Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-06-28 · Heft 51-52 (28.6.1900) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 51-52 (28.6.1900)
Date
1900-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449097--50990-2501438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1058 $tr M auf km Mc ditnlms.*) Dem Lag, beit segnend feiert die ganze Menschenwelt, Dein Mann, der alle Pfade des Lebens hat erhellt, Der Kunst, die allem Volke der Nenntniß Früchte beut, Bringt auch der Enkel Jakobs ein Lied r>es Lobes heut. „Wie! beugt der starre Jude vor Bildern jetzt sein Knie 'i Bekennt er, das; von Fremden er seine Weisheit lieh? Hebt flehend er vom Boden die kraftentleerte Hand? Entsagt im Reich des Denkens er auch dem Widerstand?" Nicht beuget jenem Sleinbild sich mein ergrautes Haupt, Dem Menschen nicht den 'Nacken deß, der dem Gott nur glaubt. Ich habe froh durchschritten die Tbore dieses OitS, Den Sieg hiermitzufeiern, Gottlob, den Sieg des Worts! Ich bin die Welt durchzogen wohl eine lange Zett, Hab' rüstig dnrchgekämpfet manch' blutgenährten Streit. Im Kampf mit Stahl und Eisen, da halt' ich wenig Glück; Doch wich im Kampf des W o r t e S vor Niemand ich zurück. Das ahnete mein Vater schon bei dem Segen dort - „Tie Hand, die Hand ist Esau's;doch Jakobs ist daS W ort! 0 Als Gott mich auSerwäblte, Lichtträger ihm zu sein, Gab er mir keine Waffe, als nur das Wort allein. Schwer haben mich gefesselt so Babylon als Nom, Als nieder in die Tiefe mich zog ihr mächt'ger Strom; Doch über alle Flutheu hielt mir das Haupt empor Das Wort, die Himmelsgabe, die niemals ich verlor. Das Wort toar stets mein Harnisch, das Wort war mein Panier, Hoch über Bergesspitzen ein Leuchtthurinseuer mir. ES ward in Noth mein Labsal, in Dürftigkeit mein Gut, Ein Balsam der Belebung entströmte meinem Blut. Ich ward verfolgt, verfluchet, gemartert auf den Tod, Mein Name schmachbeladen, mein Leben mordbedroht; Der Grill war haßnmlagert, der Leib in Banden lag. Ich schweige von den Dualen, sonst trüb' ich diesen Tag. Doch als mein letztes Erbtheil schon trat des Feindes Gier, Schuf ich ein Heer von Zeichen lebendiger Thaten mir In tauseno und in tausend Symbole eingepreßt, Hielt jede der Gestalten das Ewig — Eine fest. Das waren starke Typen, geschnitzt aus Flammengrund! Hieroglyphenreihen. mir tief im Herzen kund. Das waren dunkle Schriften, drin Gott verborgen lag; In ihrem Dunkel strahlte für mich ein Frühlingstag. Bald wühlten nun die Feinde in der (Gestalten Heer, Die Klugen wmfen Netze in meiner Zeichen Meer, Verläumder schaffen Pfeile voll Giftes mir ins Herz. Mit meinen Heiligthümern trieb jeder Spötter Scherz. Schier drohte da zu schwinden die überspannte Kraft. Israels Geist ward müde, zum Sterben fast erschlafft. Ein Funke nach dem andern erlo'ch im wüsten Sturm, Und Finsterniß besiegte die Leuchten auf dem rhurm. Zwar nicht verschloß den Schriftschatz ich im geheimen Schacht, Zwar nicht verbot das Lesen mir trübe Ptiestermacht; Das Forschen war geboten; doch nur von Mund zu Mund Ward in des Volkes Kreisen die thenre Lehre kund. Da ward mir in der Stunde der tödllichsten Gefahr Vom Himmel reiche Hilfe, glanzvoll und wunderbar. Durch Gutenberg vollzog sich der Spruch, von Gott gesandt: „Wie Wasserfluth den Meeresgrund füllt Kenntniß einst ____ das Land."') *) Aus dem Phönix Sir. 188, 12. August 1837. 1) Genes. Kap. 27, Ä. 22. 2) Jes. Kap, II, V- 9. Schnell griffen Jakobs Söhne zur neuen Geisterkunst, Aeronauten flogen durch 'Nebel und durch Dunst, Was ein Gemüth empfunden, was ein Verstand erdacht» Ward schnell zu allen Biüdern in jedem Land gebracht. ,/Vernimm, persteh', belehre und schreibe!"^) also sprach Zu mir die stimme (flottes, der kam ich spärlich nach; Doch durch der Presse Allmacht erfüll' ich ganz die Pflicht, Belehre, schreibe, drucke — so fehlt der Segen nicht. Bis in die kleinste Hütte drang Weisheit hell und frei, Verständniß lehrte sichten den Waizen von der Spreu. Sich Wissenschaft zu sammeln ward jedes Menschen Ruhm, 'Nicht mehr allein der Reichen und Lehrer Eigenthum. So lange Licht ^mr brannte in wen'ger Menschen Haus, Losch bald ein Sturm, ein Siegen die kargen Lichter aus; Doch nun in jeder Wohnung ist helle Gluth 311 sehn, Da kann kein Regen löschen, oa kann kein Sturm verwehn. Zum Ringen um die Wahrheit zog rastlos mich mein Sinn Vierlmn: eri Jahr' aufs 'Neue im steten Kampfe hin. Fest meinen Sinn vei schanzend in meines Glaubens Burg, Forscht' ich mit Hellem Brande die finstern Räume durch. Ich hab's allein begonnen, vollbracht Hab' ich's allein! Ich Hab' allein gekeltert der 'Wahrheit edlen Wein! Kein SNensch hat mir geholfen, Z ich schulde ke nen Dank: Ich trug allein die Fahne, die nie zu Boden sank. Seht hier mich unbezwungen, seht hier mich unverletzt! Der ulten Z eichen Men g e entsag' i ch w illig jetzt; Dnrch's W ort Hab' ich gestritten, durch'ö Wort Hab' ich gesiegt, Dies .-Zauberschwert genügt mir, wo mich ein Feind bekriegt. Doch mehr noch, als ich hoffte, erwarb mir dieser Gang, Mitkämpfer für das Gute aus jedem Volk und Rang; Sie reinigten die'Waage des Rechts von Rost und Wahn, Und sahn daß ihre Väter nicht gut an mir gethan. Da reichten sie die Hand mir und lieh'n mir Schwing' und Stab, Und löj'ten meinen Armen die alten Fesseln ab. Wir sah n uns an und staunten, das 4,-erz von Scham durchwühlt, Daß uns getrennt und feindlich ein Nichts so lange hielt. So hat das .'Wort gesieget, mehr als das Schwert vermocht, Dem ew'gen Licht der Wahrheit schuf Gutenberg den Docht; Das Licht brennt immer Heller, der Docht ble bt stark und klar, Mehr denn sonst hundert Jahre hilft jetzt ein einziges Jahr. Der Schatz, der mir vertrant ist, und den ich treu beivacht, Wird jetzt in allen Zungen ins fernste Meer gebracht: Die Wildheit wird gezähmet, der Blutgier wiro gewehrt, Und so wird einst zur Pflugschaar das allerletzte Schwert. ) Dies Alles dank' ich freudig dem gotterfüllten Mann, Deß Fest ans allen Ländern uns heme zog heran. Tie Gabe, die ich bringe, ein Herz, das warm ihn ehrt, Ist traun so viel als Eines in diesem Kampfe tverth! 3, Teilt. >!aVl!, 5, 8, 10, ilap. 11,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.