Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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L-8 eine Handlung 'v'2 nxutri msx tts nsin.se>, die wohlgefällig zur Zeit der Väter war, aber heute verwerflich ist. Wer sich nun aus Pietät für das von den Vätern Ueberkommene über das göttliche Verbot hinweg setzen wollte, würde ein großes Unrecht begehen. Unter den Argumenten, welche man oft für die (Einführung von Kirchenorgeln in unsere Synagogen anfllhren hört, gehört auch die Behauptung, daß die Verwendung von Musik schon im Gottestempel von Jerusalem stattgefunden habe, man könne dieselbe somit heute nicht unstatthaft finden. Es liegt hier der Fall ganz so, wie in dem angeführten Beispiele. Die Orgel ist erst im 14. Jahrhundert erfunden worden; eine Orgel hatte man daher ganz sicher nicht im jüdischen Tempelheiligthum. Hätte man sie aber selbst gehabt, sie wäre aber im Laufe der Jahrhunderte ein spezifisches Charakteristikon nichtjüdischer Kulte geworden, so genügte dieser Umstand allein, um ihren Gebrauch bei unserer Gottesverehrung zu untersagen. Man hat nun, um auf unseren Gegenstand zurückzukommen, den Umstand, daß die Hartnäckigkeit Israels von der Anklage wie von der Vertheidigung geltend gemacht wird, dahin zu erklären versucht, daß jene den Mißbrauch, diese aber mehr das ihr zu Grunde liegende, edle Motiv im Auge hat. Wir glauben, daß piy r.vtrp Hartnäckigkeit, immer ein Fehler bleibt, u. daß die bessere Disposition des mit diesem Fehler Behafteten auch für consequentes, vernunftgemäßes Festhalten des als wahr Erkannten, diesen Mangel doch nicht als Vorzug erscheinen lasse. Versuchen wir daher eine Erklärung, welche die Hartnäckigkeit Hartnäckigkeit sein läßt und sie trotzdem dem Vertheidiger für sein Plaidoyer gestattet, um zugleich auch die von uns betonten anderen Schwierigkeiten dieses Plaidoyers zu lösen. Als Hauptirrthum, der dem ganzen Vorgang zu Grunde lag, haben wir die Anschauung der aus Egypten Geführten erkannt, als sei dieser Auszug nicht nach dem Willen Gottes, sondern nach dem eigenen Ermessen Moscheh's erfolgt. Außer der Ueberlieferung der Vater, welche ein vierhundertjähriges Sclavenlos bestimmt hatte, fiel auch noch folgender Umstand für eine solche Anschauung ins Gewicht. Die Art und Weise, wie dieser Auszug angebahnt und ausgeführt wurde, mußte dafür sprechen, daß er nicht mit göttlicher Zustimmnug erfolge. Hätte — so sagten sich die Zweifelnden — Gott wirklich die Absicht, uns aus dem Lande unserer zweiten Heimath in die Wüste zu führen, bedürfte es dann solcher ungewöhnlicher, harter Mittel, wie die zehn Plagen, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn Gott, der Herr alles Geistes und jeder Gesinnung, wirklich unfern Wegzug von Mizrajim wollte, so brauchte Er, in dessen Hand das Herz der Könige ruht, nur das Herz des egyptischen Königs königlich fühlen zu lassen; eine solche edle Regung genügte, um die Bedrückten frei zu machen und sie dem Lande ihrer Sclaverei den Rücken kehren zu lassen. Statt dieser so einfachen, nahe liegende.-. Lösung der egyptischen Judenfrage, wird der lick zu Blut, verläßt die ganze Natur ihre gewohnten Geleise, nur um den Trotz eines sterblichen, mit irdischer Majestät betteidcten Menschen zu brechen. Alle diese Wunder imponirten nicht in einem Lande, dessen Chartumim mit ihren geheimen Künsten, das alles ihrem Moscheh nackzuthun vermochten. Vielleicht war Moscheh in ihren Augen den egyptischen Chartumim um einige Grade überlegen, aber alles war doch nur das Werk Moschehs, der mit diesen Mitteln den Auszug erzwingen wollte, an dessen Göttlichkeit die zu Befreienden nicht glauben konnten. Freilich hatte Gottes weise Allmacht diesen Weg zur Befreiung seines Volkes gewählt, um sich als Herr über das ganze Universum für alle Zeiten und Zonen einzuführen, wie das Gotteswort dieses Motiv widerholt hervorhebt. Nicht ein milder, gefügiger, der trotzige und unbeugsame Sinn Pharaos war daher erforderlich, um die starke Hand Gottes in ihrer ganzen Wucht zur Anerkennung zu bringen. In diesem Sinne dürften die Worte, mit welchen Moscheh vor Gott das Gebet für sein verirrtes Volk einleitet: -£.xn-rp 'n nc1? no^ ,npm n-si inn: nss p.xo rsrn -itrx bvü c762h'. cr-ns;n\s csrn ny-s nex*» rcxfolgendes sagen wollen: '121 px prc sie* . nonxn w „Warum erglüht Dein Zorn über Dein Volk (weil es unbeugsam daran festhält, daß ihm durch Deine Abraham gewordene Verheißung 400 Jahre der Knechtung beschieden seien und es früher an keine göttliche Erlösung glauben wolle) da Du es doch aus dem Lande Mizrajim mit so großer Kraft und so starker Hand geführt (und damit selber diesem Wahn Vorschub geleistet hast); Du hast nun thatsächlich allerdings Dein Volk deshalb auf so ungewöhnliche Weise herausgeführt, damit Mizrajim Dick und Deine Allmacht kennen lerne, aber selbst dieser Zweck wird nicht erreicht werden, wenn Du Dein Volk in der Wüste den Untergang finden lassen wirst. Die Egypter werden dann glauben, der Untergang dieses Volkes sei der einzige Zweck aller Deiner Machtentfaltung und speziell das Motiv des Auszugs aus ihrem Lande gewesen. Dort hätte sie der Strahl Deiner strafenden Gerechtigkeit nicht erreichen können und Du hättest sie deshalb erst hinaus in die Berge locken müssen, um sie dort zu erschlagen und sie von der Erdoberfläche zu vernichten. Aber nicht nur die heidnische Welt, auch Dein erwähltes Volk muß an Deiner Waltung irre werden, wenn Du sie jetzt wirklich verlassen und ihrem Schicksale überlassen wolltest. Du kennst ihr Mißtrauen, kennst ihre Hartnäckigkeit, würdest Du Dich jetzt zurückziehen und nicht mehr mit ihnen wandeln wollen, so wiirde ja ihr Wahn auf's Neue bestärkt werden, weil sie jetzt in Deinem Verlassen den vollgiltigen Beweis für die Berechtigung ihres so hartnäckig festgehaltenen Glaubens erblickten: Du habest sie nicht aus Mizrajim geführt, das hätte ich auf eigne Verantwortung gethan, um sie nun zu einem solchen Ende mit Schrecken zu führen. Nicht durch Dein Ver-