Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449096--50981-2501428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

1050 i fi S I uns, hier in kurzen Worten die Geschichte dieser großen Familie zu geben. Der Ahnherr dieser Familie ist R. Mosche von Speier, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte und in den Tosfot Touque genannt wird. Das fünfte Geschlecht nach diesem R. Mosche ist R. Mosche den Samuel aus Fürth, dem es nach dem Bericht seines Enkels Gerson gelang, den Predigerinönch Johann Capistrano, der in Deutschland und Polen durch seine fanatischen Hetzpredigten unsägliches Leid über die Juden brachte, aus Fürth zu verjagen. R. Samuel, der Sohn dieses R. Mosche, wanderte nach Italien aus. Dessen Sohn wieder, R. Israel Nathan, war ein sehr reicher Arzt, der Soncino zum Wohnsitz wählte. Von seinem Reichthum machte er den besten Gebrauch, indem er aus Begeisterung für die Verbreitung der Thora es seinem Sohne Josua Nathan mit reichen Mitteln ermöglichte, eine Druckerei zu gründen. In dieser Druckerei wurden außer den oben genannten Talmudtraktaten eine Reihe anderer großer Werke gedruckt, Frühere und Spätere Propheten mit Eommentar des R. David Kimchi, Jkkarim, Semag, Rambam, Arba Turim. Im Jahre 6248 erschien hier zum ersten Male die ganze Bibel mit Punktation und Neginot, was wegen der technischen Schwierigkeiten besonders merkwürdig ist. Im Jahre 6243 (1486) gründete Josua Salomo mit seinem Bruder Mosche eine Filial-Druckerei in Casale Maggiore, wo das hochgeschätzte und viebesprochene Machsor Romi nach einer Druckzeit von einem Jahr in ztvei Theilen, .300 Blatt stark, in Folioformat erschien. Auch das Schicksal der Familie Soncino, wie das so vieler edlen jüdischen Familien, gestaltete sich eine Zeit lang sehr traurig. In seinem Nachwort zur Graminatik, Michlol des Rabbi David Kimchi, die Rabbi Gerson Soncino in Eonstantinopel 6203 (1633) kurz vor seinem Tode druckte, erzählt er uns in ergreifenden Worten sein und seiner Familie Geschichte. Hier sei bemerkt, daß die oft sehr ausführlichen Epigraphen der Druckherren, Correctoren und Setzer aus der ersten Zeit des Druckes uns häufig wichtige historische Nachrichten überliefern, die aus anderen Quellen nicht zu uns gekommen sind. R. Gerson Soncino war auch in Profanwissenschafien bewandert; er verstand Italienisch, Lateinisch und Griechisch, druckte viel in diesen Sprachen und wird sogar ein Rivale des bekannten Aldus Manutius, dem er vorwirft, daß ein Typenschneider, Maestro Francisco aus Bologna, der von Aldus zu Gerson Soncino iiberging, der eigentliche Erfinder der Aldinischen Kursivschrift sei, durch welche sich Aldus Namen und Vermögen erworben habe. R. Gerson war rastlos und unermüdlich. Wir finden seine Druckereien in den verschiedensten italienischen Städten; was ihn zu der häufigen Verlegung seiner Offizin veranlaßte, wiffen wir nicht. Er scheute weite Reisen nicht, um gute Handschriften für seine Drucke zu erlangen. Besonders segensreich für das Talmudstudium sind seine Reisen nach Frankreich geworden, von wo er die Tosfot Touques mitbrachte, während man in Italien nur die Tosfot Sens kannte. Die Tosfot Touques sind ein Auszug aus verschiedenen Tosfotsammlungen, darunter auch die Tosfot Sens. Dieses ist vielleicht der Grund, daß Rabbi Gerson Soncino und seine Rathgeber gerade diese Tosfot Touques hauptsächlich in die erstgedruckten Talmudausgaben aufnahmen. Wahrscheinlicher erscheint mir, daß man in Italien die Tosfot von Sens in sehr verkürzter Form hatte, wie auch im 27. Kapitel des Orchot Zadikim getlagt uürd, daß man im Interesse schwacher Schüler die schweren Tosfot Sens abgekürzt habe (vergl. Güdemann, Quellenschriften zur Gesch. des Unt. Pag. 32). Diese verkürzte Form genügte nicht und R. Gerson Soncino reiste nach dem Heimathlande der Toßaphisten, um von dort die möglichst unveränderte Handschriften dieser großen Lehrer mitzubringen. Er fand die Tosfotsammlung des R. Elieser von Touques und verpflichtete durch deren Druck die Talmudbefliffenen aller kommenden Zeiten zu großem Dank. R. Gerson Soncino muß sehr reich gewesen; denn 6261—6266 (1494—1606) war er der einzige jüdische Drucker in der Welt. Neben vielen anderen Werken hat er 23 Talmudtraktate gedruckt. Seine unablässigen Bemühungen für die aus der pyrenäischen Halbinsel fliehenden Marannen, besonders für die aus h

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.