Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449064--50088-2501545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
same Zwang verstattete ihnen als einzigste Erwerbsquelle nur das Geldgeschäft und den Kleinhandel. Als aber durch die Umwandlung, die bei Beginn des verflossenen Jahrhunderts in der äußeren Stellung der Juden vorging, auch die produktiven Berufe ihnen zugänglich wurden, konnte bald der statistische Nachweis erbracht werden, daß Juden in kleinerer oder größerer Anzahl auf allen Gebieten der Kunst und des Handwerks mit gutem Erfolge thätig sind. Ob aber diese jüdischen Meister und Künstler wie Bezalel neben der Begeisterung für ihr Fach auch die innige Liebe zu ihrem Volk und zu ihrem Glauben hegen, ist eine heikle Frage. Statt der trübstimmenden Antwort der Hinweis auf den großen Künstler, dessen geniale Schöpfungen ein spezifisch jüdisches Gepräge tragen — Prof. Moritz Oppenheim s. A., dessen hundertjähriger Geburtstag in diesem Jahre begangen wird. Wie Oppenheim im Leben die Satzungen seines Glaubens treu beobachtete und allen Verführungen zum Abfall mannhaft widerstand, so ist auch seine Kunst getragen von innigster Anhänglichkeit an sein Judenthum. Seine Bilder entlehnen ihre Stoffe unseren heiligen Schriften oder dem jüdischen Leben. Seine geniale Begabung bekundete er zum ersten Male in München in dem Bilde „Moses und die Gesetzestafeln," sein reiferes Können in Italien bewährte sich an biblischen Darstellungen: „Moses legt seine Hände auf Josua." „Cyrus erlaubt den Juden die Heimkehr." Seine künstlerische Vollkraft zeitigte in Frankfurt die zartsinnigen Skizzen aus dem jüdischen Familienleben: Sabbateingang, Sabbatnacht, der Segen des Rabbiners, das Verhör, die Pasianacht, die Hochzeit u. a. Bilder, welche die zartesten und schönsten Seiten der poesieumrankten jüdischen Häuslichkeit in hinreißender Schönheit zur Anschauung bringen. Der für Malerei und Dichtkunst zu früh verblichene Zwi Mane, dessen nachgelassene Schriften, L. Scheinhaus-Memel, in pietätvollster Weise und mit feinstem Verständniß für die Eigenart seines Dichters herausgegeben hat, legt mit kongenialer Vertiefung in einer besonderen Abhandlung über die Oppenheimschen Bilder ihre intimeren Feinheiten — zumal in Bezug auf die getreue Wiedergabe rein jüdischer Züge — dar. Wir schließen mit dem Wunsche an die zeitgenössischen jüdischen Künstler, das leuchtende Vorbild, das ihnen hier gegeben ist, nachzuahmen, ihre Kunst in den Dienst ihrer Religion zu stellen, durch Nutzbarmachung der reichen künsterlerischen Schätze, die für kunstsinnige Augen im jüdischen Schriftthume und jüdischer Lebensführung liegen und zur Verherrlichung unseres jüdischen Glaubens beizutragen -w *rrr s1, nnvirr n« DnwS und ihre Kunst nicht fürder fremden Genien zu weihen. 3eitu«gS«achrrchteir und lkorrespoudeure« Deutschland. Frankfurt a. M. (Wie sich die Zeiten ä n de r n.) Am 30. April 1863 brachte das hiesige „Intelligenz-Blatt" in einer gegen Rabbiner Hirsch u. die Religionsgesellschaft gerichteten Polemik folgende Auslassung: „An der Spitze einer kleinen, künstlich fanatisirten Heerde, mag es Herrn Dr. Hirsch gelingen, einige Zeit die Institutionen, die er soeben ins Leben gerufen, zu erhalten, ja, nachdem er soweit damit vorgeschritten ist es sogar wünschenswerth, daß ihm Zeit und Mittel gegönnt werden, seine Pläne durchzuführen, denn um so mehr wird das Scheitern derselben zeigen, daß ein auch mit den reichlichsten Mitteln und kräftigstem Zelotismus gewagter Versuch, gegen die Gesittung der Zeit anzukämpfen, ein vergeblicher gewesen." Das war in jener Zeit, als es noch Reformjuden gab, als sie sich dieser Bezeichnung nicht nur nicht schämten, sondern sie mit einem gewissen Aplomb verkündeten und noch die Stirne hatten, das treue Festhalten an den Satzungen des Judenthums, als ein Ankämpfen gegen die Gesittung der Zeit, in einem vielgelesenen Tagesblatt zu denunziren. In die Tagesblätter verirrten sich derartige Expertorationen übrigens, auch in der Zeit der höchsten Erregung, ziemlich selten. Nur wenn die Religionsgesellschaft in ihrem siegreichen Fortschritt wieder eine neue Etappe hinter sich hatte, war es einzelnen vorlauten Wortführern Bedürfniß, ihr MUthchen durch solche offene Mesiros zu kühlen. Um so zahlreicher waren die Angriffe, Verdächtigungen und Verunglimpfungen, welche die reformjüdischen Zeitungen gegen die Israelitische Religionsgesellschaft und ihren Führer Jahr ein Jahr aus brachten. Am meisten unter allen that sich die „unparteiische," von Philippson begründete „Allgemeine Zeitung des Judenthums" hervor. Wenn man aus ihr Eitate bringen wollte, so müßte man damit viele Spalten, ja Nummern des „Israelit" füllen, denn die Diskreditirung der Separat-Gemeinden im allgemeinen und ihres hiesigen Vorbildes insbesondere, war eine Philippson'sche Specialität, die zum stehenden Repertoir seiner Zeitung gehörte. Und heute? Heute finden wir in derselben Philippson'schen „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" eine Eorrespondenz aus dem Taunus, welche sich mit Frankfurter Gemeindeangelegenheiten im Allgemeinen befaßt und von der hiesigen Religionsgesellschaft folgendes berichtet: „Rabbiner Dr. Breuer von der orthodoxen Separatgemeinde ist in gleicher Lage. Nachdem dessen Synagoge schon zweimal das Bedürfniß hervortreten ließ, „daß die Räume wuchsen und das Haus sich dehne" ist es beute nicht mehr möglich, die vielen neuen Mit-