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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1025 O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. 2t*icn, 17. Juni. Der Vorstand der hiesigen Cultusgeiueiude strebt eine Reform des Statutes an. In der letzten Plenarsitzung bildeten der Bericht des diesbezüglichen Revisionskomitees auch Gegenstand der Tagesordnung. Die vorgeschlagene Reform des Statutes bringt zunächst die vielfach geforderte Einführung der Fünf-Guldeu-Mäuner mit der Einschränkung, daß ein Gemeindemitglied, welches erklärt, die Steuer von fünf Gulden nicht leisten zu können, mit keiner Exeeution vedroht werde. Die nöthige Seßhaftigkeit wird von drei auf zwei Jahre herabgesetzt; nach einer zweimaligen Steuerleistung erwirbt inan bereits das Wahlrecht. Das Vorstandskollegium soll um ztvölf neue Mitglieder verstärkt werden. Begriindet wird diese Vermebrung damit, daß es nothwendig fei, alle jüdischen kreise zur Verwaltung der Gemeinde und vor Allem jiiugere Kräfte beranzuziehen für den Dienst der jüdischen Sache. Das Budget hat nahezu die Ziffer einer Million erreicht, eine weitere Steigerung der Steuern, die bereits eine sehr respeetable Höhe erreicht haben, ist für lange hinaus undenkbar, allein die Gemeinde-Bedürfnisse steigern sich noch immer von Jahr zu Jahr, das Siechenhaus, die Erweiterung des Spitals werden neue Summen erfordern. Dazu kommt der Zuwachs der Bevölkerung, das Zuströmen armer Leute, die kein jüdisches Herz hilflos dem Verhungern preisgeben lassen nürd. Im Interesse dieser Arnren, im Interesse einer geordneten Gemeindeverwaltung, so heißt es in dem Berichte, müssen wir Alles aufbieten, um den wachhabenden und opferwilligen Thcil unserer Ge meindc an der Verwaltung theilnehmen zu lassen. Deßivegen soll die Wahl der zwölf neuen Vorstandsmitglieder jenem Theil der Steuerträger überlassen wcrden, welche eine Steuer von über hundert Gulden zu den Geurcindebedürrnisseu beitragen. Der dritte Punkt der Reform betrifft die innere Administration und bezwecke eine Vereinfachung des Berwaltungsapparates, die Beseitigung der Sectio neu und dafür eine Airsgestaltung des Secretariates, die Heranziehung des Beanrtenkörpcrs zur Erstattung der Rcierate. Das Schwergewicht der Verwaltung soll irr das Bertretertollegium verlegt rverden, dessen Mitgliederzahl auf elf erhöht rvird. Rur die allerwichtig sterr Gegenstände gelangen zur Beschlußfassung in das Plenum: über alle Angelegenheiten von minderer Wich iigkeit rvird das Bertreterkollegirrm im eigener: Wir, lungskreise entscheiden. Die Mitglieder der Sterrer- Einschätzungs-Eominissionen, rvelche bisher von dem Vorstände ernannt worden sind, sollen von nun an zur Hälfte (100) durch die Steuerträger selber, und zwar bezirksweise gewählt tverden. Diese Eommissoueu rverden Bczirksverroaltungen bilden und in der Lage sein, den Vorstand über alle Bedürfnisse in den einzelnen Bezirken zu unterrichten. Mit diesem Reformvorschlag komme mau, wie der Präsident, kaiserlicher Rath Klinger, bemerkt, vielfach geäußerten Wünschen der Steuerträger entgegen. Er appellirt zum Schlüsse an die Kollegen, bei der Prüfung der Resormvorschkäge lediglich auf das Interesse der jüdischen Gemeinde zu achten und nicht durch die leeren Schlagworte des Tages sich beirren zu lassen. Um der Roth Abhilfe zu bringen, muß der Vorstand die Vertreter aller Kreise des Wiener Judenthums in sich vereinigen. Wer tveiß, welche schwere Tage uns bevorstehen; die Roth soll uns einig, soll uns zusammen finden. Rußland. Nikosajcw. (Bon der R a b b i n e r - K o n - f e r e n z.) Auf der Rabbiner-Konferenz, tvelche kürzlich Hierselbst getagt hat, haben nebst den Kronrabbinern auch 13 talmudisch gebildete Gemeinderabbiner Thcil genommen. Der Grund zu dieser lebhaften Betheiliguug rvar die Besorgnis; der Gemeinderabbiner/ ihre alten Gegner, die von der Regierung als allein Zll Gesetz bestehenden „Rabbiner" anerkannten Kronsrabbiner möchten auf der Konferenz für das Juden thum gefährliche Beschlüsse fassen und bei der Re gieruna befürworten. Durch ihre lebhafte Betheiligung gelang es den Gemeinderabbinern, auf der Konferenz folgende Beschlüsse durchzusetzen: 1) die für den Mai nächsten Jahres geplante Landeskonferenz aller ruffischen Rabbiner findet in Wilna statt: 2) die gesetzliche Anerkennung der Gcmeinderabbiner nebst gesetzlicher Festsetzung ihrer Rechte und Pflichten bildet den ersten Punkt der Tagesordnung dieser Konferenz; 3) das über die Veranstaltung dieser allgemeinen Konfereu; der Regieru.ng zu überreichende Memoramdiim muß vor seiner Absendung den Gemeinderabbinern von Brest. Lodz. Riga. Wilna und Koivno zur Begutach tung vorgelegt lverdcn. Bcssarabicn. OJtit lllüeksicht auf den Mangel an Feldarbeiten: im Weichselgebiete macht ein Getreide Händler in der hebräischen Zeitung „Hazefira" den Gutsbesitzern des Gebietes den Vorschlag, aus dem Gouvernement Beffarabien Juden zu engagieren, die daselbst in einer Anzahl von mehr als oo.oon Personen sich infolge der vorjährigen Mißernte in schrecklicher Rotblagc befinden sollen. Wie der Proponent mit tbeilt, sei dieses Projekt von allen Landlvirthen. mit denen er darüber gesprochen habe, sehr beifällig aufge, uoiuiuen lvordcu. Oerniischtes Storkhoinl. Der türkische Geueralkons l^Limon S a ch s hat den Medsidle Drden zweiter >?lasse vom Lwltai: erhalten. Adrianopcl. Die Vorsteherin der Allianceschnlc in unterer Stadt. Fräulein Sara Ungar hat a if Vorschlaa des hiesigen Generolgouverneurs Arik Pascha den kaiseKichen Schefka^Drden erhalten. Diese Ebrencrivelsung büvftJn der Türkei einzig sein und ist ein glänzendes Zenguiß für die Leistungen der also ausgezeichneten Dame. Bombay. Mr. De rv Salomon, Ehrensecretär der Anglo Jetoish Llhocia'ion ist zum Friedensrichter hie:selbst ernannt worden.

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