter der hessischen Gemeinden wurden mit der Errichtung von Lokalcomitees betraut. Gebe der Allgütige zu dem edlen Werke seinen Segen! Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Juli. Herr Rabbiner Ch. O. Grodsensky in Wilna theilt uns mit, daß in den in der Nahe Wilnas gelegenen Städten Dlhinaw, Meretsch und Drau große Feuersbrünste ausgebrochen sind, die namentlich die israelitische Bevölkerung schwer betroffen haben; mehrere tausend Familien sind um Hab und Gut gekommen. Das Unglück und die Roth sind um so größer, als diese Städte ganz nahe beisammen liegen und durch die Niederlage des Handels die Ernährung an sich sehr erschwert ist. Herr Rabbiner Grodsensky bittet daher auf's dringendste alle gutherzigen Glaubensbrüder, diesen Unglücklichen und Bedürftigen kräftig unter die Arme zu greifen. Wir schließen uns dieser Bitte an und hoffen, daß viele und große Spenden eingehen werden. Frankfurt a. M., 6. Juli. Am ersten Juli waren es 25 Jahre, daß unser erster Prämienhändler, Herr Isidor Wolfs , seine reich mit Erfolg gekrönte Thätigkeit eröffnete. Obwohl Herr Wolfs in Folge seiner Erziehung nicht auf dem Boden des Religionsgesetzes steht, ja fast zu den Radikalsten zählt, so war er doch stets voll und ganz bemüht, überall, wo für die gesetzestreuen Firmen sich wegen der festzusetzenden Ultimo- und Prämien-Erklärungstage, sowie für Scontirungen Schwierigkeiten in den Weg stellten, solche durch seinen gewichtigen Einfluß bei der Handelskammer und den sonstigen Stellen zu beseitigen. Hauptsächlich seinem Entgegenkommen, der als Höchstbetheiligter immer sein Jntereffe zurücktreten ließ, ist es mit G. H. möglich gewesen, für eine große Anzahl Banquicrfirmen die Sabbate u. die jüdischen Feiertage ohne jegliche Schwierigkeit halten zu können, im Gegensatz zu anderen Städten, wo leider sich immer Leute finden, die in bewährte, berechtigte Eigenthümlichkeiten Bresche legen. Der mit höchsten Ehrenstellen betraute Herr Wolfs (er ist Börsenvorstand, Vorsteher des Collectivscontros) hat es aber auch im privaten Leben nie an freundlichen Beweisen für seine religionstreuen Freunde fehlen lasten und mit großer Gewissenhaftigkeit seine Thätigkeit der Zedokoh-Caste sowie der Casse Bikur Cholim, Jsr. Männerkrankenkaste und A. m. gewidmet. Nie vollführte er am Sabbat eine Handlung, an der ein glaubenstreuer College dabei betheiligt war, selbst wenn es ihm den größten Nachtheil bringen konnte. Mögen Andere sich an ihm ein Beispiel nehmen, Gegensätze wohlwollend auszugleichen, uns aber möge es vergönnt sein, diesen bescheidenen Mann noch lange Dezennien in Rüstigkeit zur Freude Aller in seinem Wirkungskreise zu sehen. Ponitz, 6. Juli. Die auf Entdeckung des Mörders ausgesetzte Belohnung beträgt jetzt 32,700 Mk. — Die Nachwehen der Unruhen vom 29. Mai unv 10. Juni kommen jetzt auch materiell bereits zur Geltung. So hat Herr Kaufmann S. Zander eine Schaden-Liquidation in Höhe von 198.50 Mk. dem Magistrat überreicht. Herr Aronheim hat dem Magistrat eine Schadenersatzklage in Höhe von 55 Mk. zustellen lasten. Termin steht am 9. Juli vor dem Amtsgericht an. Posen, 3. Juli. Die Zeit räumt in diesem Jahre vieles Alte hinweg. Noch vor 16 Jahren wurde in hiesiger Gemeinde täglich '921 213?, an 15 Stellen 112x2 gebetet. Im Jahre 1884 mußte auf polizeiliche Anordnung das in der Judenstraße stehende Gebäude, in welchem die alte Rabbinerwohnung, ein kleines Betlokal, genannt die v'iin2-Schul und das alte ötps belegen waren, abgebrochen werden, um den Raum vor den dahinterliegenden beiden Betschulen, der alten und neuen, zu erweitern. So wurde demnach das genannte Betlokal und das alte cvra kassirt; letzteres wurde in ein Nebengebäude verlegt. Da aber auch die Leiden Betschulen einer gründlichen baulichen Veränderung unterlagen, so mußte der Fußboden, der, wie vormals üblich, fast ein Meter Tiefe hatte, auf die Höhe des Straßenniveaus gebracht werden, so daß hierdurch ein weiteres Betlokal, die über dem Eingänge der alten Betschule gelegene sog. oberalte Schule fortfallen mußte. Inzwischen hat sich mit der Verminderung der Betlokale leider auch der Synagogenbesuch vermindert und sehr oft war man an Wochentagen in einigen Synagogen genöthigt, auf zu warten, wenn überhaupt ein solches zu Stande kam. Die kleineren Betschulen mußten daher nur kümmerlich fortvegetiren, bis daß endlich in diesem Jahre zwei derselben, die sog. Berliner Schul*) und die Fleischerschul ihre Pforten schließen mußten. Auch das alte anno das, wie erwähnt, im Jahre 1884 in das Nebengebäude verlegt werden wurde, dessen Besuch aber immer mehr abnahm, Hort jetzt zu existiren auf, denn auch dieses Gebäude muß wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Doch wird die Erinnerung an dieses v'N'2 in welchem einst viele n^n; dem mirn -nrrtz oblagen, nicht ganz zu Grabe getragen werden, denn die in der Nähe der beiden Hauptsynagogen belegenesoq. ''cm 'i-Schul, der Sage nach die älteste der Gemeinde, die ebenfalls während der letzten Jahre nur schwach frequentirt *) Sie führte diesen Namen, weil sie von den Berliner Kausleulen, die nach der preußischen Occupation 1795 sich hier niederließen, gegründet wurde.

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