Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1900)
- Date
- 1900-03-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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506 starke Flotte ist die beste Bürgschaft für den Frieden," worin er sich für die Annahme der Flottenvorlage erklärte. An dem schwachen Beifall der ohnedies nur spärlich besuchten Versammlung konnte man erkennen, daß der größte Theil der Anwesenden nicht die Gesinnung der Redner theilte. In der Debatte wurde Herrn Bindewald von Herrn Lehrer Erhorn heimgeleuchtet. Er hoffe, daß der neu zu wählende Abgeordnete das geistige und politische Erbe seines Vorgängers Dr. Kruse, der wie ein Soldat auf dem Schlachtfelde gestorben sei, antreten werde. Jedenfalls ist Herrn Bindewald klar geworden, daß die antisemitische Agitation hier keine Früchte zeitigen würde. H. W. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Budapest, 22. März. Sigmund O s e r , der in pädagogischen Kreisen rühmlichst bekannte Präsident des Israel. Landeslehrer-Vereins, feierte das Jubiläum seiner 60jährigen Lehrerschaft. Der Jubilar war aus diesem Anlasse der Gegenstand großer Ovationen und wurde auch vom Kultusminister mit einem Anerkennungsschreiben ausgezeichnet. Feuilleton. f c ml) a. ZlcrcH einer u>a§reu WegeberrHeit. 12J Von Friedrich Rott. Hugo wechselte die Farbe. „Alles habe ich in Betracht gezogen, doch ich schrecke vor nichts zurück, als vor dem Gedanken, durch mein inkorrektes Handeln mitschuldig zu werden, daß dem kleinen ahnungslosen Wesen das geraubt werde, was ihm als das Höchste gilt." „Herr Baron, meine Hochachtung. — Bitte, wollen Sie sich noch ein Weilchen niederlassen, ich möchte noch Einiges in Erwägung ziehen. Daß wir heute noch hinausfahren, halte ich für überflüssig, weshalb in nächtlicher Stunde die kleine Patientin stören? Ich schlage vor. morgen vor Tagesanbruch —" „Einverstanden," fiel Hugo ein, „bitte die Stunde zu bestimmen, zu der ich Sie abholen soll, ich werde zur bestimmten Zeit mit meinem Wagen hier sein. Der Zug nach D.geht um sieben Uhr." „Den Zug nach D.können wir keinesfalls benützen, ein scharlachkrankes Kind darf nicht unter Menschen." „So werde ich ein ganzes Coupee belegen, oder besser noch, einen ganzen Waggon — der Kostenpunkt kommt nicht in Betracht." „Unmöglich, Herr Baron, es wäre gewissenlos von iüir, wenn ich Derartiges zugcben würde. Durch den infizirten Wagen könnte die Krankheit weiter übertragen werden —" „Aber um's Himmelswillen!" — „Unbesorgt, Herr Baron, ich habe bereits einen Plan. Da der Kostenpunkt nicht in Betracht kommt, hoffe ich mit Bestimmtheit, Ihrem Wunsche gerecht werden zu können. Wie alt ist das Kind?" „Im sechsten Jahre, vermuthlich fünf einhalb —" „Ist es ein ruhiges Kind?" „Durchaus nicht, es ist im Gegentheil sehr lebhaft, aber von peinlichster Pflichttreue. Wenn ich oder wenn Frau Werner ihm sagen würden, daß es sich ruhig verhalten soll, so wird es sich nicht regen, davon bin ich iiberzeugt." „Schön, schön — das ist's, was ich wissen wollte, denn wenn es unruhig würde, wäre die Gefahr bedeutend größer. Da Sie jedoch dafür stehen zu können glauben, daß es sich ruhig verhalten wird, hoffe ich mit Bestimmtheit, daß die Transferirung ohne Nachtheil für die Patientin wird vor sich gehen können, selbstverständlich per Axe. — Wollen der Herr Baron das ganze Arrangement mir überlasten, ich werde für Alles sorgen, auch für ein geeignetes Fuhrwerk und werde die Kleine, wenn ich sie, wie ich hoffe, transportabel finde, selbst nach D.begleiten." „Herr Doctor, wie kann ich Ihnen danken?!" Der Baron ergriff die Hand des Arztes und drückte sie innig. „Sie nehmen mir eine schwere Last von der Brust, die Sache ist mir eine Herzensangelegenheit —" „Das sehe ich," erwiederte der Arzt lächelnd, „doch von Dank Ihrerseits mir gegenüber kann keinesfalls die Rede sein — im Gegentheil, eigentlich müßte ich dem Herrn Baron danken, da es sich um eine Glaubensgenossin von mir handelt, betrachte ich es als Pflicht, den erzwungenen Uebertritt eines unmündigen Glaubensgenossen nach Kräften zu verhindern." „Das begreife ich," erwiederte der junge Mann, „ich fühle mich jedoch dadurch nicht weniger verpflichtet. Wann also darf ich Sie morgen abholen?" „Ich denke, wir machen uns um 6 Uhr auf die Reise, sind dann vor halb Sieben draußen in Ihrer Villa und können bereits um Sieben mit dem Kinde unterwegs sein. Ich werde jetzt sofort in's Grand-Hotel gehen und den Wirth zu bewegen suchen, seinen Hotelwagen mir für einige Zeit zu überlassen, denn bevor ich denselben zurückgeben könnte, müßte derselbe gründlich desinfizirt und mit neuer Polsterung versehen werden." * „Sie können denselben erforderlichenfalls kaufen, ich werde Ihnen alle Auslagen wo möglich noch morgen zurück erstatten. Doch jetzt will ich Sie nicht länger stören. Gute Nacht, Herr Doctor! — Also auf morgen um sechs Uhr." Die Herren schüttelten einander die Hände, dann entfernte sich der Baron und auch der Arzt machte sich sofort auf den Weg zu dem erwähnten Hotelier, mit