Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 51-52 (28.6.1900)
- Date
- 1900-06-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1062 über die Schulen in den Kolonien des Vereins, der die Konferenz zusammenrief. Ueber das erste brauche ich nichts zu sagen. Und was das zweite anbetrifft, ohne Ausnahme wurde von Männern der entgegengesetztesten Richtungen ein abfälliges Urtheil über die Schulen der Alliance ausgesprochen; ohne Ausnahme erklärten die Mitglieder der Konferenz, daß die Schulen in Palästina den Anforderungen der Religion genügen müßten, d. h., daß der Lehrplan und die Lehrkräfte entsprechen müßten den Anforderungen derjenigen, die der Jugend rreue Er füllung der Religionspflichten nachdrücklich eingeprägt zu sehen wünschen. Run läßt man mich fürchten und erinnert daran, daß so häufig, trotz aller Resolutionen, trotz aller Erklärungen, die Theorie durch die Praxis besiegt wurde; daß man schließlich den Lebensweg, den man für sich persönlich wählte, am Ende auch bei anderen nicht tadeln könne und daß hier die Minorität durch die Majorität unterdrückt werden wird, da die Majorität meinen würde „qui il yn des acconiniodenients avec le ciel“. Ich schätze mich jedoch glücklich, erklären zu können, daß ich Optimist bin, daß ich ferner sehr oft diejenigen, die unseren Gesetzen nicht getreu waren, doch für allgemeine Zwecke die Orthodoxie kräftig habe stützen sehen. Und haben wir nicht außerdem „in den Komitees" Männer, deren Anwesenheit dafür bürgt, daß man nicht auf den falschen Weg gerathen soll? Sollte ich mich wider Erwarten doch irren, dann würde dieses eine große, sehr große Enttäuschung für mich sein und würde ich mich dann gleich verpflichtet erachten, den Jrrthum schnellstens zu bekennen und mich der Arbeit der Komitees zu entziehen. Aber ich hoffe von ganzem Herzen, daß die geäußerte Furcht sich als unbegründet erweise, daß jede durch das Komitee zu nehmende Maßregel den Probirstein der religiösen Vorschriften glänzend vertragen können wird, und deßhalb werde ich nach meinen Kräften die Pläne unterstützen, die mir der Verwirklichung fähig scheinen. Gebe der Allgütige, daß bald durch Jeden, welche Ansichten er auch für sich persönlich habe, erkannt werde, daß wenigstens auf dem für Israel theuersten Fleckchen Erde — dieser Boden, getränkt mit dem Blute von tausenden Glaubenshelden und Märtyrern — gefordert werden kann, nein, gefordert werden muß, daß nichts, gar nichts geschehen dürfe, welches nicht im vollständigen Einklang ist mit unseren unvergänglichen Gesetzen. Schon dadurch kann ein wohlthätiger Einfluß auf unser ganzes Volk geübt werden, schon dadurch kann mehr Liebe und Wärme für unsere Religion verbreitet werden, „denn von Zion geht die. Lehre aus und das Wort des Ewigen von Jeruscholojim!" D. Abrahams. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Juni. Der „Verein für Arbeitsnachweis" hat seit Anfang des Jahres bis Ende Mai, also in fünf Monaten, 522 Personen in dauernde Stellung und 126 in vorübergehende Beschäftigung untergebracht. Von ersteren waren männlich 339, weiblich 183, verheirathet 83, unverheirathet 439. Es stammten 118 Personen aus Berlin, 276 aus dem Königreich Preußen, 22 aus dem übrigen Deutschland, 71 aus Oesterreich-Ungarn, 28 aus Rußland, 6 aus dem übrigen Europa, 1 aus Palästina. Außerdem wurden solchen Frauen, welche nur im Hause Arbeit erhalten können, leihweise Nähmaschinen überlasten und so der selbstthätige Erwerb ermöglicht. Das Bureau wird durchschnittlich von 60 Personen am Tage besucht. All' diese Leute bitten um Rath in Bezug auf Arbeit, Unterkunft, Esten rc. Der Verein konnte allen diesen Anforderungen nur dadurch gerecht werden, daß das Vorstandsmitglied, Herr Jlia Ber, seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Menschenliebe stellt und täglich während der Geschäftszeit im Bureau anwesend ist. Berlin, 25. Juni. Ein jüdischer Lehrer Sp. in einer jüdischen Schule hatte für sich das Steuerprivilegium der Beamten bei der Heranziehung zur Gemeinde - Einkommensteuer beansprucht. Nachdem der Magistrat den Einspruch abgewiesen hatte, erhob Sp. Klage im Verwaltungsstreitverfahren. Der Kreisausschuß und Bezirksausschuß entschieden jedoch zu Ungunsten des Lehrers, indem angenommen wurde, daß das Steuerprivilegium nur den Lehrern an christlichen Schulen zukomme. Das Oberverwaltungsgericht vernichtete aber die Vorentscheidung und wies die Sache an den Bezirksausschuß zur anderweiten Entscheidung zurück und machte geltend, das Steuerprivilegium komme allen Lehrern an öffentlichen Schulen zu; demnach stehe auch dem Kläger das Steuerprivileglum zu, wenn er an einer jüdischen Elementarschule beschäftigt sei, die zu den öffentlichen Schulen gehöre. Der Bezirksausschuß erkannte darauf zu Gunsten des beregten Lehrers und das Oberverwaltungsgericht wies die Revision des Magistrats als unbegründet ab. Köln, 26. Juni. An Stelle des nach Königsberg (Preußen) berufenen Herrn Rabbiner Dr. Nobel hat der Vorstand der Chewrah Talmud Thora im Verein mit den zur Vornahme der Wahl cooptirten acht Mitgliedern der Chewrah den Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf in Frankfurt a. M. einstimmig zu ihrem Rabbiner gewählt. Herr Rabbiner Dr. V. Wolf hat bei seinem sel. Vater und in Halberstadt gelernt, sodann seine Ausbildung am Berliner Rabbiner-Seminar vollendet; seit ca. einem Jahre fungirt er als Lehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgefellfchaft in Frank-