Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 51-52 (28.6.1900)
- Date
- 1900-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1057 gutem Beispiel vorangehe, die in weiten Theilen der Provinzen Westpreußen und Pommern gefährdete öffentliche Ruhe und Ordnung in vollem Umfange wieder herzustellen. Ich sichere meinen Dank jedem zu, der an seinem Theil zur Erfüllung dieser Bitte beiträgt." — Das „Konitzer Tagebl." vom 13. Juni brachte in seinem Annoncentheil eine Anpreisung von antisemitischen Flugschriften, die sich mit dem Ritualmord befassen. Die Annonce empfiehlt den Lesern folgende Broschüren zum Ankauf: Räthselhafte Blutmorde; Flugschrift, 6 Pfg. Die Juden und das Christenblut; 40 Pfg. Das Menschenopfer des Rabbinismus; 60 Pfg. Die jüdischen Blutmysterien; 60 Pfg. Der Mord in Sturz vor Gericht; 60 Pfg. Der bewiesene Blutmord in Polna; Flugschrift; 100 Stück 1 Mark. Zur Blutfrage; 1 Mark. Moses und Gittel oder: Dreimal zum Strang verurtheilt und doch nicht gehängt; 60 Pfg. Das Blutgeheimniß; politischer Bilderbogen, 30 Pfg. Um dem Konitzer Leserkreis davon Kenntniß zu Handelsakademie den Rabbiner der Neologengemetnde Dr. H. Funk seiner Stelle als Religionslehrer an der erwähnten Anstalt präsidialiter enthoben, weil derselbe seine Schüler — die zum Theil beim getauften Direktor der Anstalt in Pension waren — zur Einhaltung der Speisegesetze und des Schreibverbotes am Samstag aufforderte. Nachdem die Handelskammer als Erhalterin der Schule sich vergeblich bemühte, eine Verständigung zwischen Direktor und Rabbiner herbeizuführen — der Direktor enunzirte feierlich: „Ich oder der Rabbiner!" — ist nunmehr die Entscheidung des Ministers erfolgt. In einem scharf gehaltenen Erlasse macht das Cultusministerium den Direktor für den „unerhörten Zustand" verantwortlich und richtet an ihn, unter Androhung der gesetzlichen Strafe, die Aufforderung, sofort Abhilfe zu schaffen. — Da die Schlußprüfungen bereits im Zuge sind, mußte sich der Direktor dazu bequemen, den verdrängten Rabbiner zu rehabilitiren. Aus der Handelskammer wird nachträglich noch folgendes interessante Detail bekannt. Als der Direktor über die Fanati- Könitz mit dem Mönchsee. geben, daß es auch Werke ehrlichster Tendenz gibt, die gegen die Blutbeschuldigung gerichtet sind, hat das Berliner Bureau des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" am 18. Juni dem „Konitzer Tageblatt" eine Annonce zum Abdruck angeboten — natürlich gegen die übliche Anzeigegebühr — in der fünf Werke gegen die Blutbeschuldigung angezeigt wurden, darunter das des christlichen Theologen Prof. Dr. Hermann L. Strack. Bis zum 27. Juni hat das „Konitzer Tageblatt" auf die Anfrage, ob sie diese Annonce aufnehmen wolle, mit keiner Silbe geantwortet. Redakteur ist I. Lehmann in Könitz, Druck und Verlag Th. Kämpf Nachf. F. Roehl. Das Hetzblatt ist so feige und hat so wenig Vertrauen zur inneren Wahrheit seines Judenhasses, daß es eine simple Annonce aufzunehmen sich scheut! Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pretzburg, 22. Juni. Wie in Nr. 47 des „Israelit" berichtet wurde, hat der Direktor der hiesigen sirung des Rabbiners Klage erhob und mit seiner Kündigung drohte, sagte ihm ein, dem Gewerbestande angehörendes Mitglied der Handelskammer, dessen Neigung zum Antisemitismus stadtbekannt ist, Folgendes: „Aber, Herr Direktor, lassen's doch den Rabbiner machen, was er will. Nicht kümmern Sie sich um seine Religionssachen; sollen die Judenkinder Juden sein!" Sein Nachbar, gleichfalls ein prononcirter Antisemit, machte den Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam, daß er doch nicht den Judenrabbiner in Schutz nehme. Dieser aber versetzte mit spießbürgerlichem Ernst: „Getauft, oder nicht getauft bleibt sich mir gleich. Ich lass' mir den getauften Juden erst recht nicht über den Kopf wachsen!" Rumänien. Bukarest, 26. Juni. Der gestrige Ministerrath beschloß, allen armen israelitischen Auswanderern freie Fahrt auf Staatsschifsen bis Rotterdam, eventuell freie Bahnfahrt bis zur Landesgrenze zu bewilligen.