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Der Israelit · 1900-06-28 · Heft 51-52 (28.6.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 51-52 (28.6.1900)
Date
1900-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1055 sich ausgenommen hatte; wer war kenntnisreicher als er und wer tonnte sich mit ihm in wahrer tiefer Frömmigkeit und in reinerGottesfurcht messen? Darum klagt Gott: Wer wird nun aufstehen für mich und als Mann der Wissenschaft mit Glaubensinnigkeit und Treue eintreten für die Lehre der Wahrheit? Können wir nicht ähnlich von unserem Rabbi sprechen, der in unserer glaubensarmen Zeit so unendlich viel für die Thora wirken konnte, weil er ein Mann der Wissenschaft war, weil er einen philosophisch geschulten Geist besaß, weil er der hochgebildete, auf allen Gebieten menschlichen Wiffens überaus kenntnisreiche und zugleich der gottesf ü r ch t i g e, von wahrer lauterer Frömmigkeit erfüllte Mann war. ir. Rabbi Tarphon verglich R. Elieser mit dem befruchtenden Regen. Der Regen entsteht bekanntlich dadurch, daß die Sonne aus Flüffen und Bächen das Wasser aufsaugt, welches sich in Wolken sammelt und vom Himmel wieder herniederströmt. Verhält es sich nicht ähnlich mit unserer rrTsy unserem Gottesdienste? Er steigt aus der Tiefe unseres Herzens hinauf zu Gottes Thron und bewirkt, daß der Segen des Allmächtigen vom Himmel her uns zu Theil wird. In war vor allem unser Rabbi Rahen und Fernen Muster und Vorbild. Wer ihn an den v'v' v'x-nr weinend und schluchzend, ganz in sich zusammengesunken, sein Gebet verrichten sah, wer ihn in der rw-ülarfit mehrere Stunden hintereinander rr-!v2 vortragen und dann, nachdem der Morgen angebrochen war, als Vorbeter fungiren hörte, der lernte von ihm Gottesfurcht und begriff, was die Alten unter r.M’n verstanden. Seit seiner frühesten Jugend hat er immer selbst vorgebetet und selbst den Wochenabschnitt „geleint." Doch nicht nur mmy im engeren Sinne konnte man von ihm lernen. Ist es doch das höchste Ideal des Juden, daß das ganze Leben ein ein Gottesdienst sei; und daß dies möglich und ausführbar, das lehrte uns unser unvergeßlicher Rabbi. Wenn als das Hochziel, dem wir zustreben sollen, das Wort hingestellt wird: sw a»? vrr “jwc to „alle Deine Thaten seien nur Gottes Willen — er hat es erreicht! All sein Thun und Lassen, auch die täglichen Verrichtungen des Lebens, selbst Essen, Trinken und Schlafen, waren von dem festen Willen getragen, Gott zu dienen; „ein Gottesdienst war sein ganzes Leben!" Es ist bekannt, daß der Rabbi mit Glücksgütern gesegnet war und daß er für seine zahlreichen Funktionen als Rabbiner, Prediger, Leiter der Religionsschule, als Direktor des Rabbiner-Seminars keine Zahlung annahm, sondern selbst noch große Summen bei jeder Gelegenheit beisteuerte. Aber während sein Haus mn® nnrS weit geöffnet war für die Armen, und Unzählige, die hungrig hineingekommen, es gesättigt verließen, wie wenig Genuß von seinem Reichthum hat er selbst gesucht. Wie war er bescheiden in Speise und Trank, wie hat er sich niemals eine Erholung gegönnt und niemals einen Badeort aufgesucht, wie hat er selbst den Schlaf, das natürlichste Bedürfniß des Menschen, sich verkürzt, weil ihm seine Zeit kostbar war und er jede Stunde brauchte im Dienste seines Schöpfers. Von der Rastlosigkeit und unermüdlichen Arbeitskraft des Rabbi kann sich derjenige, der ihn nicht gekannt, keinen Begriff machen, und charakteristisch war es für ihn, daß ihm seine Reisen, bei denen er die Nächte zum Fahren benutzte, während er bei Tage unermüdlich thätig war, als Zeit des „Ausruhens" erschienen, weil er die ganze Nacht sich dem Schlafe hingab. Wahrlich, ebenso wie Rabbi Jehuda Hannassi, konnte auch unser Rabbi auf seinem Sterbebette ausrufen: „Ich habe mich gemüht und gearbeitet mit all meinen zehn Fingern und habe noch nicht einmal für meinen kleinen Finger Genuß gehabt." Wir begreifen es, daß, wie im Talmud erzählt wird, die Kohanim seine Leiche berührten, weil bei ihm von Unreinheit nicht die Rede sein konnte, in diesem Sinne können wir auch von unserem Rabbi sagen: rrn» td tos iro “fcu. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 24. Juni. Die Chewrah Kadischah der Israelit. Synagogengemeinde (Adaß Jisroel) hat zur ersten Wiederkehr des Todestages des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer s. A. ein Kunstblatt Herstellen lassen, das die Züge des theuren großen Mannes in ganz vorzüglicher Weise zur Darstellung bringt. Nach der Radirung von Georg Saßnik dahier hat die graphische Kunstanstalt von Meisenbach Riffarth eine Heliogravüre (Tiefätzung) zum Abdruck gebracht, die sich den Kupferstichen früherer Meister würdkg an die Seite stellen kann. Das Bild erscheint in zwei Ausgaben, die eine in Lebensgröße, die andere in der Größe, die gewöhnlich für Portraits, die als Wandschmuck dienen sollen, gewählt wird. Der Ertrag ist für das von der Chewrah Kadischah errichtete Krankenheim bestimmt. Die Bezugsbedingungen sind an anderer Stelle d. Bl. mitgetheilt. Hamburg, 25. Juni. Am Dienstag, 12. Juni, Abends 7 Uhr, hat die constituirende Generalversammlung des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser, Sitz des Vereins in Hamburg, stattgefunden. Nachdem der provisorische Vorsitzende den Bericht über die bisherige Thätigkeit erstattet, wurden die gedruckt vorliegenden Satzungen einstimmig angenommen. Alsdann erfolgte die Vorstandswahl. Es wurden folgende 20 Herren gewählt.

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