Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 51-52 (28.6.1900)
- Date
- 1900-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1059 Feuilleton WcrcH einev wahren Megevenyeit. rij Von Friedrich Rott. Man setzte sich und nahm bei heiterster Unter- Haltung das einfache Mahl ein. „Hier ist es doch weit behaglicher, als dranßen in dein Schneegestöber," sagte Viktor, und selbst im Eoupee lvar eS heute recht ungemiithlich. Was hat denn Sie, Herr Werner, hergeführt. Geschäfte oder Sehnsucht nach der.Uleinen?" „Beides." versetzte der Verwalter. Ja, Elsa, ehe ich daran vergesse, ein getvisser Herr Grünewald hat mir anvertraut, das', er demnächst um Deine Hanv anhalten werde und hat mich um meine Fürsprache gebeten." Viktor >var erblaßt bis auf die Lippen, während seine glühenden Blicke in leidenschaftlicher Spannung an dem jungen Mädchen hingen, das über und über errötbcnd u>. ärgerlichem Tone erwiederie: „Ach, sage dem duininen Kerl, er soll mich in Ruhe lassen." „Warum nennst Du den Grünewald einen dummen Kerl?" fragte Werner belustigt, „er scheint inr Gegentbei! ein intelligenter und vermögender junger Mann zu sein, dessen Werbung jeder jungen Dame zur Ehre gereicht." „Ich mache mir durchaus keine Ehre daraus, im Gegentheil ich möchte Dich, lieber Onkel, sogar sehr bitten, dem intelligenten jungen Alaune sagen zu wollen, er möchte doch nicht imurer vor mir den Hut so tief ziehen, als ob ich mindestens ein Minister wäre. Da gucken die Leute und denken sich Wunder was —" „Das kann ich doch dem Herrn unmöglich sagen, gib unr lieber den Grund an, westhalb Du seine Bewerbung zurückweisest —" „Weil ich nicht beirathen will." „WaS? — Du willst überhaupt nicht heirathen?" „Nein," entgegnete sie mit Entschiedenheit. Um Werner'? Mundwinkel zuckte es, es kostete ihn Anstrengung, seinen Ernst zu bewahren. „Ja, wenn Du überhaupt nicht heirathen tvillst, dann finde ich es allerdings begreiflich, daß Du den Grünewald zurückweisest. -- 'Aber es tlmt mir leid, daß Du überhaupt nicht heirathen tvillst nicht nur um des Grünewalds willen." Sie zuckte die Achseln und wechselte abermals die Farbe. Nicht um die Welt hätte sie den zur Erde gesenkten Blick heben mögen, denn sie fühlte instinktiv, daß Viktors Augen auf sie gerichtet waren. Werner aber fuhr fort: „Also nach dieser Richtung hin wäre der Zweck meiner Reise verfehlt — das thut mir aufrichtig leid. — Will nun aber sehen, ob ich von der anderen Seite mehr Glück habe. Sagen Sie mir, Herr Steinhart jr., wären Sie vielleicht geneigt, einen Meierhos des Herrn von Wappenstein in Pacht zu nehmen? — Es ist der Ihnen bekannte Waldhof in unserer Nähe. Herr von Wappenstein sucht einen tüchtigen Landwirth und da ich Sie als solchen kenne, habe ich Sie empfohlen." „Dafür schulde ich Ihnen vielen, vielen Dank," entgegnete Viktor freudig, „ich wäre glücklich, wenn ich Ihrer Empfehlung entsprechen lönnte — ich weiß nur nicht —" „Ja, Sie müssen sich rasch entscheiden, und was Sic nicht wissen, will ich Ihnen in wenigen Worten sagen. Ein unverbeiratheter Pächter taugt nicht dazu, darum müssen Sie sich rasch eine Frau suchen, oder vielmehr ein Mädchen, das sich das Heirathen nicht überhaupt verschworen hat; am besten ein Mädchen, dem die Landwirthsebaft nicht vollständig fremd ist, so daß, falls Sie einmal einen Rath gebrauchen sollten, sie ihren Senf dazu geben könnte — doch da fällt mir noch elwas ein. Herr Steinhart sen., darf ich Sie um eine kurze Unterredung in einem anderen Zimmer ersuchen?" Er >var bei diesen Worten aufgestanden. Steinhart und seine Frau gleichfalls; alle drei begaben sich nun in das anstoßende Zimmer, während Marianne die Deller zusammenränmte und mit denselben, dem Bruder lächelnd zunickend, das Zimmer verließ. Viktor und Elsa tvaren allein. Sie hatte die Absicht des Verwalters erkannt, über und über erglühend, saß sie da, während ihr Blick noch immer am Boden hastete. Viktor hatte sich erhoben und war hinter ihren Sessel getreten, ans dessen Lehne er sich stützte. „Elsa," sagte er halblaut, „liebe Elsa — ist es wahr, hast Du Dir das Heirathen verschworen?" „Den Grünewald nicht zu heirathen, habe ich mir gelobt," flüsterte sie lächelnd, „das ist wahr." „Und ich habe in jüngster Zeit oft geglaubt, er wäre Dir ntcf)t gleichgültig und war deßhalb oft schroff und unhöflich gegen Dich — kannst Du mir das verzeihen?" „Ach, Unsinn — das habe ich Dir gar nicht übel genommen." „Wirklich nicht?" fragte er staunend. „Nein," sagte sie leise, „das habe ich Dir nicht übel genommen, denn - - ich habe sehr wohl gewußt, westhalb Du oft so sonderbar warst." „Wirklich? —-dann weißt Du auch jetzt, was ich Dich tragen will —" fügte er mit leiser, bebender Stimme hinzu. „Ich weiß es," flüsterte sie. „Nun?" Mit Gewalt schüttelte sie die Befangenheit ab, die sich mehr und mehr ihrer zu bemächtigen drohte. Rasch