Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 50 (21.6.1900)
- Date
- 1900-06-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1026 Feuilleton McrcH cinn* n? a £ v e « Wegebentert. 311 Von Friedrich iRolt. Werner folgte ihrer Aufforderung, warf den ' schweren Pelz ab und setzte sich ihr gegenüber. „Das ist schön von Ihnen, Herr Werner, daß Sie uns auch wieder einmal das Vergnügen machen. Sie sind schon seit zwei Jahren nicht hier gewesen und im Winter überhaupt noch nicht. In Ihrer Vermummung habe ich Sie im ersten Augenblick nicht erkannt." „Das habe« ich bemerkt," erwiederte er lachend, „aber es ist heute recht frostig. Also Elsa ist nicht zu Hause? — Das ist mir im Grunde nicht unangenehm, da kann ich die Angelegenheit, die mich herführt, zuerst mit Ihnen besprechen. — Ist Herr Steinhari zu Hause?" „Augenblicklich sind sie Alle ausgeflogen, aber mein Mann könnte schon in einer Viertelstunde hier fein, die Mädchen dürften bei eintretender Dunkelheit kommen und mein Sohn kommt nach sieben Uhr Abends." „Alles wie gewünscht," versetzte Werner, sich die Hände reibend, „und nun —" Er ward unterbrochen durch den Eintritt einer Magd, die Wein und Backwerk aus den Tisch stellte. „Sie müssen sich vorläufig damit begnügen," sagte Frau Steinhart, indem sie ein Glas mit Wein füllte und es ihm darreichte, „das Beefsteak kann nicht vor einer halben Stunde fertig sein." „Hat nichts zu sagen," erwiederte er, „der Wein ist vortrefflich und ich habe unterwegs zu Mittag gegessen. Und, wie gesagt, ich benütze gern die Zeit, bevor die Jugend heimkommt, um mit Ihnen die Sache zu besprechen. Also, ich habe Ihren Sohn längst als äußerst intelligenten jungen Mann gekannt, aber vor einigen. Monaten, als er Elsa abgeholt hat, hatte ich auch Gelegenheit, ihn als vortrefflichen durch und durch gebildeten Landwirth kennen zu lernen. Als daher vor einigen Wochen durch den Tod eines Pächters ein Pachthof in unserer Nähe frei ward, habe ich sofort an Ihren Sohn gedacht und habe auch bereits mkt Herrn von Wappenstein, dessen Güter ich verwalte, gesprochen —" „Ach, wie sind Sie so gütig, so überaus gütig, aber —" „Bitte, ich bin noch nicht fertig, und daß ich mich in dieser Angelegenheit gütig gezeigt hätte —" er zuckte die Achseln, „mein Beweggrund ist Egoismus, das kann ich nicht leugnen." „Egoismus?" lviederholte sie fragend. „Allerdings, reiner krasser Egoismus. Sie wissen doch, wie sehr wir, meine Frau und ich, an dem Kinde — ich meine an Elsa hängen. Die sechs Wochen, die sie im Sommer bei uns zubringt, darauf freut sich nieine Frau das ganze Jahr, und es vergeht kein Tag, an dem sie nicht von ihr spricht. — Auch der Plan, den ich Ihnen jetzt vorlegen will, ist eigentlich die Idee meiner Frau. Als nämlich vor einigen Wochen der betreffende Pachthos frei ward, sagte meine Frau: „weißt Du, was schön wäre? — wenn Elsa dort auf dem Hof ivohnen würde und wir alle Tage zu ihr könnten." „Das ließe sich arrangieren," erwiederte ich; „der junge Steinhart versteh: die Landwirthschaft aus dem ff, wenn ich mit dem Herrn spreche, gibt er ihm den Hof in Pacht, und dann heirathet er Elsa und wir haben sie das ganze Jahr in unserer Nähe. — Sie sehen, es kann hierbei weder von Güte meinerseits noch von Dank Ihrerseits die Rede sein. Nun, wie gefällt Ihnen denn mein Plan?" Frau Steinhart athmete hastig, ward bald roth, bald blaß. „Das wäre in Wirtlichkeit schon — in Wirklichkeit, das wäre schön — aber ich fürchte — ich fürchte —" „Was fürchten Sie, Frau Steinhart?" „Daß es mit der Heirath nichts werden wird." Werner blickte sie betroffen an. „Mit der Heirath sollte es nichts werden? — Ja, warum denn nicht? — Die jungen Leute scheinen doch längst einig —" „Da sind Sie im Jrrtbum," versetzte Frau Steinhart rasch, „erst vorgestern habe ich meinen Sohn zur Rede gestellt, weil er so schroff gegen Elsa ist, worauf er mir erlviederte, sie begünstige die Bewerbung des jungen Grünwald, eines reichen Börsianers." „Na, das ist aber!" — fuhr Werner aus, „solchen Unsinn hätte ich dem Viktor doch nicht zugetraul. —■ Entschuldigen Sie ineine Ausdrucksweise, Frau Steinhart, aber — ich weiß mich in der That nicht milder auszudrücken — Elsa denkt doch an keinen anderen jungen Mann, als an ihren Viktor, davon bin ich fest überzeugt — und er beklagen dürfte er sich freilich nicht, ivenn sie endlich seiner Schroffheiten müde lviirde. - Meiner Frau ist es ja auch aufgefallen, daß er zuweilen äußerst unfreundlich gegen das holde Kind ist, uub sie hat sich sogar gegen Elsa darüber ausgesprochen. Aber da hätten Sie hören sollen, lvie die den schroffen jungen Mann vertheidigt hat. Nein, Frau Steinhart, nach dieser Richtung können Sie vollständig unbesorgt sein —" „Glauben Sie? — Da wäre mir wirklich eine große Sorge von: Herzen." „Also Sie stimmen meinem Vorschläge zu?" „Zustimmen? — ich wäre überglücklich, Ivenn er sich vertvirklichen wiirde. — Doch da ist mein Mann, er hat durch'S Fenster herein gesehen und wird gleich hier sein. Der wird staunen."