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Der Israelit · 1900-06-28 · Heft 51-52 (28.6.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 51-52 (28.6.1900)
Date
1900-06-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. Erste Beilage,u M 518- 52 des „Israelit". Leitender Artikel. Die Koilstreor »der pl»ösllUi>ßsll,cALj>klegk»heIikii z» Fmdfttt a. M. v. die PkkiLim «. Ammliw. «Schluß.) Zwei Daten. Amsterdam, im Siwan. Als mir vor ungefähr zehn Jahren die Ehre zu Theil wurde, in das Kollegium von Pekidim und Amarkalim gewählt zu werden, zögerte ich, die Ernennung anzunehmen. Mit dem inzwischen uns durch den Tod entrissenen Vorsitzenden, damals die Seele der Verwaltung, dem unvergeßlichen Herrn M. de Lima s. A., besprach ich meine Bedenken ausführlich. „Wissen Sie wohl," sagte ich unter anderem, „daß man sich in mir vielleicht das trojanische Pferd hereinholen könnte? Ganz gewiß sehe ich ein, daß die „Chalukkoh" äugenb l i ck l i ch noch für beinahe alle Bewohner des heil. Landes nöthig ist. Denen, die sich dort dem Studium der Thora widmen, an Greise, an solche, die nicht im Stande sind, oder nicht in Stand gesetzt werden können, Arbeit zu verrichten, diesen allen überhaupt z u allen Zeiten Unterstützung zu gewähren, das meine icb als eine Pflicht betrachten zu müssen. Aber eben so sehr halte ich es aus verschiedenen Gründen im Allgemeinen weniger richtig, diejenigen, die nicht zu einer der genannten .Kategorien gehören, ohne Weiteres mit Geld zu unterstützen." Und durch einige Bemerkungen machte ich meine Ideen darüber deutlich. Damals hatten diese Aeußerungen noch gar keinen aktuellen Werth. Pekidim tind Amarkalim betrachteten es ja nie als zu ihrem Wirkungskreise gehörig, industrielle oder Landbauunternehmungen in's Leben zu rufen, und von anderer Seite waren damals noch keine ernsthaften Versuche dazu gemacht. Auf diesen Umstand wies der edle Verblichene. Auch die religiösen Schwierigkeiten —■ worüber selbstverständlich zu allererst die Autoritäten in Palästina befragt werden müßten — wurden besprochen. Aber im Uebrigen fand ich so viel Uebereinstimmung mit den von mir entwickelten Ideen, daß ich ohne weitere Bedenken die Ernennung annahm. Seit dieser Unterredung sind ungefähr zehn Jahre verstrichen. Noch immer bildet die materielle Unterstützung für Tausende und Abertausende ein dringendes Erforderniß. Für so Viele, zu Viele, ist sogar eine in Europa absolut nicht nennenswerthe Gabe von großer Wichtigkeit. Wer kann sich darüber wundern, wenn man weiß, daß da im Osten, auf dem geheiligten Boden, eine unglaubliche Anzahl Glaubensbrüder leider gewöhnlich mit einem Stück trockenen Brodes und einigen Zwiebeln ihre Mahlzeit halten?. Aber es haben doch auch große Veränderungen stattgefunden. Unternehmungen von großer Bedeutung sind entstanden. Die Blicke von beinahe ganz Israel sind auf's heilige Land gerichtet. Viele, die sich bis vor noch kurzer Zeit schämten, zum jüdischen Stamm zu gehören, eifern für die Kolonisation von Palästina. Eine Bewegung ist entstanden, die, wie man auch darüber denken möge, welchen Beweggründen man sie auch zuschreibe, doch stets eine merkwürdige genannt werden kann. Hat die alte Garde, wenn ich mich so ausdrücken darf, hat die alte Garde der Zionsfreunde im Verhältniß zu dieser Strömung in Palästina an Einfluß gewonnen? Etwa zwanzig Jahre sind es her, daß ich, in Paris wohnend, von einem meiner Freunde wiederholt aufgefordert wurde, Mitglied der Alliance Jsraelite Universelle zu werden. Als ich Bedenken zeigte, bat man mich, mit einem der Leiter des genannten Vereins die Angelegenheit zu besprechen. Bei der Unterredung mit diesem erklärte ich, gerne zugeben zu wollen — ich theile diese Unterredung nur sehr verkürzt mit — daß, so lange die A. I. kl. sich nur mit ausschließlich philantropischen Zwecken beschäftigt, sie auf allgemeine Sympathie rechnen dürfte. Sobald sie jedoch auf den Geist unseres Volkes einwirken will, begäbe sie sich auf ein Terrain, welches das ihre nicht ist. Die Schulen im Osten übten keinen guten Einfluß aus. Es wurde mir geantwortet, daß diese Erklärung sehr befremdete, da doch die Lehrkräfte beinahe ausschließlich am Pariser Seminar gebildet würden und man ganz sicher wüßte, daß dort nichts gelehrt würde, das im Streit sei mit den Vorschriften unserer Religion. Ich wurde sogar eingeladen, das Seminar einmal zu besuchen, um eventuell sagen zu können, was denn nicht den Ansprüchen genügt. „Ich glaube gern," so sagte ich. „daß der Lehrstoff, der dort behandelt wird, nicht getadelt zu werden braucht; vermutlich wird aus nicht einem einzigen Buch etwas gelehrt werden. das Anstoß erregen könne. Meinen Haupteinwand könne ich machen, ohne die Anstalt besucht zu haben. Während meines langjährigen Aufenthaltes in Paris hätte ich die Franzosen kennen gelernt als gute, höfliche, hilfsbereite Leute; die Umstände bringen es jedoch nun einmal mit sich, daß bei ihnen im Allgemeinen nicht der ernsthafte Wille gesucht werden müsse, um dem Kinde jüdischen Geist einzupräaen, den Geist der treuen Anhänglichkeit an unsere Gesetze." Sollte selbst der b e st e romanische Geist zu vereinigen sein mit dem guten Geist des Ghetto? Man stelle sich das fröhliche Leben der Boulevards im trauernden Jerusalem vor! Durch die Konferenz sind zwei Komitees ernannt. Eines zur Beförderung einiger industrieller Unter- I nehmungen, das andere zur Einsetzung von Aufsehern

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