Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 50 (21.6.1900)
- Date
- 1900-06-21
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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1052 dische Gelehrte Daniel Bömberg, der die Vorwürfe seiner Familie nicht scheute, und ein großes Vermögen der Blütbe der indischen Litteratur opferte. AchlllSSMlN't. (fin Kränchen setzt der berühmte Chronist R. David Gans über das Crsindungsjahr der Buchdruckertunst in seinem 1692 erschienenen Geschichtswerk, ”h res, und preist diese Erfindung in begeisterten Worten. In einem interessanten Schlußgedicht zu den oben genannten Arba Turim aus dem Jahre 6236 sagt die Buchdruckerkunst von sich bvb 5X mt:j? „Ich bin Kunst, die Krone aller Kunst." Das Gedichtchen schließt mit Worten, die uns das stolze Selbstgefühl unserer ersten Drucker zeigen. Sie lauten: 7^2:71 rrm by rren rrrw s'~ z'-c'c zzvz rrr.nzz nsi vrx 'b rrrr.zb 'rzz"~ rtrx-i 'by „Man muß sich über die Herrin Deborah wundern, daß sie voin Schreibergrifsel singt; hatte sie mich unversehns erblickt, sie hätte mich als Krone auf's Haupt gesetzt." Solche Ruhmeswone siir die Buchdruckerkunst erklangen zu allen Zeiten aus der Mitte der Juden. Man könnte leicht eine ganze Sammlung von Lobgedichten und Lobpreisungen zusamuienstellen über dieses edelste Handwerk, das im oben citierten Epigraph anklingend an das Talmudische ruw nesn nicht rox^o, sondern ncsn, eine Kunst genannt wird. In keinem Kreise konnte der Buchdruck so widerspruchslos seinen Siegeslauf antreten, als in dem unsrigen. Stolz überdenken wir heute die lange Reihe von Werken, die aus hebräischen Offizinen herausgegangen sind; und alle unsere Glaubensgenossen denken hierin wie wir. Doch ungern geben wir Antwort, wenn man uns fragt: ist heute noch überall Leben und Bewegung in diesen heiligen und kostbaren Büchern, sind heute noch Viele, die sich über Mangel an Thorabüchern beklagen, und wenn Bücher vorhanden sind, werden sie genügend benützt? Durch solche Fragen wird unser Muth gebeugt, und wir müssen klagend gestehen, daß heute vielfach die gedruckte Thora buchstäblich in verlassenen Winkeln liegt. Möge das besser und anders werden. Möge die Liebe zur Thora wiedererwachen und möchten wir der treuen Gesinnung unserer Alten uns wieder nähern, die lieber die Heimath mißten, ehe sie ihre heiligen Bücher verlieren wollten. Vielleicht trägt die Erzählung der Geschichte des ersten jüdischen Buchdrucks, die auch eine Geschichte von Israels Liebe zur Thora ist, dazu bei, die bei Vielen fast erloschene Gluth auf's Neue zur lodernden Flainme anzusachen. (A n m e r k u n g. Bei meiner Darstellung habe ich die bekannten Arbeiten von Berliner, Steinschneider, Rabbinowiez, Zunz, Chwolson, M. Schwab über unfern Gegenstand benutzt.) Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2. Mainz Druck und Verlag der Ioh. Wirth scheu Hoibuchdruckerei Actien-Gesellschaft inrMainz.