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Der Israelit · 1900-07-02 · Heft 53 (2.7.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 53 (2.7.1900)
Date
1900-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1082 in unserer Zeit so gefährdete Judenthum auf seinen uralten Grundlagen neu aufzubauen; und es ist wahr! Wir können von ihm sagen, daß alle gebildeten, frommen Juden unserer Zeit seine geistigen Schüler sind v"n ::x vcc '2, daß seine unsterblichen Meisterwerke uns neues, treffliches Rüstzeug geliefert haben zur Vertheidigung unserer heiligen Lehre, daß sie uns gelehrt haben, daß das Judenthum vor der Philosophie nicht zu erröthen braucht und daß gebildet und fromm nicht Gegensätze, sondern Begriffe sind, die einander ergänzen. Aber leider hatten nicht viele das Glück, persönliche Schüler von Rabbi Hirsch s. A. zu sein. Hier trat unser Rabbi in die Lücke, und sein Wirken bildete die von der Vorsehung bestimmte glückliche Ergänzung zu Rabbiner Hirsch's Lebenswerke. Denn ihm war es gegeben, „zahlreiche Schüler" zu erziehen, die wissenschaftliche Bildung, mit Thorakenntniß gepaart, besaßen, die den alten, echten Thorageist in die Gemeinden trugen und die Jugend für unsere Emuno begeisterten. Und wenn es in den letzten Dezennien in manchen Gemeinden bester geworden ist, wenn an vielen Orten die jüdischen Institutionen rro ”“2' errichtet werden, wenn die Zahl der Gottesfürchtigen gottlob nicht mehr ab, sondern zunkmmt, wenn in so manchen Gegenden wieder der alte Thorageist erblüht, die jüdische Wahrheit sich die Herzen des Heranwachsenden Geschlechts zurückerobert und über den krassen Materialismus unserer Zeit die reine Lehre unserer Emuno den Sieg davonträgt, so ist das im Wesentlichen das Verdienst unseres Rabbi und nach dem Wort crrsyy ^xd nm nrtr aybv ’jx nbya cnx „ich gebe Euch großen Lohn, als wenn Ihr es vollbracht hättet," können ivir sagen: was der Rabbi durch seine Schüler gewirkt hat, ist sein Verdienst, als wenn er es selbst gewirkt hätte. III. R. Eleasar ben Asarja vergleicht die Wirksamkeit seines Lehrers mit der des Vaters und der Mutter. Das innige Verhältniß zwischen Eltern und Kindern entspringt aus herzlicher Liebe, und Liebe zu den Menschen ist auch die Quelle von 2-i2n von jener werkthätigen Güte, die voll edlen Mitgefühls alles Leid und Weh, an dem das Menschenleben so reich ist, zu mildern und zu lindern strebt. Was der Rabbi in rj gethan, das ist der Welt bekannt. Mit Recht hat einer seiner Schüler im vorigen Jahre in einem ihm gewidmeten Nachruf hervorgehoben, daß der Rabbi schon dadurch das alte talmudische Judenthum zu Ehren gebracht hat, weil er, der „größte Talmudjude unserer Zeit, zugleich der edelste Mensch war" und das beste, gefühlvollste Herz besaß, und weil wohl selten Jemand wie er das Dichterwort verwirklicht hat: edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Wie vielseitig war seine Thätigkeit in m, Wie er während des deutsch-französischen Krieges für die Verwundeten und Kranken sich bemühte, so leitete er während der Hungersnoth in Persien die Sammlungen für die nothleidenden Glaubensgenosten, und als die russischen Juden aus der Heimath vertrieben wurden, wie war er ihnen zum Retter und Helfer. Er war es. der die Nackten kleidete, die Hungrigen speiste, die Hülslosen mit den nöthigen Mitteln versah, jenseits des Weltmeeres eine neue Heimath sich zu gründen. Und wie er für die großen Bedürfnisse zu sorgen wußte, so widmete er sich mit demselben Eifer der kleinsten .Tara, die an ihn herantrat. Einmal kam in der ersten Peßachnacht, als der Rabbi mit den Seinen am Seder saß, ein Soldat, der darüber klagte, daß sein Hauptmann ihn an den Feiertagen vom Dienste nicht dispensiren wolle. Der Rabbi besann sich nicht lange und machte sich trotz des schlechten Wetters auf den Weg zu der am anderen Ende der Stadt gelegenen Kaserne, wo ihm, dessen ehrfurchtgebietender Erscheinung selten Jemand zu widerstehen vermochte, der wachthabende Offizier noch in später Nachtstunde die Erfüllung seines Wunsches zusagte. Niemals setzte der Rabbi das „Lernen" aus, und wenn er eine seiner Reisen zu Sammelzwecken machte, so gab er seine Unterrichtsstunden voraus. Nur einmal ließ er zwei Tage lang den nro ausfallen. Ein großer jüdischer Gelehrter war in Berlin gestorben, den seine Stellung nur kümmerlich ernährt hatte. Er hinterließ zwei unversorgte Töchter. Da benutzte der Rabbi die beiden Tage zwischen dem Todesfall und der Beerdigung, um in dieser Zeit, da die Gemllther durch den Tod des allgemein geachteten Mannes erschüttert waren, für die Hinterbliebenen eine größere Summe zu erlangen, und er brachte in den beiden Tagen nicht weniger als 25,000 Mark zusammen. Wie viel Kranke hat er besucht, wie viel Trauernde hat er getröstet, wie Unzähligen, ob sie fromm oder unfromm waren, ist er mit Rath und That zur Seite gestanden. Ich erinnere mich, daß er an dem Tage, an welchem er sein 26jähriges Amts-Jubiläum feierte, ein Tag, an dem man ihn mit dem Feste und den ihm zu Theil werdenden Ehrungen beschäftigt glaubte, schon am frühen Morgen, zusammen mit seinem Schwager, R. Elia Munk s. A., meinen sel. Vater, der damals leidend war, besuchte, um dem Kranken eine Freude zu bereiten. Auch an der christlichen Armenpflege betheiligte sich der Rabbi, und lange Zeit war er Präsident des allgemeinen Mieth-Hilfs- Vereins. War aber der Rabbi gut gegen alle Menschen, so war er gegen seine Schüler von wahrhaft väterlicher Liebe. Unter allen Aussprüchen der Weisen war vielleicht der einzige, dem der Rabbi nicht nachlebte, die Lebensregel des Rabbi Jehuda Hanassi mo pnr, : „behandle die Schüler mit Strenge." Das konnte er nicht. Er trat ihnen nur mit Liebe. Milde und Güte entgegen: — und der Erfolg hat ihm Recht gegeben! Ist doch in unserer Zeit vielleicht „kein Mann so geliebt und verehrt worden, wie der Rabbi." Ein Wort, das er sprach, schallte wider in Ost und West, in Süd und Nord, überall, wo seine Schüler wohnten, für die das Wort ihres Lehrers ein Heiligthum war.

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