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Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1024 links neigen kann. Um so befremdlicher mußte cs erscheinen, als plötzlich hier und da und dort in einzelnen Kiiltusgemeinden und bei einigen Kultusvorständen die Version auftauchte, die Lehrer hätten kein aktives Wahlrecht und ivürden bei der seinerzeitigen Auf stellung der Wählerüsten nicht ausgeführt tverden. Es tvnrde sofort von einem Lehrer des Amtsbezirks Mell richftadt eine daraufhin bezügliche Anfrage an das Kgl. Bezirksamt Mellrichstadt als Berivaltungsbe Hörde gerichtet und von da an das Kgl. Bezirksamt Kissingen, das den Wahlatt vorzubcreiten und zu leiten bat. iveiterbefördert. Thatsächlich erging von hier aus eine Berbescheidung zurück, die das aktive Wahlrecht auch unter anderem von der Zahlung von Kultus steuern abhängig machen wollte, die Lehrer also ge, wissermaßen ausgeschlossen hätte. Hiegegen tvnrde so kort Protest erhoben mit der Begründung, daß auch die Lehrer der anderen .Konfessionen bei den Kirchen vorstandslvahlen aktiv berechtigt seien, zudem eine Entscheidung des obersten Berwaltungsgerichtshoses den israel. Lehrern unter gelviffen Voraussetzungen volles Stimm-, und Wahlrecht, sowohl innerhalb der Kultus gemeinde, als auch bei auswärtigen Wahlen :c. wie z. B. in vorliegendem Falle zuspreche. Es lvurde da. her um nochmalige Prüfung und Berbescheidung ge beten. Daraufhin folgte nun die Entscheidung ganz im Sinne des oben angeführten Berwaltungsgerichis bofsbeschluffes, versehen nrit der Bemerkung, daß bei der späteren Anordnung der Fertigung von Wähler lilten aus diesen Punkt besonderes Augenmerk ge richtet lverden solle. Diese Verfügung lvurde per oivmUnim den Bürgermeistern, Kultusvorständcn und isr. Lehrern des Anltsbezirkes gegen Eröffnungsnach, loeis bekanilt gegebeil. Daß die Entscheidung von eulinenter Wichtigkeit und Bedeutung ist, — nicht nur allein für die bevorstehende Rabbinerwahl, — leuchtet wohl je de in ein. Zunächst bedeutet sie eine nicht zu unterschätzende Hebung im Standesansehen des iii di scheu Lehrers, das bei gar vielen Vorständen und Gemeinden nicht die rechte Würdigung findet. Dann kann ihre Handhabung aber auch für das Leben und Treiben innerhalb des Gemcindewesens gar oft recht segensreich lverden. Denn wenn ja ivohl auch der Lehrer gewöhnlich und in der Regel auf sein Stimm recht bei gleickigiltigen, äußerlichen Angelegenheiten der, lichten lvird und namentlich zu verhüten sucht, daß nicht ctlva gar durch sein Eingreifen Parteiungen ent, stehen, sind doch Fälle von prinzipieller Bedeutung denkbar, >vo oft eine Stimme, oder auch eine autorative Meinung ausschlaggebend lverden kann für innere religiöse Einrichtungen, und da die israel. Lehrerschaft Banerns doch zum lveitaus größten Thcite auf ortho dorem Standpiinkte steht, ist gerade für die Aufrechter, Haltung des alten, echten Fudenthums das ausgesprochene Recht der israel. Lehrer, in demselben Maße und Umfang und nach denselben statutenmäßigen Bestimmungen lvahk- und stimmberechtigt zu sein, wie zahlende Gemeindemitglieder auch, eine mit Freude zu begrüß mde Thatsache. A. Nürnberg, im Juni. In Anwesenheit von Abordnungen der beiden städtischen Kollegien, des Prinzen Ma.r von Sachsen und sonstiger Ehrengäste fand vor einigen Tagen in der Wärmstube Reuwezendorf die vom 'Nürnberger Wärmstuben u. Wohlthätigkeits, verein veranstaltete Feier zur Ehrung des Andenkens des verstorbenen Vereinsvorstandes, unseres Glaubensgenossen Eugen H e r z, statt. Der derzeitige Vercinsvorstand, Kaufmann S t e g m a n n , begrüßte die Anlvesenden. lvorauf durch einen Gesang der Schuljugend die Feierlichkeit eingeleitet lvurde. Der Direktor des Zellcngefängnisses , Regierungsrath B a u m - g ärtel, hielt die Gedächtnißrede. In beredten Worten wies er darauf hin, daß in unseren Tagen, in ivelehen lvoyl nicht ohne Berechtigung über Mangel an Fdealismus geklagt iverde, Eugen Herz ein leuchtendes Beispiel sei. Die Dichterworte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut," seien ihm in Fleisch und Blut ge, druugen, von dem Gefiihle der Menschenliebe beseelt, habe er selbst gedarbt, um den 'Armen zu helfen. Nicht nach äußeren Ehrungen, nicht nach Ordenskreuzen habe er gegeizt, die oft mit ungelenker Hand geschriebenen Danksagungen Derer, denen er Wohlthatcn zulvandte, seien ihm die liebste Anerkennung gelvesen. Der Redner gedachte dann der unermüdlichen Anstrengungen des Verstorbenen zur Aufbringung der Mittel, zur Schaffung uild Erbaltling der Wärmstuben, indem er Hervorbob, daß in der Geschichte der Wohlthätigteits, anstalten Nürnbergs der 'Name Eugen Herz unvergeß, lich bleiben lverde, erlvähnte er, daß zum sichtbaren Andenken an den Verstorbenen beschlossen lvorden sei, das in Erz gegossene Bildniß in den Hauptschöpsungcn des Dahingeschiedenen anzubringen. Beim Schlüsse der Rede siel die llmhüllung des Bildnisses, und cs zeigte sich das von Bildhauer Herzog modellirte, von Erzgießei Len; ausgetührte Medaillon, ivelches mit Porträt Aelmlichkeit die Züge des Dahingeschiedenen ivicdergibt. 'N'och ist zll crivähnen, daß von Prinzessin Ludivig, der Protektorin des Vereins, nachstehendes Tclegrainm cingelanfcn ist: „An der Feier nehme ich im Geiste innigen Antheil." Peainl;. Id. Funi. Drei Radfahrer verloren am Freitag, den S. Funi, 'A'achmittags, außerhalb Pegnitz, in der Richtung gegen Fischstein—'Nenhaus a. P., ein Päckchen, enthaltend drei Paar Tefillin in je einem sammtneu Säckchen, ein Tallis und ein Gebetbüchlein iTekillelel, letzteres mit dem 'Namen ,,'Arniin 'Adler," '.lvei leinene Tafwentücher, gezeichnet H. W. Die Gegenstände befinden sich in Händen einer Bauersfrau in R'emschenbreuth (bei Pegnitzß die solche nur an den Eigentbümer abzugeben gewillt ist. Um Mißbrauch zu verhüten, gestatle ich mir, dies öffentlich bekannt zu geben. Vielleicht lväre der Eigenthiimer zu eruiren und die betr. Gegenstände kämen dann in die richtige Hand. Da auch eine Budapester Zeitung im Päckchen lag, dürkten die Verlierer vielleicht Oesterreicher oder Ungarn sein, die nach 'Nürnberg reisten. Weitere sachdienliche Mittheilung, sowie event. die Ausmittelung, besorge ich gerne kostenlos. M. Lamm, Kaufmann.

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