Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1900)
- Date
- 1900-03-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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512 W .... . WWWWMWWW! Volt auf die Knie fiel und jauchzte und jubelt». Da wollten sie in dem Ueberschwang ihrer Gefühle -'irnS mnx bv nnnx ihre Liebe zu Gott auf's Neue zeigen und bethätigen. finden wir nicht etwas Aehnliches bei den führenden Männern am Anfang unseres Jahrhunderts, so wenig wir sie im Uebrigen mit den Söhnen Arons vergleichen möchten? Ließen nicht auch sie sich fortreißen zu einer falschen Begeisterung? Eine neue Zeit schien gekommen, man glaubte ihren Flügelschlag zu vernehmen. Alte Vorurtheile fielen, die Mauern des Ghetto sanken und heraus trat Israel in die Freiheit. Mußte man nicht Gott in der Freiheit, im Lichte der Aufklärung anders verehren, als es im finsteren Mittelalter geschehen, in einem reinen, geläuterten Gottesdienste? Schlagworte beherrschten die Gedanken. Dem neuen „Zeitgeiste" wollte man huldigen. Die Religion muß „zeitgemäß" umgestaltet werden, das war die Parole des Tages, und man vergaß, daß das Judenthum niemals „zeitgemäß" gewesen, daß der Begriff „Zeitgeist" dem Wechsel unterworfen ist, daß aber Gottes Mort, über dem Wandel der Zeiten erhaben, seststeht für ewig! —nL"' xb2 Nadab und Abihu hatten Hände und Füße nicht gewaschen, d. h. sie vergaßen die dem Heiligthum schuldige Ehrfurcht. Wenn sie durch die Waschungen an die Heiligkeit des Ortes, über dem Gottes Name genannt ward, erinnert worden wären, vielleicht hätten sie von ihrem unbedachten Vorhaben Abstand genommen. Mangel an Ehrfurcht vor dem Heiligsten, Mangel an Pietät gegenüber den seit Jahrtausenden in Israels Mitte gültigen Worten unserer Weisen, kecke Anmaßung selbst dem göttlichen Worte unserer Thora gegenüber, müssen wir vor allem den Herren der Reform vorwerfen. Gingen doch Einige von ihnen so weit, den Sabbat auf den Sonntag zu „verlegen," verbotene Speisen zu erlauben, am Jomkipynr zu effen, Ehen zwischen Juden und Nichtjuden „einzusegnen." Diejenigen, die das thaten, waren wenigstens konsequent, und sie öffneten Manchem die Augen über das nothwendige Ziel der Reform, zeigten den Abgrund, in den wir stürzen müssen, wenn wir nicht festhalten an unserer gottgeoffenbarten Lehre! Gefährlicher waren jene Männer der Reform, die im Herzen gleich jenen denkend, mit kluger Rücksicht auf das Volk, das getäuscht werden mußte, nur langsam vorgingen und mit homöopathischen Dosen, von Zeit zu Zeit einen Eßlöffel voll, allmählig das Gift der Reform zu verbreiten und das alte Judenthum zu vernichten strebten und es leider dahin gebracht haben, daß ein Geschlecht heranwächst, „das unsere Thora vergessen hat und das verschmäht die Satzungen unserer Lehre." 2^2 vhcpb Arons Söhne hatten nicht alle vorgeschriebenen Kleider angelegt. Es fehlte ihnen das b'Vü das Oberkleid. Hätten sie die heiligen, priesterlichen Gewänder angezogen, es wäre ihnen wohl der Gedanke gekommen, daß sie als Priester die besondere Pflicht hatten, das Gesetz zu hüten und durch treue Be obacktung desselben dem Volte ein gutes Vorbild zu geben. Auch den Helden der Refornl fehlte das ivj?r; das Oberkleid, welches den ganzen Körper umhüllte, den .Kopf inbegriffen. Sie machten ja der Religion gegen über einen Unterschied zwischen Kopf und Herz, sie glaubten, ein unüberbrückbarer Gegensatz trenne Wissenschaft und Religion. Einer von ibuen bat die famose Zwei-Seelen-Theorie erfunden. Es kann, so meinte er, der Rabbiner als Mann der Wissenschaft glauben urtb überzeugt sein, daß die Tbora nickt von Gott gegeben worden ist. Das aber hindert ihn nicht, als R a b b i n e r die Religionsgesetze zu beobachten, am r’jPEtr von der Offenbarung Gottes zu reden, an die er ja nicht glaubt, am " ' * i £ M cv „den. Tag des Herrn" zu preisen, während er nach seiner Ansicht gar nicht der Tag des Herrn ist, sondern die Nachahmung einer Einrichtung, die ivir von „anderen Völkern" übernommen. Nein! Der jüdische Priester, der das .Heiligthum betreten ivollte, mußte in das bw gehüllt sein vom Scheitel bis zur Sohle. Kopf und Herz muß in gleichem Maße von unserer heiligen Emuno erfiillt sein. Die wahre Wissenschaft widerstreitet nicht unserm Glauben, sondern stützt ihn, sie kann der Thora nicht widerstreiten, denn diese ist die Wahrheit. Nur eine A f t e r w i s s e n s ch a f t setzt sick in Gegensatz zu unserer Religion, die auf unerwiesenen Behauptungen ihre Trugschlüsse aufbaut, auf Hypothesen, die heute erdacht, in einigen Jahren schon ein überwundener Standpunkt sind. 2^2 crh vn xct>> Arons Söhne hatten keine Kinder. Hier bewundern wir die Weisheit unserer alten Erklärer. Hätten Nadab und Abihu, das wollen sie uns sagen, Kinder gehabt, sie hätten sich ihr Vorhaben wohl doch noch einmal überlegt. Sie hätten sich gesagt, wir weichen heute, wenn auch nur in einer Kleinigkeit, ab von den: Gesetze Gottes. „Was werden unsere Kinder thun?" Werden sie nicht den abschüssigen Weg des Abfalles gehen und nach dem gefährlichen Beispiel, das wir ihnen gegeben, Stein um Stein loslösen von den: für die Ewigkeit gegründeten Bau des Judenthums? Ist dieser Gedanke nicht zur furchtbaren Wahrheit getoorden an den Fiihrern der Reform, deren Kinder und Enkel nur zum Theil dem Judenthum noch dem Namen nach angehören, zum größeren Theile aber längst zürn Ehristenthume übergetreten sind? Jene Männer bedachten bei ihrem Thun nicht die Kinder, nickt die Zukunft Israels. Sie behackten nicht, daß sie den Stein in's Rollen brachten, der zur Lawine wurde und so viel Unheil und Verderben in den jii dischen Reihen verursacht hat. Möchten doch alle jü dischen Väter und Miitter bei dem, was sie thun, ihre Kinder' bedenken, bedenken, daß sie ihnen durch Lässige keit in religiösen Dingen ein schlechtes Beispiel geben, durch Liebe und Treue gegen das heilige Gesetz der Tbora aber sie ihrer heiligsten Pflicht entsprechend zur Frömmigkeit und Gottesfurcht anleiten. Hilft:- großer Rabbi s. \>I. hat in seinem arbeils