Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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uer zusammen? Wird diese Anregung einer Verstän digung die Wege ebnen? Hierzulande kommt kein israelitischer Lehrer in die Lage, in die Alters und JnvaliditätSversicherung eintreten zu iniissen. Auch die Religionslehrer sind bei uns, >vie die Volksschullehrer, pensionsberechtigt, wie sic ja auch dieselben Besoldungen wie letztere zu beziehen haben. DaS verdanken die israelitischen Lehrer der Eentralisation, die also auch ihre guten Seiten hat. Eine solche auch ein freiwilliger Gemeindeverband würde auch anderwärts die Lehrer- und Ae iigionsverhältnisie entschieden bessern. A.tz. Heidelberg, 12. Febr. Wir erhalten folgende Zuschrist und behalten irns vor, bei Gelegenheit auf dieselbe zu antworten: Der Berfaffer Ihres Artikels bekämpft den Zionismus vom orthodox-religiösen Standpunkte. Der Zionismus sei antireligiös, die Zionisten suchten systeinatisch das religiöse Gefühl der jüdischen Masse zu untergraben. Den Nachweis dieser Behauptung bleibt er uns allerdings schuldig. Gr gibt vor, sich aus den nicht gerade neuen Einwand zu beschränken, daß die Zionisten sämmtlich circ seien. Abgesehen davon, daß er den groben Jrrthum begeht, den Zionismus mit den Zionisten zu verwechseln — die sich gleich bleibende Sache mit den vergänglichen Menschen — abgesehen davon, wiederhole ich, macht er sich direct einer zum mindesten leichtsinnigen Behauptung schuldig. Denn es kämpfen in unseren Reihen mit die orthodoxesten Rabbiner Rußlands, wie z. B. Rabbiner Rabinowitsch aus Alexot (Mitglied des Actionskomitees), Rabbiner Reinis aus Lida. Und hält denn etwa der Verfasser den unvergeßlichen Reb Schmuel Mohilever für einen „ApikoireS"? Es soll dies keine Reclame sein. Der Schreiber dieser Zeilen, der der religiösen Seite des Judenthums persönlich „absolut fern" steht, würde auch ohne die Mitarbeit der orthodoxen Rabiner an den Sieg des zionistischen Gedankens glauben. Doch wozu immer wieder das alte Gericht auftischen? Sieht man denn immer noch nicht ein, daß dieselben jungen Leute, denen man sogar Feindschaft gegen das Judenthum vorwirft, für das sie jetzt thatsächlich bereit sind, Gut und Blut zu opfern, ohne die nationale Idee, deren höchster Ausdruck eben der Zionismus ist, schon längst abgefallen wären? Oder ist es etwa ein Verbrechen, daß wir neben der Sammlung von Aktien und Schätzen auch das geistige Niveau der jüdischen Masse zu heben suchen? Werfen Sie einen Blick auf das geistige Leben des jüdischen Volkes, und Sie werden sich überzeugen, daß wir die Einzigen sind, die darin etwas leisten. Wir unterrichten die Kinder, für die es so gut wie keine Schulen gibt, w i r suchen die hebräische Sprache zu einer modernen Umgangssprache zu gestalten, w i r gründen Vereine rrrz nstp wir geben die einzigen jüdischen Zeitungen und Zeitschriften heraus, z i o n i st i s ch sind auch die beiden Verlagsanstalten „Achiasaf" und „Toschiah," die zusammen fast den ganzen Bedarf an geistiger Nahrung der erwachenden Nation decken. Und eben dies ist unsere so arg gescholtene, ver rufeue, gefürchtete Kulturarbeit. Weiter nichts. Wer jedoch zu behaupten wagt, daß wir religiöse Reformen erstreben, dem antworten >vir mit einem unzweideutigen: Du lügst! Fragen religiöser Natur sinv uns als Zionisten schlechterdings gleichgiltig*) und können schon aus diesem Grunde die nur allzu kostbare Zeit nicht beanspruchen. Jeder glaube, was er mag, wlr denken in dieser Hinsicht an das, was uns einigt, nicht an das, was uns trennt, so sehr wir auch sonst kampflustig sind. Dies ist oft genug bereits betont lvorden, auch aus den drei Baseler Eongressen. Doch die Wahrheit existirt nicht für denjenigen, der sie nicht sehen will. Zu diesen gehört ja auch der Gewährsmann Ihres Correspondenten, Rabbiner Rabbinowitsch aus Polkawa. Ich gehe nicht fehl, wenn ich zu Ihren Gunsten uno zu Gunsten Ihres Blattes annehme, daß Ihnen die Person dieser eigenartigen Autorität unbekannt ist. Sie lvürden sonst sicherlich den betreffenden Passus aus der Correspondenz gestrichen haben. Es gereicht dem Zionismus wirklich zur Ehre, daß dieser Rabbi uns den Rücken gekehrt hat. Trotz der „Hofbescheide, des Hohnes, kurz der ganzen schnöden Art der Abweisung, die sein Antrag erfuhr," nahm der also Abgewtesene nicht Anstand, noch kurz vor Schluß des zweiten Congresses seine Kandidatur für das Aktionskomitee aufzustellen. Als er aber zu Gunsten seines Rivalen und Namensvetters unterlegen war, da fielen ihm erst die Schuppen von den Augen. Flugs überzeugte er sich von der Religionsfeindlichkeit des Zionismus und kehrte nach Rußland zurück, um seine „geistessprühenden Schriften" zu verfassen. Wie man sich auf eine solche Persönlichkeit berufen kann, ist mir schlechterdings unverständlich. Gegen solche Rabbiner kämpft der Zionismus mit aller Gewalt. Einem anständigen Gegner zollen wir die gebührende Achtung. Noch eine Behauptung Ihres Correspondenten möchte ich nicht unerwidert lassen. Er erhebt gegen uns den ungeheuerlichen Vorwurf, daß wir unsere Gegner durch Denunziationsdrohungen zum Schweigen zwingen. Demgegenüber sei die bescheidene Frage gestattet, welcher Verbrechen wir die Antizionisten eigentlich zeihen könnten? Sie leisten doch nur mehr oder weniger passiven Widerstand und würden sich wohl auch bei der denkbar größten Freiheit nicht zu physischen Ausschreitungen verleiten lassen. Worauf könnte sich denn eigentlich unsere Denunziation beziehen? Nein, das Gegentheil ist wahr! Wir, die aktiven, wir setzen uns stündlich der Gefahr aus, wegen Ueberschreitung des Vereins- und Versammlungsverbots die Aufmerksamkeit der Polizei auf uns zu lenken. Und thatsächlich sind bereits auf Mittheilungen jüdischer Verräther hin zahllose Verhaftungen von Zionisten vorgekommen, die bis jetzt allerdings zu schweren Consequenzen nicht geführt haben. Ahron E l i a s b e r g. Das ist es ja. was nur so außerordentlich bedauern, die Snnagoge und das Betb banndrasch sind seit Jahrtausenden die einzigen Träger der jüdischen Rationalität 1 und ohne sie wird eS lein Mwachen aus dem Traume des ' Galuth geben. Red.