Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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j•*'k-l'1-.t1 4t. Jahrgang. Erste Beilage M M 14 -es JferotUt“. Leitender Artikel. Das goldene Kalb. (ZN XBV '2 7-2-L). M ci t n ,5, 14. Februar. II. Dem ungestümen, in seinen Motiven aber durchaus edlen Verlangen des Volkes nach der heiligen Lade und den Bundestafeln, diesen Emblemen seiner göttlichen Führung durch die Wüste, suchte nun Aharon zu ent sprechen, indem er die Vorbereitungen lvenigstens zur Beschaffung der heiligen Lade traf. Dazu sollte das Gold dienen, das er von dem Volke forderte. Daß sich seine Forderung aber auf die goldenen Ohrringe beschränkte, darüber dürste folgende Erwägung Licht verbreiten. Wir begegnen im 1. B. M., Cap. 35, V. 2 der Aufforderung Jakobs an sein Haus und seine ganze Umgebung, die fremden Götzen zu entfernen, die sie von der Beute bei Eroberung Schechems noch hatten. Die Art und Weise, wie dieser Anforderung entsprochen wurde, gibt die Thora mit folgenden Worten an: km ':rr. -2'x rx* c“*- “trx -r;n x pz rx „Sie gaben Jakob die fremden Götter, die sie in Händen hatten „und die Ringe an ihren Ohren." Aus diesen Worten ergibt sich zweifellos, daß die Ohrringe zu den Gegenständen des Götzencults gehörten. Vielleicht wurden sie am Ohre getragen, um dasselbe damit dein Götzendienste bereit zu stellen, als symbolischer Ausdruck des Gehorsams und der Hörigkeit. (Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A. bestätigte gelegentlich einer mündlichen Mittheilung dieser Erklärung die Richtigkeit derselben durch Hinweis auf den Targum, der Z’Zi: mit wiedergibt. > Wir wissen, daß trotz der treuen Anhänglichkeit an die Tradition der Väter, der mehrhundertjährige Aufenthalt unserer Ahnen unter einem götzendienerst scheu Volke nicht ohne nachtheiligen Einfluß auf dieselben geblieben ist. Diesem entsittlichenden Einfluß wollte Aharon entgegen treten, indem er ihnen in ihren -Ohrringen die äußeren Abzeichen der Unterordnung unter den Götzentult abnahm und sie ins Feuer warf. Wie später die im Dienste der Sinnlichkeit stehenden Frauenspiegel für das Reinigungsbecken des Heiligthums, wie die Kupferpfanne der Empörer gegen Gott und seine Diener zur schützenden Hülle des Altars verwendet wurden, so wollte aus diesen! dem Götzenkhume bestimmten Golde Ahron die heilige, goldene Lade gewinnen, welche mit den beiden Tafeln einst dem Volke zur Führung voran gehen sollte. In Wirklichkeit entstand aus diesen! Golde zur Ueberraschung Aharons und des ganzen Volkes ein — Kalb. Ob dies in Folge einer Form geschah, die, wie die Ueberlieferung berichtet, durch Micha heimlich in den Schmelzofen nranipulirt worden war. oder auf welche Weise auch immer, war für die erregte Maste gleichgiltig. Diese wußte, daß Aharon ihre Götzen dem Feuer überantwortet hatte, um daraus eine Gotteslade zu machen. Thatsächlich wurde aber daraus keine Lade, sondern ein Götze, wie er ihnen aus dem egyptischeu Thierkultus geläufig war; was lag näher als in diesen: Vorgang, das dunkle Walten der Göttergewalten zu erblicken, welches diese Umwandlung zu Wege gebrach: hatte. Dazu fam die treue Hingebung an die väterliche Ueberlieferung, nach ivelcher der Auszug aus Mizrajin: fast zivei Jahrhunderte zu früh eingetroffen war und daher unmöglich mit Gottes Hülfe erfolgt sein konnte. Was lag näher als diesen geheimnißvotlen Göttermäch ten den Einfluß zuzuschreiben, der sie gegen Gottes- Wille aus Mizraiim geführt batte und den Verdacht, den sie bislang gegen Moschet) hegten, nunmehr gegen ihre Götzeneinbleme zu erheben und zu sprechen: „Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Mizrajim heraufgeführt haben?!" Dieses unbeugsame Festhalten an der Väterüber lieserung, das zu seiner Rechtfertigung selbst dein Götzenthum eine gewisse Macht zuerkannt, das war es. was ihnen den Vorwurf der Hartnäckigkeit ein brachte. Das Beharren auf Meinungen und Entschließ ungen auch bei Entdeckung ihrer Unrichtigkeit, ja dieses Sichsperren gegen jede andere, bessere Ueberzengung, das ist es, was!vir Eigensinn und in noch gesteigertem Grade Hartnäckigkeit nennen. Die Thatsache, daß keine inenschliche Fähigkeit und Anlage an und füt sich gut oder schlecht ist, daß sie es vielmehr erst durch die rechte oder verkehrte Anwendung tvird, tritt hier ganz besonders zu Tage. Das unentlvegte Festhalten an dem einmal als richtig und ivahr Erkannten, ist eine hohe Tugend, die >vir Beharrlichkeit und Eonse guenz nennen. Erst durch ihre mißbräuchliche Anwen düng ivird sie zum Eigensinn und zur Halsstarrigkeit. An der Sitte und Ueberlieferung der Väter treu sestzuhalten, ist besonders ehrenvoll. Trotzdem kann es Umstände geben, >vo das, >oas sonst unsere, höchste Ehre ausmacht, uns verboten ist. Wir wissen z. B.. daß zur Feit der Stammväter die Errichtung eines Denksteines ----- rziz -als besonders wohlgefälliger Akt der Got tesverehrung galt. Als später diese Handlungsweise auch heidnische Völker zur Verehrung ihrer Götter nachahmten, wurden sie uns durch besonderes göttliche-- Gesetz verboten. Es ist das ein klassisches Beispiel stw