Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 54 (5.7.1900)
- Date
- 1900-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1102 Personen, welche keine bestimmte Staatsangehörigkeit besasten. In letztere Kategorie gehört neben verhältnismäßig Ivenig Ausländern, welche ihr altes Bürgerrecht im Lande ihres Ursprungs aufgegeben oder verloren hatten, ohne dafür das rumänische zu erlangen, die ganze Masse der nichtnaturalisirten einheimischen Israeliten. Der Religion nach befinden sich unter der rumänischen Einwohnerschaft 5,408,743 Griechisch- Orthodoxe, 269,015 Israeliten, 168,276 Katholiken, Protestanten und Reform irte, 43,740 Muhamedaner (namentlich in der Dobrudscha) und 16,148 Angehörige anderer Sekten (Starowierzen, Skopzen). Im Jahre 1894 waren im ganzen Lande nur 511,323 männliche und 176,558 weibliche, im Ganzen also 686,886 Einwohner vorhanden, welche Lesens und Schreibens mächtig waren. Im Jahre 1899 wurden 1,024,087 Personen (770,896 männlichen und 253,191 weiblichen Geschlechts) gezählt, welche sich die Elementarkenntnisse des Bolksunterrichts angeeignet hatten. Die Hauptzahl der Analphabeten entfällt natürlich auf die Landgemeinden, von deren Gesammtbewohnerschaft nur 11.5 pEt. des Lesens und Schreibens kundig sind. Uersonatten. Briefen i. W., 26. Juni. Am 13. Juni starb hier die Wittwe des mehr als 60 Jahre Hierselbst beamtet gewesenen Rabbiners Gortakowski. Sie erreichte ein Alter von 103 Jahren! Im Jahre 1797 geboren, konnte sie auf drei Jahrhunderte schauen. Bis vor etwa fünf Jahren erfreute sie sich einer kräftigen Gesundheit und besuchte alltäglich die Synagoge zur Ausübung ihres Morgengebetes. Von dieser Zeit an war sie bettlägerig in Folge eines Fußleidens. Ihre geistige Frische aber hat sie bis zum letzten Athemzuge bewahrt. Ihr ältester Sohn, in Australien lebend, ist jetzt 85 Jahre alt. Vier Generationen, Kinder, Enkel, Urenkel und auch drei Ururenkel, trauern um die Dahingeschiedeue, welche noch vor etwa einem halben Jahre eigenhändig einen Brief an einen ihrer Söhne schrieb. Haigerloch, 28. Juni. Am 24. v. Mts. haben wir eine Frau zu Grabe getragen, die es wohl verdient, auch in Ihrem geschätzten Blatte gedacht zu werden. Frau Therese Levy, Gattin des Herrn Seligmann Levy, war eine Esches Chail, ein biederes, edles Weib. Die Verblichene hat durch die Frömmigkeit ihres Wirkens sich so wohlthätig und nützlich unter ihren Mitmenschen gemacht, daß wir es fühlen und uns klar bewußt sind, daß es ein allgemeiner Verlust ist, den wir durch ihren Tod erlitten haben. Sie vereinigte in sich die Tugenden des häuslichen Lebens, Einfachheit, Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit. Aufopfernd und hingebend war sie den Armen, im Stillen übte sie viel Zdokoh. Rach kurzem Krankenlager, sanft und still, wie sie gelebt,, hauchte sie ihre Seele aus im Alter von 71 Jahren und nach 47jährigem Eheleben. Als beim M'thar das Sargenes herbeigeholt wurde, fand man in demselben 390 Mk. mit einer eigenhändig geschriebenen Bestimmung vor, daß dieselben nach ihrem Ableben gleich vertheilt werden sollen. Herr Lehrer Speyer widmete der Entschlafenen tief zu Herzen gehende Worte, die ein lebhaftes Echo bei der großen aus allen Eonfessionen von Rah nnb Fern herbei geeilten Trauerversammlung gesunden haben. vermischtes Berlin, 25. Juni. Im Vorort Weißensee soll eine jüdische Arbeitertolonie auf einem Grundstück errichtet werden, das der Rentner Ludwig Meyer dem deutsch-israelitischen Gemeindebund geschenkt hat. Zur Annahme dieser Schenkung hat der Bund jetzt die landesherrliche Genehmigung erhalten. Fürth. Herr Dr. A. Feilch e nfeld, Oberlehrer an der Talmud-Thora in Hamburg, ist zum Direktor der hies. Israelitischen Bürger schule gewählt worden. Feuilleton. einev wahren Wegebenheit. 371 Von Friedrich Rott „Gar nichts hast Du davon gehört? Das ist doch merkwürdig, alle Menschen sprechen doch davon. Denke Dir nur, heute Mittag, so zwischen Eins und Zwei, kommt ein Herr zu dem Juwelier Frankenberg, der auf dem Roßinarkt ivohnt und gibt ihm eine Visitenkarte von Lord., den Namen habe ich vergessen, aber es soll der Name eines sehr vornehmen Engländers gewesen sein. Und der Herr, der die Karte gebracht hat, sagt zu Herrn Frankenberg, der Lord ließe sich empfehlen, er benöthige für seine Braut einen sehr schönen Brillantschmuck, Herr Frankenberg möchte die Güte haben, ihm Einiges zur Ansicht in den Englischen Hof zu schicken. „Da Herr Frankenberg gerade Zeit hatte, sagte er zu dem Herrn, er wolle selbst mit ihm gehen. Und darauf steckte er eine Anzahl Etuis mit wunderschönen Brillanten in die Tasche und geht mit dem Herrn in den Englischen Hof. „Unterwegs erzählt ihm nun der Herr von dem Lord, der ungeheuer reich wäre, und so reich er wäre, so verliebt wäre er in seine Braut, und zuweilen wäre er so übermüthig, daß er sich mit einer Pfundnote die Cigarre angezündet. Jetzt aber wäre er unwohl, könne schon seit mehreren Tagen nicht ausgehen und habe sich so geärgert, daß im Englischen Hof im ersten Stock