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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 27)
Language
German
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- 1 1047 und andere heilige Bücher abschrieben, welche dann unentgeltlich den Jüngern der Thora überlassen wur- .den. Bevor der Fanatismus feindseliger Geister Verheerungen in den jüdischen Büchereien anrichtete, war auch in der Zeit vor dem Buchdruck ein reicher und ausreichender Schatz an Schriften vorhanden. Von Geschlecht zu Geschlecht vererbten sich die immer zahlreicher werdenden heiligen Bücher, die auch gerade wegen ihrer Heiligkeit sorgsamer bewahrt und geschützt wurden, als die Bücher bei Anderen. Zur Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst waren für Alle, die nur zu den Wassern der Thora hingehen wollten, die nothwendigsten Bücher, Bibeln und Talmudexemplare in reichlicher Fülle vorhanden. Die ersten hebräischen Bücher, die von Juden gedruckt wurden, waren denn auch nicht, wie man erwarten könnte, T'nachausgaben und Traktate des Talmud. An solchen Handschriften war kein Mangel, in jedem Bet Hamidrasch fand man sie in genügender Menge. Die ersten gedruckten hebräischen Bücher waren solche, die man gern zu Hause las, zu deren Studium man das Bet Hamidrasch nicht aufzusuchen pflegte. Fünfzehn Jahre, nachdem außerhalb der Stadt Mainz Buchdruckereien in Straßburg und Bamberg eröffnet waren, dreizehn Jahre, nachdem durch die Eroberung und Plünderung von Mainz durch Adolf von Nassau der Buchdruck nicht mehr als Geheimnis; Gutenbergs und seiner Genossen galt und sich frei ausbreiten konnte, im Jahre 6236 (1476) erschienen die beiden ersten hebräischen Bücher in Italien. Am 10. Ador 6236 vollendete Abraham ben Garton ben Jsaac in Reggio in Calabrien den Druck des Raschik o m m e n t a r s zur Thora und am Montag, 28. Tamus 6236, erschien das berühmte Werk des R. Jakob ben R. Ascher, die v i e r T u r i m , in Pieve de Sacco bei Padua. Letzteres Werk soll in solch vollkommener Weise gedruckt sein, daß es heute noch beispielgebend für die Typographen sein kann. Diese Arba Turim sind auch wohl das erste hebräische Werk ln Bezug auf den Beginn der Drucklegung. Der obengenannte Raschikommentar, der ja fünfthalb Monate früher erschien, zählt nämlich 116 Blatt in Folioformat I (68 Bogen), während die natürlich umfangreicheren Arba Turim 460 Blatt in ähnlichem Format (230 Bogen) zählen. Wenn wir nun nach den Verhältnissen des Frühdruckes ungefähr ein Jahr auf den Druck des Raschikommentars rechnen, so dauerte der Druck der vier Turim mindestens 2 Jahre, wurde also wohl spätestens im Sommer 6233 (1473) begonnen. Der Drucker der Turim, Meschullam Cusi, erlebte die Vollendung des Werkes nicht mehr, er starb während des Druckes des dritten Theils. Aus den Offizinen von Pieve de Sacco und Reggio besitzen wir übrigens allein die genannten Werke. Es scheint, daß beide Drucker aus ihren Druckerzeugnissen keinen Gewinn ziehen wollten, sondern daß sie, wie die früheren Mäcene, nur die Absicht hatten, zur Verbreitung von heiligen Schriften unter den Thorabeflissenen beizutragen. Sie hielten ihr Ziel für voll erreicht, als sie durch die Arbeit weniger Jahre einige hundert Exemplare desselben Werkes hergestellt hatten, während sie durch Abschreiben und Abschreiber in demselben Zeitraum nur eine geringe Anzahl derselben hätten Herstellen können. Auch die nächste Druckstelle, die des Arztes Abraham ben Salomo Eonat in Mantua, beschäftigte sich zunächst nur mit Werken des Privatstudiums und dann mit solchen, die der Unterhaltnngslektüre dienten. Abraham Eonat begann wieder mit dem Werk des R. Jacob b. Ascher, vollendete jedoch nur den ersten Theil, Tur Orach Ehajim im Jahre 6236 (1476) und dann noch das erste Drittel des Tur Jore Dea, während der übrige Theil des Werkes erst später in Ferrara gedruckt wurde. Das nächste Werk aus dieser Mantuaner Offizin ist der Bechinot Olom des Jedaja Penini, den aber die Gattin Conat's, Estellina, mit Hülfe des jungen Levy aus Tarrascon druckte. Abraham Eonat und Estellina sagen fiir drucken noch schrei-, ben 2 7,2 Bei Conat's Epigraph zu den Turim ist interessant, daß er von sich als Drucker sagt zrtzr, c'd: 8^2 D,c:ci?,!p nesn „der mit vielen Federn (zugleich) schreibt, ohn daß etwas Wunderbares dabei wäre." Wie leicht ersichtlich, ist dieses eine Anspielung auf die Erklärung der Gemara am Schlüsse des dritten Perek von Joma, daß Ben Kamzar verstand, mit vier

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