Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 51-52 (28.6.1900)
- Date
- 1900-06-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449097--50992-2501440- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1060 erhob sie sich und indem sie ihm voll in's Antlitz schaute, legte sie ihre bebende Hand in seine ihr dargebotene Rechte. In diesem Momente kam Marianne wieder herein. „Maffeltow! Maffeltow!" rief sie und in ihrem freudigen Uebermuthe nahm sie ein Glas vom Tische und schleuderte es zur Erde, daß es in Scherben zersplitterte. Wie auf ein Signal traten jetzt die Eltern und der Verwalter wieder in das Zimmer. „Was gibt's. Was ist vorgefallen?" „Verlobung!" jubelte Marianne, „da seht!" — Alle eilten nun glückwünschend auf das Brautpaar zu und es herrschte ein solcher Jubel, eine solch innige Freude, wie sie kaum einer Steigerung fähig. Die Mutter hielt das junge Mädchen umschlungen, das sie mit Freudenthränen in den Augen ihr jüngstes Töchterchen nannte, als Viktor nach seinem Hute griff. „Wohin willst Du?" fragte der Vater. „Auf's Telegraphenamt," erwiederte er, „Tante Werner unsere Verlobung anzuzeigen." Die Hochzeit des jungen Paares ward nicht lange hinausgeschoben, denn Viktor mußte zu Beginn des nächsten Quartals seine Pachtung antreten, und darin stimmten Alle überein, daß er dort nicht zu lange allein sein sollte. So ward denn die Verbindung noch vor Beginn des Frühlings gefeiert, wohl im engsten Familienkreise, zu dem jedoch selbstverständlich auch Werner und seine Frau gerechnet wurden. Frau Werner war überglücklich, war doch nun ihr sehnlichster Wunsch erfüllt, sie hatte ihre Elsa für immer in ihrer Nähe. In einer kleinen halben Stunde konnte man von ihrer Wohnung aus zu Fuß das Heim der Neuvermählten erreichen, in dem dieselben sich des reinsten, höchsten Glückes erfreuten; und so verging denn selten ein Tag, an dem sie „ihre Kinder" nicht gesehen. Jahre vergingen; das Glück war noch erhöht worden durch die Geburt eines schönen Knaben, der zu aller Freude herrlich gedieh. Er hatte ganz das liebliche Wesen, durch das seine Mutter schon als Kind alle Herzen gewonnen hatte. Er hatte einen hellen, klaren Kopf, seine Intelligenz reichte über seine Jahre hinaus, er stellte oft geradezu überraschende Fragen und war überaus gutherzig. Nur in einer Beziehung schien er weder dem Vater, noch der Mutter nachahmen zu wollen, die Beide nicht um die Welt ein unwahres Wort über die Lippen gebracht hätten. Auch Henry wäre nie im Stande gewesen, irgend ein Unrecht, das er begangen, abzuleugnen, oder um irgend eines Vortheiles willen ein unwahres Wort auszusprechen; trotzdem konnte man ihn nicht wahrheitsliebend nennen, konnte nicht behaupten, daß alles, was er berichtete, sich in Wirklichkeit so verhalte. Sicher trug seine allzulebhafte Phantasie Mitschuld an diesem Fehler, die alleinige Schuld trug sie nicht. Werner behauptete, in diesem Fehler, in dieser Lust zu fabuliren, offenbare sich bereits der dereinstige bedeutende Dichter. Viktor aber machte sich zuweilen ernste Sorgen über denselben und war im Verein mit Elsa unabläffig bestrebt, nach dieser Richtung hin die Kunst seiner Erziehung zu bethätigen. Da trat ein Ereigniß ein, das ihn für immer von demselben befreite. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Dev Buchhandel verkehr! durch D. Zf. Klein ackrr, Lrip.ig, Notzplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaetion eingcfandten Mauuscripte findet nicht statt, man bittet drsyalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzuvehatten Stellensnchende erhallen auf Wunsch die Inserate« Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung deS JnserttonSbetragS an außer Grelle Befindliche biS nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). keilender Artikel: Zum Jahrzeiistage von Rabbiner Dr. I. Hildesheimer. — Zeitungsnachrichten u. Corrcfpondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Könitz. Oesterr.-Ung. Monarchie: Preßburg. Rumänien: Bukarest. — Gedicht: Der Jude auf de-n Feste Gutenbergs. — Feuilleton: Elsa. (Fortsetzung'. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Konferenz über palästinensische Angelegenheiten zu Frankfurt a. M. u. d'e Pekidim ». Amai caliin. — Zeitungsnachrichten u. Correipondenzen: Deutschland: Berlin. Köln. Pafewalk. Inhalt der zweiten Beilage: Feuilleron: Die voliiischen Synagogen^in Wort u. Bild. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Coblenz. München. Fürth. Achim. Amerika: L>an Francisco. Inhalt der dritten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachr. u. Correspondenzen : Deutschland: München. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz Druck rind Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdrnckerei-Actien Gesellschaft in Mainz. Hier)« vier Beilagen.