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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 31)
Language
German
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1051 Portugal scheinen die verderbenbringende Aufmerksamkeit der Inquisition auf ihn gelenkt zu haben. R. Gerson rühmt sich vielen Marannen dazu behülflich gewesen zu sein, zum Judenthum zurückzutehren, bekanntlich in der Zeit der Ketzerverfolgungen, wie heute noch in Rußland, ein kaum sühnbares Verbrechen. Es kann sein, daß ein von ihm durch Neckereien beleidigter getaufter Jude den Angeber spielte. Wie dem auch sei, R. Gerson und sein Sohn wurden eingekerkert; nach langer Haft mußten sie nach Einziehung oder sonstigem Verlust ihres ganzen Vermögens Italien verlassen. Die Familie Soneino findet sich dann in der Zufluchtsstätte der damaligen Juden, in der Türkei und bald blüht in Constantinopel die Druckerei derSoncinaten wieder auf. R. Gerson starb 60 Jahre nach dem ersten Talmuddruck im Jahre 4294 (1634) in Constantinopel. Bis in die neueste Zeit finden wir noch hervorragende Männer unter seinen Nachfolgern. Auch andere Drucker aus einem anderen Lande kamen nach der gastfreundlichen Türkei. Vor der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal blühten auch dort jüd. Druckereien, von deren Erzeugnissen nur ungefähr anderthalb Dutzend übrig geblieben sind. Der früheste erhaltene Druck von dort stammt aus dem Jahre 6442 (1482) und aus der Stadt Gualdalarara. Außerdem sind Druckorte Zamora, Jrar in Arragonien und besonders Lissabon. Aus Jxar haben wir noch einen Tur Orach Chajim und Jore Dea. Einige flüchtige sephardische Drucker nahmen ihre Typen mit nach der Türkei u. erklärt es sich dadurch, daß manche türkische Drucke den Druckwerken aus Spanien und Portugal genau gleichen. Wir glauben das Wichtigste aus der Geschichte des jüdischen Buchdrucks bis zum Jahre 1600 erzählt zu haben. Aus diesem ersten Vierteljahrhundert jüdischen Buchdrucks sind uns ungefähr 100 verschiedene Werke übrig geblieben. Venelinnifchb Nluckeneien. Daniel Bömberg aus Antwerpen druckte zum ersten Male in Venedig den ganzen Talmud und zwar in der kurzen Zeit von 6280 — Kislew 6283 (1520 bis 1522). Bömberg, ein Nichtjude, der ein Vermögen von vielen Millionen aus den Druck hebräischer Bücher verwandte, begann sofort seine Thätigkeit mit einem sehr großen Werke, 5277 (1517), mit dem Drucke der iri'r-;; mx-pc, den bekannten rabbinischen Bibeln mit den verschiedenen Targumim und einer ganzen Reihe von Commentaren. Dreimal druckte er diese rabbinischen Bibeln, jedesmal neue Commentare hinzunebmend, dreimal druckte er auch den ganzen Talmud. In Bömbergs erster Talmudausgabe findet sich zuerst R'osch und die Erklärungen des R. Simson von Sens zur Mischna Seraim und Taharot. Am meisten Beifall bei den späteren Drucken fand jedoch eine andere Venetianische Talmudausgabe, die wieder bei einem nichtjüdischen Drucker von 6306—6311 (1646—1661) erschien und zwar bei Marco Antonio Giustiniani. In Giustiniani's Talmudausgabe finden sich zum ersten Male die Hinweise ,s"tyn nrss ,tx m*ri nur: -;i ceu-i: py sowie die Hinweise auf ähnliche Tossot, ohne die wir uns heute keine Gemara mehr denken können. Der Verfasser dieser Hinweise ist kein Geringerer als der Verfasser des Schilte Gibbarim zum Rüf. R. Josua Boas aus der Familie Baruch. Daniel Bömberg druckte 32 Jahre lang bis zu seinem Tode in Venedig, von 6277 (1617) an. Außer Giustiniani sind aus Venedig noch die Drucker Brucello, Farri und der zwei Jahrhunderte hindurch erscheinende Name Bragadino zu nennen. Mit Daniel Bömberg beginnt der Großbetrieb der hebräischen Druckereien und erreicht die Epoche der hebräischen Frühdrucke ein Ende. Der Name Bömberg aus Antwerpen weist aus zwei sehr alte Druckstätten hin. Nach Mainz und Straßburg finden wir die erste Druckstätte 1461 bei Pfister in Bamberg, in Antwerpen soll die erste Druckerpresse der Niederlande gestanden haben. Vielleicht stammt unser fürstlicher Drucker, Bömberg, aus Bamberg und hat sich vor seiner Uebersiedlung nach Venedig in Antwerpen aufgehalten. In beiden Städten hatte er gute Gelegenheit, sich in der Technik des Druckes auszubilden und war es ihm darum auch möglich, den hebräischen Buchdruck in andere und höhere Bahnen zu lenken. Dankbaren Sinnes nennt der jll-

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