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Der Israelit · 1900-07-05 · Heft 54 (5.7.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 54 (5.7.1900)
Date
1900-07-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1101 um zu kennzeichnen, weß Geistes Kind Herr Wengg ist. Die Veteranen vom französischen Krieg werden sich dafür bedanken, mit den Größen der Wiener Vorstadtkneipen verglichen zu werden. München, 28. Juni. Vor dem Schöffengericht wurde heute die Beleidigungsklage des Schächters Kurzweil in Wien gegen den Antisemitenführer und Redakteur des antisemitischen „Deutsch. Volksblattes" Wengg wegen eines Artikels verhandelt, worin dem Schächter Kurzweil Theilnahme an dem Polnaer Mord zur Last gelegt wurde. Das Schöffengericht verurtheilte den Wengg zu 10 Tagen Gefängniß, welche Strafe mit einer wegen der gleichen Beleidigung des Rabbiners Goldberg in Polna ausgesprochenen Strafe von 14 Tagen zu einer Gesammtstrafe von drei Wochen zusammengelegt wurde. Außerdem wurde dem Kurzweil Publikationsbefugniß des Urtheils zugesprochen. In der Urtheilsbegründung heißt es: Die Strafe gegen Wengg wäre weit höher anzusetzen gewesen, wenn nicht anzunehmen wäre, daß er sich auf die im niederösterreichischen Abgeordnetenhause eingebrachte antisemitische Interpellation und die in Polna verbreiteten Gerüchte gestützt hätte, so daß man annehmen könne, er habe im guten Glauben gehandelt. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 1. Juli. Die Vertretung der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat schwerwiegende Beschlüsse gefaßt. In zwei Sitzungen wurde der Gemeinde eine neue Wahlreform octroirt. In Zukunft werden anstatt 24 Gemeindevertreter wie bisher, 80 gewählt werden; das Wahlrecht wird auch für die Fünfgulden-Männer ausgedehnt und eine neue Curie von zwölf Mandaten für jene Steuerträger geschaffen, welche mehr als 100 fl. Steuer tragen. Also eine Curie der Patrizier mit einem Privilegium ausgestattet. Man hat in der Gemeindevertretung in schönen Worten die Gründe für die Errichtung dieser Curie geltend gemacht. Angeblich will man mit diesem Privilegium den Begüterten des Volkes eine Entschädigung für ihre Steuerleistung geben und dadurch ihr Interesse für die Cultusangelegenheiten wecken. Solche Märchen sind aber schwer glaublich. Die Rothschilds, Guttmanns und Königswarter werden 1000 fl. Steuer mehr auch nicht zur Gemeindestube führen. Dagegen ist diese Wahlreform wohlgeeignet, die Verbitterung der kleinen Leute zu erhöhen. Die schönen Worte der „Volksmänner" k. k. Finanzrath Rappaport und Direetor Simon von der Milde gegenüber dem kleinen Steuerträger sind sehr verdächtig. Der kleine Mann verschmäht diese „Milde". Er will zahlen, was er zu zahlen hat, er will aber auch sein gleiches Recht, will seinen gleichen Einfluß aus die Führung der Gemeinde. Rach jüdischem Rechte hat jedes Gcmeindemitglied eine Stimme, ob es viel oder wenig Steuer bezahlt. Daß die Mehrzahler besonderes Wahlrecht haben, ist unjüdisch. Italien. Rom, 1. Juni. Ein wahrhaft typischer Fall für die Entstehung antisemitischer Tendenzen ist aus Italien zu berichten. Gabriele d'Annunzio, der bekannte Dichter, ist in neuester Zeit unter die Politiker gegangen und hat binnen wenigen Monaten seinen Uebergang von der konservativen Gruppe zur äußersten Linken vollzogen. Er hat sich auch eifrig an der zuletzt betriebenen Obstruktion betheiligt, und da gerade die jüdischen Mitglieder auf Seiten der Regierung standen, und besonders der von Juden stammende Sydney Sonnino eine Stütze der Negierung ist, so macht d'Annunzio jetzt eifrig in Antisemitismus. „Corriere Jsraelitico" bringt einige Proben aus seinen Schriften, in denen er den politischen Gegnern ihr Judenthum, ihre jiidische Abstammung, ja auch ihr jüdisches Aussehen vorwirft. Ob er großen Eindruck damit machen wird, möchten!vir billig bezweifeln. Aber es ist immerhin wichtig zu beobachten, wie ein sonst leidlich vernünftiger Mensch durch äußere Gründe zum Antisemiten sich entwickelt. In Italien ist aber der Boden noch nicht reif für antisemitische Hetzen; es bleibt intereffant zu sehen, wie auch hier bei der jüngeren Generation sich »nieder konfessionelle Verhetzung hervorwagt. Frankreich. Paris, 27. Juni. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod des bekannten Gelehrten Leon Kahn, der das Amt eines Generalsekretärs des Pariser Consistoriums.mit so viel Umsicht verwaltet hat. Die Muse, die ihm sein verantwortungsvolles Amt ließ, verwendete der Verstorbene zum Studium der Geschichte der französischen Juden, über die er viele Werke schrieb. Auch an den französisch-jüdischen Journalen war er einer der eifrigsten Mitarbeiter, eine Zeitlang auch Redakteur des Univers israelite. Bei seinem Begräbnis',, das unter reger Betheiligung aller Kreise der Paristr Gemeinde stattfand, hielten der Grandrabbin Zadoc Kahn und Baron Gustav Rothschild zum Herzen gehende Ansprachen, die die Leistungen des Verewigten in helles Licht stellten. Rumänien. Bukarest, 1. Juli. Rach einer Aufstellung des statistischen Amtes des Domänenministeriums hat die ständige Bevölkerung Rumäniens am Ende des Jahres 1899 a. St. 8,012,029 Seelen gegenüber einer für Ende 1894 a. St. nachgewiesenen Bevölkerungsziffer von 6,406,249 Seelen betragen, woraus sich also für die letzten fünf Jahre eine Bevölkerungszunahme von 36,6 per Mille ergibt. Von dieser Gesammtbevölkerung, welche sich aus 2.994,896 Personen männlichen und 2,917,624 weiblichen Geschlechts zusammensetzt, entfielen 4,798,012 Seelen oder 81,2 pCt. auf die Städte und 1,114,508 Seelen oder 18,8 pCt. auf die Landgemeinden Rumäniens. Der Staatsangehörignach befanden sich darunter 5,469,036 rumänische und 171,063 fremde Staatsangehörige, sowie 272,421

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