Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 14 (15.2.1900)
- Date
- 1900-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. M 14. Der Israelit. E'lN KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. in Utaini Donnerstag, den 15. Februar 5660 (1900). g eilender Artikel. KW und KMuiklK im IudruthiiM. Eine Betrachtung gn Paraschath xtwi vs von Rabbiner Dr. Max Beermann—I n st e rb ll rg. Man kann in fast allen Dunstgeschichten den Satz nachgeschrieben finden, daß dkK Juden für die bildenden Künste die Befähigung fehle. Man kleidet diese fadenscheinige Weisheit in die ethnologische Formel: Den Semiten mangelt es an der gestaltenden Kraft der Phantasie. Es läßt sich bei ruhiger Erwägung und sachlicher Prüfung gegen diese Einseitigkeit in Auffassung und Urtheil manches geltend machen. Wie eine lebendige Vertheidigung der Juden gegen den ungerechten Borwurf der künstlerischen Unfähigkeit nimmt sich die wunderbare Erscheinung aus, die in dem heutigen Wochenabschnitt uns vorgeführt wird. Das jüdische Volk, das eben noch als eine verachtete Rotte von ungebildeten Ziegelstampfern und Lehmtretern unter dem unmenschlichen Drucke ägyptischer Frohnherrn geseufzt hatte, erhält in der Wüste, in die es durch die Pforte der Freiheit gezogen war, von seinem Gotte die arbeitsreiche Aufgabe, ein Stiftszelt zu erbauen. Schnell verwandeln sich die rohen Sclaven zu anstelligen Handwerkern und verständnißvollen Künstlern, flugs regen sich tausend geschickte Hände zu fleißigem, kunsterfüllten Schaffen — es werden Anforderungen an die künstlerische Bethätiaung gestellt, deren volle Befriedigung ein schönes Zeugniß für die Anstelligkeit und Kunstbegabung Israels ablegt; die heilige Lade und die Cherubim, prächtig gewirkte Vorhänge, kostbar gewebte Priestergewänder, kunstvoll hergestellte Geräthe für den Opferdienst, das alles wird von den Israeliten mit den beschränkten Mitteln, die ihnen in der Wüste zu Gebote standen, in herrlichster Weise ausgeführt. Wie Großes hätte Israel — trotz der Einschränkung, die ihm das Bilderverbot im zweiten der zehn Worte in Rücksicht auf die Neigung zum heidnischen Götzendienste, auferlegte — auch in der Welt der Künste zu leisten vermocht, wenn es gleich den Griechen mehr als 1100 Jahre in ruhiger Entwickelung alle seine Fähigkeiten hätte ausleben können; die Kämpfe, die es aber fast ununterbrochen seit der ersten Stunde seines Volksthums um die höchsten Güter hatte führen müssen, die ließen nur den Zweig der Kunst zur herrlichsten Entfaltung kommen, der in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Glaubensleben steht, den Gesang. Die ewigen Schöpfungen im Reiche der Ton- und Dichtkunst, welche den Herzen der gotterfüllten Sänger entströmten, sind auch nach ihrer formellen Beschaffenheit von idealer Schönheit. Freilich lag Israels weltgeschichtliche Sendschaft auf einem anderen Gebiete; es sollte der Menschheit einen Gott und eine Sittlichkeit geben und jene Sphäre au^bauen, die nicht nur das Schöne, sondern auch das Gute darbietet. Um zu erkennen, wie hoch die heilige Gottesthora die künstlerische Begabung achtet, brauchen wir nur auf die Worte hinzuweisen, in denen uns die Berufung Bezalels zum Leiter des Stiftshüttenbaues mitgetheilt wird nrxSc Srn n»”:n nnm ncan“ epSx nn vvx xhrxi niatrno „Ich erfüllte ihn mit göttlichem Geist, mit Weisheit, Vernunft und Einsicht, und mit jeder Fertigkeit und mit sinniger Vorstellungskraft." In erhabeneren Worten wird kaum über Propheten und Sehern gesprochen. Bezalel wird „ein herzensweiser Mann genannt '~ihz ncrn fr: “ic’x dem Gott die Weisheit in das Herz gelegt." Diese Verherrlichung trifft nicht nur die Kunst, sie gilt auch dem Handwerk, dessen Vertreter iji gleicher Weise Bezalel war. Es ist eine goldene Wahrheit, wenn ein vielgelesener deutscher Volksschriftsteller das Handwerk die Vorschule der Kunst nennt. Auch im Handwerk kann sich idealer