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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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^1. Jahrgang. Zweite Beilage zu 50 des „Israelit-. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Juni. Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" läßt soeben den Nachtrag zum Statistischen Jahrbuch für das Jahr 1899 erscheinen. Neben den zahlreichen, nothwendig gewordenen Abänderungen früherer Angaben enthält der Band auch dieses Mal wieder eine Reihe bemerkenswerther Verfügungen von Behörden ete. in Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden. Anerkennung verdienen die in dem Bande enthaltenen sehr sorgfältig aufgestellten statistischen llebersichten, dieselben betreffen die Betheiligung der Juden am höheren Schulwesen, insbesondere die Anzahl der in Preußen wirkenden jüdischen Oberlehrer u. Lehramtskandidaten, sowie die Schülerfrequenz an höheren Lehranstalten. Eine weitere Uebersicht enthält die Beihilfen der Behörden für jüdische Volksschulen. Sehr instruktiv ist auch die allgemeine Uebersichts-Tabelle über die statistischen Verhältnisse der Gemeinden, Schulen und Beamten im Jahre 1899. Als besondere Beilage ist beigegeben eine von Herrn Waisenhaus-Inspektor Peritz zu Königsberg ausgearbeitete Uebersicht der in Deutschland bestehenden Hilfs und Unterstützungskassen für jüdische Lehrer und Kultus beamte. Berlin, 18. Juni. Wie die antisemitischen Blätter, geht jetzt auch das Organ des Bundes der Landwirthe gegen die Regierung los, weil diese in der bekannten offiziösen Erklärung der „Nordd. Allg. Ztg." gesagt hat. daß keinerlei Anzeichen dafür sich ergeben haben, daß in Könitz ein Ritualmord vorliegt. Es beschuldigt die Regierung direkt, daß sie Beunruhigung verbreite und dazu beitrage, die Untersuchung aussichtslos zu machen, weil sie an einen Ritualmord von vornherein nicht glauben wolle. Das Blatt schreibt: „Jüngst hat die offiziöse Presse es für angebracht gehalten, Beruhigungsartikel in der Konitzer Mordsache zu veröffentlichen, und man kann an sich mit dem Bestreben, die Bevölkerung zu einer ruhigen Auffassung der gräßlichen That zu bringen, nur einverstanden sein. Wenn indessen die offiziösen Blätter es urbi et orbi verkünden, daß im vorliegenden Falle von einem Ritualmorde keine Rede sein könne, so haben sie unseres Erachtens ein Beruhigungsmittel angewendet, welches genau das Gegentheil von dem, was es bezweckte, erreichen mutzte. Die Regierung muß eingestehen, daß es bisher noch nicht gelungen ist, irgend welche Spuren des Thäters festzustellen, u. dieses Eingeständniß sollte sie logischer Weise außerordentlich vorsichtig in dem Urtheil über die Beweggründe der That machen. Es ist klar, daß diejenigen Kreise, welche von dem Vorkommen sog. Ritualmorde überzeugt sind — und daß diese Kreise einen sehr großen Theil des deutschen Volkes umfassen, darüber dürfte sich auch die Regierung nicht iin Unklaren sein — durch die Auffassung der Regierung, daß es sich hier um einen gewöhnlichen Mord handle, außerordentlich beunruhigt werden müssen, denn sie befürchten mit Recht, daß diese Auffassung, welche selbstverständlich auch von den die Untersuchung führenden Organen getheilt wird, in verhängnißvoller Weise dazu beitragen muß, die Untersuchung völlig aussichtslos zu machen. Die Ueberzeugung, daß der oder die Mörder niemals entdeckt und zur Verantwortung gezogen werden, findet immer größere Verbreitung, und zwar deßhalb, weil angenommen wird, daß die Untersuchung grundsätzlich die Betrachtung des Mordes unter dem Gesichtswinkel des Ritualmordes ablehnt. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie überhaupt die Stimmung des deutschen Volkes gegenüber dem Judenthum ist, und dazu berücksichtigt, daß das Auftreten der Regierung vielfach fast nothgedrungen so aufgefaßt wird, als ob ihre größte Sorge darin bestände, den Juden peinliche Aeußerungen der Volksstimme zu unterdrücken — wir erinnern nur an das Verbot der antisemitischen Versammlung in Berlin, in welcher der Konitzer Mord erörtert werden sollte — so braucht man"sich nicht zu wundern, daß die Beschwichtigungsmittel der Regierung direkt aufreizend wirken müssen." Das Blatt empfiehlt dann weiter Bekämpfung des Judenthums durch einen engen Zusammenschluß der christlichen Bevölkerung und durch systematischen Abbruch aller Beziehungen zum Judenthum und es schließt den Artikel: „Wir wollen nicht nochmals darauf zurückkommen, daß in den letzten Jahren eine ganze Reihe räthselhafter Morde, bei denen allen die Leichen blutleer vorgefunden worden sind, keine Sühne gefunden haben, um den Glauben des Volkes an Ritualmorde einzelner jüdischer Sekten zu erklären. Es genügt schon ver in den jüdischen religiösen Schriften gepredigte Haß gegen das Christenthum, um solche Thaten erklärlich zu finden, und es ist ein falsches Bestreben, dem Volke die Möglichkeit solcher Morde, ohne jeden positiven Anhalt, ausreden zu wollen. Die Regierung wird sich sehr bald davon überzeugen können, daß sie mit dieser Methode auf einem falschen Wege ist. Ob sie aber ihre Taktik andern wird, das erlauben wir uns nach den bisherigen Erfahrungen zu bezweifeln." (Der Fanatismus macht blind und dumm, sonst ließe sich diese neueste Attake auf die Regierung nicht erklären, deren Organe bekanntlich die verschiedenen antisemitischen Denunziationen durchaus nicht ignorirten, sondern ihnen recht energisch auf den Grund

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