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Der Israelit · 1900-02-15 · Heft 14 (15.2.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 14 (15.2.1900)
Date
1900-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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374 Oester r.-Un aar. Monarchie. Neuern i. Böhmen, 7. Febr. Zu dem Berichte in Nr. 11 des „Israelit" aus Unterfranken, wonach die „N. Bay. Ztg." den Talmud schwer verdächtigte, weise ich diese Antisemiten aus die Stelle im Talmud (Succa 65) hin, daß am Hüttenfeste im Tempel zu Jerusalem 70 Farren geopfert wurden, nach Anzahl der 70 Völkerschaften auf Erden, damit ihrer in Freundlichkeit vor Gott gedacht werde, zu ihrem Segen und zu ihrem Heile, damit auf dem Gottesaltar jede Nation ihre Vertretung finde in dem Heiligthum Zions und — kn der Mitte Israels. Und das nennen unsere Feinde talmudische Heuchelei, versteckte Lieblosigkeit u. Geheimlehre?! Die „Neue Bay. Landesztg." wolle vom Opferaltar Israels weltbürgerliche, menschenfreundliche Gesinnungen lernen. M. Reiser. Rabbiner. Schweiz. St. Gallen. Der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. Engelbert, ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Seine langjährige hiesige Wirksamkeit hat dem religiösen Verfall der hiesigen Gemeinde nicht zu steuern vermocht; ja, sie hat denselben noch vielfach gefördert. Vor ca. 16 Jahren hat derselbe die Mitglieder seiner Gemeinde zur Abschaffung des zweiten Feiertags aufgefordert; einer Aufforverung. welcher jedoch die Gemeinde nicht entsprach. Als Anfangs der sechziger Jahre der Ausübung der Schechita hier Schwierigkeiten bereitet wurden, ist er in zwei verschiedenen Broschüren für diese Institution mit Eifer und nicht ohne Erfolg eingetreten. Die Leichenrede hielt der Rabbiner der Züricher Reformgemeinde Herr Dr. Littmann. Frankreich. Paris, 8. Febr. Gestern Nachmittag starb hierselbst Baron Adolph von Rothschild, ein Bruder des Frankfurter Freiherrn Wilh. von Rothschild n. Baron Adolph, der am 21. Mai 182.8 zu Neapel geboren ist, also ein Alter von fast 77 Jahren erreicht hat, war mit der noch lebenden Baronin Julie v. Rothschild, einer Schwester der Freifrau Wilhelm von Rothschild, verheirathet. Die Ehe ist kinderlos geblieben. Bis zur Auflösung des neapolitanischen Zweighauses C. M. v. Rothschild in den 80er Jahren stand Baron Adolph diesem Unternehmen vor, dann siedelte er sich in Parks an, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Im Sommer bewohnte er zumeist sein Schloß Pregny am Genfer See, auf welchem Kaiserin Elisabeth am Tage ihres Todes die Gattin des Dahingeschiedenen besuchen wollte. Am 15. d. M. wird in Neapel um 19 Uhr vom Rabbiner G. Sonino für den Dahingeschiedenen ein Trauergottesdienst abgehalten werden. England. London. Es ist ein wunderbares Treiben, das zur Zeit im Osten Londons unter unseren armen eingewanderten Brüdern herrscht. Tag und Nacht wird für die Truppen gearbeitet, da die Equipirung derselben alle Schneider. Schuhmacher, Sattler und Lederarbeiter voll beschäftigt. Die Leute sind glücklich, arbeiten zu können; es wäre ein nützliches Studium für alle unsere Gegner, sowie der jüdischen Gegner der Ausländer, die da immer behaupten, die Leute wollten nicht arbeiten. In den nächsten Tagen geht eine große Sendung koschere Fleischconserven und Mazzoth für jüdische Soldaten nach Transvaal, welche für Pesach bestimmt sind. Den Contract hierfür vergab die Regierung. Plwnonth. Eine ungewöhnlich stark besuchte Versammlung der Chowewe Zion unserer Stadt fand am 28. Januar statt, in der die beiden Herren sprachen, die sich in England um die Kolonisationsbewegung am meisten verdient gemacht haben, I. Prag und Dr. S. A. Hirsch. Der letztere führte auch eine ganze Serie von Laterna magica-Bildern aus Palästina vor. die außerordentlich viel Beifall fanden. Die Versammlung hat dem hiesigen Zweigverein ausgezeichnete Dienste geleistet. P a l ä st i n a. Jerusalem. Seit 63 Jahren existirt dahier eine „Chewra Meschmorim Or Thora," in der jedes Jahr ganz „Schaß" durchgelernt wird. Das Lernen geschieht aber nur während der Nacht in der Weise, daß zehn Männer bis Mitternacht dem Thorastudium obliegen, die dann von zehn anderen Lamdonim abgelöst werden. Die Mittel, die der Gesellschaft zu Gebote stehen, erreichen aber nicht die Höhe der Ausgaben. Die Chewra verdient alle Sympathien der Thorafreunde, von denen sie, wir zweifeln nicht daran, gewiß entsprechende Unterstützung finden wird. Feuilleton « 1 f o. Mcrch einer wahren WegeöenHert. 2] Von Friedrich Rott. „Was ist geschehen, Friedrich?" rief der junge Baron aufspringend. Auch seine Mutter war aus ihrem Schlummer aufgeschreckt und rieb sich schlaftrunken die Augen. „Sind wir schon zu Hause?" fragte sie. „Da liegt ein Mensch quer über der Straße," berichtete der Kutscher, „er kann von Glück sagen, daß das Kind neben ihm weint, sonst hatte ich ihn nicht bemerkt und Pferde und Wagen wären über ihn hinweggegangen." Die Baronin schauderte bei dem Gedanken an die Möglichkeit eines derartigen Unglückes. Hugo war rasch aus dem Wagen gesprungen und neigte sich über eine auf dem Boden liegende dunkle Gestalt, neben der ein kleines Mädchen laut weinend sich geradezu verzweiflungsvoll geberdete.

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