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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1036 gingen, wobei es sich freilich stets herausstellte — wie die lehrreichen Mittheilungen in den Berliner „Neuest. Nachr." klar beweisen — daß diese Denunziationen ohne Grund waren, nur giftige Ausflüsse eines leidenschaftlichen Haffes. Die Regierung wird nach der „diabolischen Logik" der antisemitischen Presse nicht eher beruhigend wirken, bis sie einen Juden — verbrannt hat. Thut sie das nicht, wirkt sie „direkt aufreizend" und bezeugt weiter damit, daß sie vom Judenthum bestochen ist; denn anders kann es ja nach der „diabolischen Logik" der Antisemitenpreffe gar nicht sein. Wenn man diese antisemitischen Weisheitssprüche liest, ist man beinahe versucht, den Chinesen Recht zu geben und es weniger naiv zu finden, wenn sie ineinen, daß wir eitelen Europäer ihnen gegenüber „um „mindestens 2000 Jahre" — zurück sind. Red. der Fftr. Zeitung.) Berlin, 18. Juni. Am Dienstag, den 6. Juni, hielt der „Esra, Verein zur Unterstützung Ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien," seine diesjährige Generalversammlung ab. Die Bedeutung dieser Versammlungen wächst von Jahr zu Jahr mit der immer mehr steigenden Mitgliederzahl des Vereins und dieselben werden mit der Zeit sich zu Kundgebungen ausbilden, bei denen die Anschauungen der deutschen Judenschaft über die gesammten jüdischen Kolonisationsfragen zum Ausdruck gelangen. Nach dem vom Vorsitzenden, Herrn Moritz Dorn, erstatteten Bericht ist im Kalenderjahre 1899 die Zahl der Mitglieder von 9200 auf 4006 gestiegen und auch in dem begonnenen Jahre 1900 ist ein weiteres Steigen der Mitgliederziffer zu verzeichnen. Dementsprechend sind auch die Einnahmen von ca. Mk. 10,900 auf ca. Mk. 16,200 angewachsen. Diese Mittel des Vereins kamen neben einigen kleineren Ausgaben hauptsächlich der Kolonie Machnaim zu, die bereits Mk. 18,100 erhalten hat. In Zukunft soll auch die Kolonie Bnei Jehudah, sowie die Arbeiterkolonie Esra bei Rechowoth einen Zuschuß erhalten. Längere Debatten entspannen sich über den Antrag, für industrielle Unternehmungen in Palästina einen Beitrag von Mk. 1000 zu bewilligen. Während man allerseits über die Nützlichkeit einig war, gingen die Meinungen über die Competenz des „Esra" für industrielle Zwecke weit auseinander, doch wurden schließlich die Anträge mit großer Majorität angenommen, nachdem man sich dahin verständigt hatte, daß jede Förderung der Industrie zugleich eine Förderung der landwirtschaftlichen Kolonisation ist. Eine lebhafte Debatte rief der Versuch eines Delegirten hervor, die Leitung der Jews Colonisation Association und besonders die Haltung ihres Berliner Mitgliedes Herrn Dr. Lachmann, zu kritisiren. Von mehreren Seiten wurde sogar verlangt, daß der „Esra" bei den nächsten Wahlen zur jüdischen Gemeinde die Wahlparole ausgeben solle, daß Herr Dr. Lachmann im Aerwaltungsrath der „A. C. A." durch eine andere besser geeignete Persönlichkeit ersetzt werden solle. Nach energischer Widerlegung dieser Ansicht durch die Herren Dr. Hildesheimer, W. Bambus u. a. wurde die Discussion durch Annahme des Schlusses ohne practische Ergebnisse beendigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt und Herr Dr. Sobernheim neu in den Vorstand gewählt. Der Agitationskommission wurde eine größere Summe zur Verfügung gestellt. Nachdem noch Herr Prof. Marburg über seine günstigen Eindrücke, die er bei einer Reise nach dem Orient jetzt von den jüdischen Kolonien erhalten, und Herr Dr. Hildesheimer über die Conferenz der in Palästina thätigen Vereine, die zu Frankfurt a. M. am 26.—27. März stattgefunden, berichtet hatten, schloß die lebhafte und angeregte Debatte. Oe st err.-Ungar. Monarchie. Budapest. Die Pester Chewra-Kadischa hielt am 19. v. Mts. unter dem Vorsitze des Vorstandspräsidenten, Herrn Moses Ehrlich, ihre Generalversammlung ab. Wie dem Jahresberichte zu entnehmen, hat der heilige Verein im vorigen Jahre auf allen Gebieten seines Wirkungskreises eine erhöhte Thätigkeit entfaltet. Im Siechenhause haben während des vorigen Jahres durchschnittlich 48 Greise Verpflegung gefunden; jetzt hat sich ihre Anzahl auf 66 erhöht. Die Erhaltungskosten betrugen 34,734.22 Kronen, so daß auf eine Person 713.62 Kronen entfielen. Von den Ausgaben kam der Verein für einen unbedeckten Betrag in der Höhe von 18,192.70 Kr. auf. Der Siechenhausfond betrug zum Schluffe des Jahres 162,199.82 Kronen. Was die Krankenunterstützung betrifft, so hat der Heilige Verein, einem Uebereinkommen mit der Relrgionsgemeinde entsprechend, zur Erhaltung des israelitischen Spitals 40,000 Kronen beigetragen. Dieses Uebereinkommen, das Ende des vorigen Jahres abgelaufen ist, wurde auf drei Jahre mit der Modification prolongirt, daß der Maximalbeitrag des Vereins für das Spital auf 48,000 Kronen erhöht wurde. Ferner hat der hl. Verein dem Adele Brody-Kinderspital 10,000 Kronen zugewendet. An Unterstützungen wurden im vorigen Jahre 68,628.50 Kronen votirt. Im vorigen Jahre wurden 2575 Leichenbestattungen, darunter 1511 unentgeltlich besorgt, woraus der Chewra-Kadischa Ausgaben in der Höhe von 60,440 Kronen erwachsen sind. Die ordentlichen Einnahmen betrugen im vorigen Jahre 442,957.58 Kr., die ordentlichen Ausgaben 432,472.94 Kronen, die außerordentlichen Einnahmen 156,309.52 Kronen, die außerordentlichen Ausgaben 64,278.80 Kronen. Für dieses Jahr das ordentliche Erforderniß mit 446,006.18 Kronen, der Einnahmevoranschlag ist mit 433,060 Kronen festgestellt. Der Bericht, die Schlußrechnungen und das Präliminare wurden genehmigt. Dr. Max Schächter beantragte, bei der Spitalskommission der Religionsgemeinde die Vorschläge betreffend die Wärterinnen-Jnstitution zu urgiren. Der Antrag wurde angenommen. Hingegen wurde ein Antrag des Herrn Moriz Löwy, die Ausgaben für die Siechen einzuschränken, damit eine größere Anzahl von Greisen ausgenommen werden könne, abgelehnt. Ludwig

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