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Der Israelit · 1900-06-28 · Heft 51-52 (28.6.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 51-52 (28.6.1900)
Date
1900-06-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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l07Ö der Juden, nach Bedarf Bethäuser zu errichten, mit allen Mitteln zu kürzen bemüht war. Dieser Arbeit des Herrn Versöhn, die sich im 6. Bande der Sitzungsberichte der Krakauer Akademie findet, sollen demnächst noch weitere Studien über andere Holzsynagogen folgen, zu denen das Material bereits gesammelt ist. Auch Abbildungen vieler synagogaler Geräthe und Reproduktionen der inneren Einrichtung sollen folgen. Inzwischen hat Herr Versöhn auch die gemauerten alten Gotteshäuser in den Kreis seiner Forschungen einbezoaen. Er macht den Anfang mit einer Beschreibung i-'d Abbildung der Synagoge von Luck. Gleich auf t:n ersten Blick erregt diese Synagoge die Aufmerksamkeit des Beschauers. Es ist dies ein prächtiger Bau im Stile der italienischen Renaiffance, mit ungewöhnlich festen Mauern und ragenden Zinnen, die Front bildet ein viereckiger Thurm von mächtiger Construktion. Das Ganze verräth auf den ersten Anblick etwas Festungsartiges. Es gibt nur wenige Synagogen in Polen, die einen gleichen Typus aufweisen. Eine schöne Abbildung, die der Verfasser seiner Arbeit beigefügt, ermöglicht die Betrachtung dieses merkwürdigen Baues. Bei näherem Zusehen entdeckte Herr Versöhn in dem Thurme zwei Schießscharten, und dies führte ihn auf die richtige Spur, den Charakter des Bauwerkes zu enträthseln. „Die Synagoge in Luck hat thatsächlich auch als Festung und Bollwerk gegen die Ueberfälle der Tartaren gedient." Herrn Bersohn's eifrige Nachforschungen haben drei Dokumente zu Tage gefördert, die dies bezeugen. Im Archive königlicher Akten fand sich das am 5. Mai 1626 datirte Privilegium, vermittelst dessen König Sigismund III. den Juden des „rabbanitischen Ritus" (in dem Städtchen gab es bekanntlich auch eine Karräergemeinde) die Bewilligung ertheilt, eine Synagoge aufzuführen, unter der Bedingung, daß dieselbe so eingerichtet werde, um auch als Festung wider die Tatarenüberfälle zu dienen. Zu diesem Zwecke wurde der Thurm errichtet, und in demselben „zwei Geschütze untergebracht, welche von Juden bedient wurden." Der Bau dauerte lange. Denn vom 5. August 1628 findet sich ein zweites Privilegium desselben Königs, der die Einwilligung zum Abschluß des Baues gibt, unter den gleichen Bedingungen, wie die im ersten Privilegium erwähnten. Herr Mathias Versöhn gedenkt seine historischen Arbeiten zu einem einheitlichen Werk zu vereinigen. Möge dies alsbald geschehen. Wir aber rufen ihm zu:!{‘osi pm Zeitungsnachrichten nrrd Correspondenze«. Deutschland. Coblerrz, 19. Juni. In den letztwilligen Verfügungen des vor einigen Tagen verstorbenen Großherzogs von Oldenburg berührt namentlich uns Juden höchst angenehm und sympathisch die Ablehnung, um nicht zu sagen: das Verbot jeglicher Kranzspenden und des allgemein üblichen Trauerprunks, wie es bei dem jüdischen Ritus in so erhebender Weise verpönt. Wenn man bedenkt, wie viel Tausende bei solchen Gelegenheiten einer leidigen Unsitte geopfert werden, Mittel, durch die das Elend mancher Familien auf lange Zeit hinaus gelindert werden könnte, so muß diese letztwillige Verfügung des im Allgemeinen sehr toleranten und humanen Fürsten um so höher angeschlagen werden. Mit einem gewissen Stolz dürfen wir Juden uns rühmen, diese eigentlich so selbstverständliche und doch gerade in unserer prunkliebenden Zeit meistens außer Acht gelassene Dokumentirung rein menschlicher Bescheidenheit und Humanität seit Jahrtausenden zu unseren Gesetzen zählen zu dürfen. München, 20. Juni. (Verein jüdischer Studenten an der Universität Münch e n.) Unter diesem Namen bildete sich hier eine Vereinigung, welcher zunächst vierzehn Studirende beitraten. Die Antrittskneipe fand am 31. Mai im Kaimsaale statt. Der Präses der Verbindung, Herr Stud. med. Z i t r o n , hielt eine zündende Ansprache, welche von großer Begeisterung für Wissenschaft und Studium, nicht minder aber auch von treuer, inniger Anhänglichkeit an Religion und Judenthum gleich beredtes Zeugniß ablegte. Die Reden der als Ehrengäste anwesenden Herren: Rabbiner Dr. Werner, Dr. Ehrentreu und Sigmund F r ä n ke l, gipfelten in den Wünschen für das Blühen und Gedeihen der neuentstandenen Verbindung; es fehlte hierbei nicht an gehaltvollen Jdeenverbindungen mit Bezug auf das vor der Pforte stehende Fest der Gesetzgebung. Begeisterung für das ideale Ziel, Frohsinn und muntere Laune hielten den weitaus größten Theil der Festversammlung bis lange nach Mitternacht beisammen. Daß da, wo akademische Jugend beisammen ist, auch der Gesang zu seinem Rechte kommt, versteht sich wohl von selbst. . Fürth, 21. Juni. Leider zu früh ist ein Mann von uns geschieden, dessen Name unzertrennlich ist mit allen Werken von Gemilus Chesed, allen Institutionen von Kaschruth und allen Bestrebungen von Limud Thora, die der Stolz und die Zierde unserer Gemeinde sind, ein Mann, dessen Name in weiten Kreisen des orthodoxen Judenthums wohlbekannt ist. Herr Mauri Zimmer s. A. ist im Alter von 66 Jahren einem kruzen, tückischen Leiden erlegen. Es war eine imposante Trauerversammlung, die vergangenen Dienstag dem Verblichenen die letzte Ehre erwies. In ergreifenden Worten zeichnete Herr Rabbiner Dr. Neubürger das Leben dieses Mannes, das ein Leben der Thauroh und Mizwoh in vollem Sinne genannt werden muß. Es gab in unserer Kehillah kein Amt, L'schem schomajim, dem der Entschlafene nicht seine ganze Kraft freudig geopfert hätte. Er war Jahre lang als Mohel thätig, war Wittwen und Wai-

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