Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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270 Sinn bethätigen. n^ya nx rcencp nrxtoj ni?nj „Bedeutfnm ist das Handwerk, denn eine edle Begeisterung kann in ihm ihren Ausdruck finden." Daher priesen die Talmudweisen den sittlichen Werth des Handwerkes. „Handwerk und Thora vereint machen die Sünde vergessen." ist ihr Wahlspruch nix^cn nx mx „Liebe die Arbeit" ist eine der Sittenlehren des Schemaja, eines Proseliten. der später zum Synhedrialpräsidenten erwählt wurde und andere Gesetzeslehrer rühmen es als höchst ehrenvoll, ein Handwerk zu betreiben. .n'b-jz nx rrzsctp rcxSi n'r-rj Bei dieser Werthschätzung der Arbeit leiteten sie, wie überall, die heiligen Urkunden, in denen sich viele schöne Worte über den Segen des Handwerkes finden. Gleich die Schöpfungsgeschichte zeigt uns den heiligen Gott selbst arbeitend und schaffend — kann es ergreifender gesagt werden, daß es etwas Heiliges um die Arbeit ist. Beim Sündenfall heißt es sodann -px m cn1? ^ixn „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen." Man hat diese Worte so mißzuverstehen gesucht, als werde hier die Arbeit als ein Fluch für die Menschen aufgefaßt. Hier ist aber dem Menschen in der Arbeit der Weg zur Erhebung und Besserung gezeigt. Wenigstens ist dies die jüdische Deutung der Stelle. Daher beruhigte sich Adam nach dem Midrasch bei diesen Worten. Die Thora des Ewigen, die uns von den Geschicken der Heidenvölker nur so viel berichtet, als zum Berständniß der Geschichte des Gottesvolkes nöthig ist, verewigt auf der ersten Seite ihrer Erzählung die bahnbrechenden Erfinder aus dem Gebiete des Handwerkes und nennt uns den ersten Hiittenbauer, den ersten Harfenmacher, den ersten Eisen - schmied. Auch in ausdriicklichen Mahnworten wird in der Bibel die produktive Arbeit gepriesen nenx *iny d 'b swsr. „Der Bodenarbeiter wird stets satt werden." n:tr np-nr Des Arbeiters Schlaf ist süß sw Pi^xbixn'i^-Li Genießest du deiner Hände Ertrag, Hei! dir. In dem im Talmud citirten Spruchbuch Sirachs, das zu den nicht in die Sammlung aufgenommenen heiligen Schriften (Apokryphen) gehört, heißt es: „Hasse nicht mühselige Arbeit und den gottgegebenen Ackerbau!" Darum sind die Mischna- und Gemaralehrer, die Tannaiten und Amoräer. ihrer starken Vorliebe für das Handwerk und den Ackerbau nur altjüdischen Traditionen gefolgt. Während die geisteshellen Philosophen Griechenlands, Plato und Aristoteles, den Handwerkern in einer gut geleiteten Republik das Bürgerrecht zu ertheilen Bedenken trugen, sagt die talmudische Bestimmung über die Pflichten des Vaters gegen seinen Sohn, wie sie im Tr. Kidduschin firirt werden: „Der Vater hat seinen Sohn ein Handwerk zu lehren," „Wer seinen Sohn kein Handwerk lehrt," wird gebrandmarkt. „als lehre er ihn Räuberei" LwiiH hd'-ö Hxi Das Volkswort „bete und arbeite" hat ein rabbinisches Vorbild: ^sysntp bbtrz n*:c*x 1:1 rx e~x 'bv. ..Immer lehre der Mensch seinen Sohn ein Handwerk und zu beten zu dem, von dem der Segen zur Arbeit kommt." Vielleicht meint R. Tarphon das selbe, wenn er bei der Aufforderung zum Bau eines Stiftszeltes das Wort „sie sollen arbeiten" heraushebt, mit dem Zusatz, denn „nur dann läßt Gott seine Schechina bei „ihnen weilen." Die Mahnung der Schrift z"r,z n'r-n „erwähle das Leben," wird nach dem Talmud durch Ergreifen eines Handwerkes erfüllt n’snx n z"r.. Sehr bezeichnet wirddie trostreiche Vorbedeutung, die im Namen Noas liegt, auf die ihm zugeschriebene Erfindung des Ackerpfluges bezogen. Recht kräftig ist die Mahnung R. Simons ben Eleasars, der die Arbeit als erste Mizwon-wA auffapt, die dem ersten Menschen gegeben wurde. Der religiös-sittliche Charakter der Arbeit wird in Abot di Rabbi Nathan ausdrücklich betont nsn-s nwir zvz nnn -zubz- -p r,'~zz. Die Heiligkeit der Arbeit wird selbst noch im Strafrecht hervorgehoben; so muß nach Rabbi Meir für den gestohlenen Ochsen der fünffache, für ein gestohlenes Lamm nur vierfacher Ersatz geleistet werden, weil ersterer durch den Diebstahl der Landarbeit entzogen war nixbin nbr-; hcd -xxi, „Komm und sieh, wie wichtig ist doch die Arbeit!" Dies sind nicht etwa Theorien, mit denen die Praxis des Lebens nicht übereinstimmte. Man kann sich schon aus den Bezeichnungen der Straßen und Stadttheilen Jerusalems einen anschaulichen Begriff von der Verbreitung des Handwerkes bilden. In der Bibel, den Talmuden und Midraschim, werden uns die Bäckerstraße, die Schmiedstraße, das Walkerfeld, das Töpferthor und das Böttcherthor genannt. In der jüdischen Hauptstadt hatte jede Zunft ihr eigenes Bet. haus und selbst die Kupferschmiede waren so zahlreich in Jerusalem, daß sie eine eigene Synagoge unterhalten konnten. In Alexandrien, dem Centrum der hellenischen Juden, waren die Handwerker ein so bedeutender Bestandtheil der Gemeinde, daß man beim Bau der be rühmten Synagoge den einzelnen Handwerksgilden gesonderte Abtheilungen neben einander anwies. Die Gesetzeslehrer wählten mit Vorliebe Handwerk und Ackerbau als Lebenserwerb. Hillel war Holzhacker, R. Izchak ein Schneider, R. Nehemia wird als Kaddor, d. h. „Töpfer" bezeichnet. Ein R. Iochanan hat den Beinamen Sandalenmacher, R. Juda den eines Gewürzgärtners, habasam, ein Hoherpriester, Pinchas, war bis zu dieser höchsten Auszeichnung Steinmetz. R. Juda b. Hai war ein Böttcher und rollte jeden Tag das Faß, auf dem er bei seinen Lehrvorträgen saß, eigenhändig ins Lehrhaus. Der edle Gründer der Hochschule zu Sura Abba Areka bewirthschaftete in eigener Person seine Landgüter und schreibt in seinem Testament seinem Sohne: „Besser ein klein Stück Land als ein großer Söller mit Maaren." Die Sage pflanzt sogar das Handwerk an die Stufen des Thrones. David soll Panzerarbeiter, Salomon Korbflechter gewesen sein. Das legt gewiß Zeugniß von der hohen Schätzung ab, die Israel zu allen Zeiten dem Handwerk zollte. Auch unsere Altvordern in den Ghettis hatten gern den angeborenen Sinn für Handwerk und Ackerbau bethätigt, allein der grau