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Der Israelit · 1900-06-28 · Heft 51-52 (28.6.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 51-52 (28.6.1900)
Date
1900-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1056 I n Hamburg wohnhaft: Aron Auerbach, Gustav Baer, Louis Benzian, Jonas S. Bing, Alfred Cohn, Herrmann Gumpertz, Hugo Mainz, Alfred Mathiason, Joseph Oettinger, M. I. Seligmann. In Altona wohnhaft: Dr. jur. M. Levy, Wolfs Möller. Auswärts wohnhaft: Max Apelt—Halle a. S., Louis Feist—Frankfurt a. M., Sally Guggenheim—Berlin, Benjamin Hirsch—Halberstadt, Wilh. Kober—Breslau, Bankdirektor Georg Marx—Königsberg i. Pr., Benno Rosenfelder—München, Philipp Wolfs—Dettelbach. Außerdem sind die Zweigvereine mit mindestens 40 Mitgliedern und 200 Mars jährlichen Beiträgen berechtigt, je ein Mitglied in den Vorstand zu delegieren. Nachdem noch die Herren Moritz Heimann und Wolfs Levy in Hamburg zu Kassenprüfern gewählt, wurde die Generalversammlung geschlossen. Anschließend hieran vertheilte der Vorstand seine Aemter unter sich, wie folgt: I. Vorsitzender: Louis Benzian, 2. Vorsitzender: Herm. Gumpertz, 1. Schriftführer: Joseph Oettinger, 2. Schriftführer: A. Auerbach, Schatzmeister: Hugo Mainz. Aus dem erstatteten Bericht ist Folgendes hervorzuheben: Der Verein hat bereits verschiedene Subventionen bewilligt, und wird weiterhin gern da nützen, wo es angebracht und den Zielen desselben entspricht. ( Als vornehmste und erste Ausgabe betrachtet es die Leitung an solchen Orten die Errichtung von Speisehäusern zu fördern, wo sie in erster Linie Reisenden zu Gute kommen, die ihres Geschäftes wegen, einen großen Theil des Jahres unterwegs, sodann in Kur- und Badeorten, lvas sicherlich auch ein erstrebenswertstes Ziel ist. Natürlich können die Ziele des Vereins nur schrittweise vorsichtig verfolgt werden. Der Vorstand ist sich der Schwierigkeiten, die sich seinen Zielen entgegenstellen, voll bewußt, wird sich aber mit aller Energie und Hingebung der nicht geringen Arbeit unterziehen. Ist er sich doch bewußt, daß er mit Erreichung der Ziele vielen Glaubensgenoffen den Kampf um Existenz, Gesundheit und Erhaltung religiöser Ideale erleichtert. Die Verwaltung rechnet auf die volle Unterstützung aller religiösen Kreise, sowohl durch Rath, als vorzüglich durch reiche materielle Hülse, gilt es doch hohe Ideale zu erhalten. Die Bildung möglichst vieler Zweigvereine, die für Mitglieder und Beiträge sorgen, wird es der Leitung wesentlich erleichtern, auf der betretenen Bahn rasch vorwärts zu schreiten, da es naturgemäß hierzu ganz erhebliche Mittel bedarf. Es muß auch auf die Mitwirkung aller religiösen Rabbiner besonders Gewicht gelegt werden. Die Satzungen des Vereins schreiben vor, nur solche Speisehäuser zu fördern, die streng religiösen Rabbinaten unterstellt sind, und wofür diese Rabbinate als Referenzen öffentlich genannt werden dürfen. Es darf also vorausgesetzt iverden, daß alle Anfragen der Leitung an die Herren Rabbiner schnell und klar beantwortet werden. Nur dann können Ver- I schleppungen vermieden werden. Es bedarf wohl nur dieser Anregung, um diesen Wünschen nachdrücklichst zu entsprechen. Der Verein wird demnächst mit ständigen Inseraten in den jüdischen Zeitungen beginnen, in welchen Speisehäuser mit ihren Referenzen veröffentlicht werden. Beitrittserklärungen und Auskunftsanfragen beliebe man an den Vorsitzenden, Herrn Louis Benzian, Hanlburg 1, Geldsendungen an den Schatzmeister, Herrn Hugo Mainz, hier, Börsenhof, zu adressieren. Könitz, 25. Juni. Am vergangenen Samstag sind sämmtliche im Fleischereibetriebe beschäftigten Personen zum Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann geladen worden. Es soll sich um eine gutachtliche Zeugenaussage gehandelt haben. Verhöre finden alle Tage statt; sie nehmen die ganze Zeit des rastlos arbeitenden Untersuchungsrichters Dr. Zimmermann in Anspruch. Was für Aussagen gemacht worden sind, darüber ist nur durch Befragen der sich sehr widersprechenden Zeugen etwas zu erfahren. Das aber steht fest: bisher ist die Untersuchung noch nicht einen Schritt weiter gekommen, als sie am Tage nach der Auffindung der letzten Leichentheile stand. Die Mordsache tritt ganz in den Hintergrund gegenüber den vielen schwebenden Meineidsverfahren, die gegen Zeugen eingeleitet wurden. Der Arbeiter Maßlow, deffen Schwiegermutter Frau Roß und die Frau Rielinger hatten sich häufig wegen angeblicher falscher Eidesleistung vor dem Untersuchungsrichter zu äußern. Frau Rielinger, die von dem jungen Moritz Levy gesehen haben will, wie er kurz nach dem Morde an der „Spüle," der Fundstelle des Körpers, mit einem Stocke im Waffer gewühlt habe, wurde heute unter dem Verdachte des Meineides in Haft genommen. Weitere Verhaftungen unter gleicher Anschuldigung scheinen bevorzustehen. — Der Landrathsamtsverweser des Kreises Schlochau, von Mach, hat folgende Bekanntmachung ersoffen: „Die aus Anlaß des Konitzer Mordes immer weiter um sich greifenden Ausschreitungen haben in den letzten Wochen in unseren Nachbarkreisen lheilweise einen so bedrohlichen Charakter angenommen, daß neben der Heranziehung der bewaffneten Macht, wie sie in Könitz stattgefunden, der Minister des Innern sich veranlaßt gesehen hat, die Gensdarmeriemannschasten der betheiligten Kreise erheblich zu vermehren. Auch in den Kreis Schlochau sind auswärtige Gensdarmen kommandirt worden, nicht etwa aus Anlaß ernsterer vorgekommenen Exceffe, sondern in der Absicht, die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung für die Zukunft zu gewährleisten. Ich spreche an dieser Stelle öffentlich das Vertrauen aus, daß das Einschreiten der Gensdarmerie im Kreise Schlochau nicht erforderlich werden wird, und richte an alle besonnenen und friedliebenden Kreiseingeseffenen die dringende Bitte, sich nutzloser Kravalle und Ausschreitungen gegen die Juden sich zu enthalten und an ihrem Theil dazu beizutragen, daß unser Kreis Schlochau mit

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