Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-06-21 · Heft 50 (21.6.1900) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 50 (21.6.1900)
Date
1900-06-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449096--50953-2501400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ZWWMWW 1022 dieser Hinsicht genügen, wenn vorerst nur darauf hingewiesen wird, daß Herr Dr. Levin eine in der Thora begründete Verpflichtung, zweimal täglich das vcv zu lesen, nicht tennt, beziehungsweise nicht anerkennt. Dieser Umstand ist um so verblüffender, als der erste Sah unserer n;tra bekanntlich yor nx pxnp t,z\sz r.*nyz lautet und Maimonides, das zweite Buch seines np,n i' mit dem Satze mx nu’y rrrj? yz& rxnp rzPn c'.'z c-oye L"p mp1? x'.w „Die Vorschriften über das Lesen des Schema umfassen ein biblisches Gebot: nämlich die Vorschrift, zweimal jedes Tages das Schma zu lesen," beginnt. Ilm Herrn Dr. Levin im vorhinein den Einwand zu benehmen, daß nach seiner philologischen Auffassung des biblischen Textes dieses Gebot in den Worten irctrz “jöipzi -jzzsrzi *p-z -j-Dbz: -jn*zz nicht hinreichend begründet erscheint, sei hier sogleich gesagt, daß ich wenigstens mein grammatisches Gewissen bei der Auslegung und der Tradition unserer Weisen vollkommen beruhigt weiß. Der Sinn ist: „Du sollst von diesen Worten — wenn Du in Deinem Hause sitzest oder auf dem Wege gehest— d. h. wie immer auch Deine äußeren Umstände geartet sein mögen — sowohl wenn Du Dich n i e d e r l e g st , als auch wenn Du a u f st e h e st reden." Diese Auffassung einzig und allein wird auch der Aceentucition des Verses gerecht. Dies jedoch nur so ganz beiläufig. Wenn gerade der oben aus dem Vortrag des Herrn Dr. Levin citierie Satz bezüglich der Mischna Berachoth 28 b es ist, der hier einer besonderen und näheren Erörterung unterworfen werden soll, so geschieht es nicht blos darum, weil es sich um die Richtigstellung einer verkehrten Auffassung handelt. In jenen Aeußerungen des Herrn Dr. Levin verräth sich unwillkürlich die Tendenz, von welcher der ganze Vortrag, der ein für unser religiöses Leben so überaus wichtigen Gegenstand behandelt, getragen ist. Nach seiner Meinung war es die Zeit des Rab. Gamnliel zu Jamnia, in der man anfing (!!) unfern Gebetsgottesdienst zu schaffen und selbst da war alles noch heiß umstritten, sowohl ob überhaupt täglich und was gebetet werden soll. Wohin solche Aeußerungen ihre Spitze kehren, kann keinen Augenblick mehr zweifelhaft sein. Unser Gebetsgottesdienst wäre demnach ein sehr verkümmerter Spätling, der einen wilden Nachwuchs des Judenthums nur bedeutet und von Anfang an auch als solcher nur anerkannt wurde. Dieses selbst hätte demnach Jahrtausende hindurch und gerade zur Zeit seiner schönsten Entfaltung ohne Gebetsgottesdienst bestanden. Das alles könnte für uns keine andere Folge haben,als das Gebetbuch demnächst einmal recht gründlich zu beschneiden, um es auf diese Weise allgemach gänzlich abzuschasfen. Die hierbei maßgebende Auffassung zeug! jedoch zunächst von einem durchaus unzulänglichen Verständnisse der Quellen. Dieses wiederum hat neben anderem seine Ursache in der mangelhaften Kenniniß aller jener Erscheinungen, die mit der Entstehung unseres Gebetsgottesdienstes in nothwendigem Zusammenhänge stehen. Denn man wird ohne Weiteres zugeben, daß eine so bedeutsame, wie die hier in Rede stehude Erscheinung des religiösen Lebens nur im organischen Zusammenhänge recht begriffen werden kann. Dies darzuthun, wird die Aufgabe der nachfolgenden Darlegungen sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 18. Juni. Unter dem Datum vom 12. Juni traf heute beim „Deutsch-Israel. Gemeindebund" eine Mittheilung des König!. Polizeipräsidiums ein, wonach des Königs Majestät mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 16. v. Mts. die Genehmigung zur Annahme der Rentier Ludwig Meyer'schen Terrainschenkung in Weißensee ertheilt hat. Die Arbeiten zur Begründung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie in Deutschland können nunmehr rüstigen Fortgang nehmen. Berlin, 18. Juni. Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate" hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Vorstand erstattete Bericht iiber die Thätigkeit der Gesellschaft fand nicht ungetheilteu Beifall bei den diesmal ausnahmsweise zahlreich erschienenen Mitgliedern der Gesellschaft. Einige scharfblickende Mitglieder lasen aus dem Bericht heraus, daß dieser unmöglich im Sinne und unter Zustimmung des Gesammtvorstandes abgefaßt sein konnte. Herr Direktor Herrmann stellte daher den Antrag, die Generalversammlung auf zwei Monate zu verschieben, damit dem Vorstande die Möglichkeit geboten werde, die in seiner Mitte zweifellos vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen und der von neuem einzuberufenden Generalversammlung einen neuen, vom Gesammtvorstande genehmigten Bericht vorzulegen. Als indeß Herr I. Weinberg darauf aufmerksam machte, daß nach seiner Ansicht die Verschiebung der Generalversammlung wohl schwerlich das erwünschte Ziel herbeiführen werde, da die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vorstandes von weitgehender Natur seien, zog Direktor Herrmann seinen Antrag zurück und die Generalversammlung konnte nunmehr in die Tagesordnung eintreten. Da inzwischen die Zeit sehr vorgerückt war, fanden der Kassenbericht, Dechargeertheilung und die Wahlen (die Herren Leopold Lesser, I. Bodenstein und E. Pineins wurden wiedergewählt) schnelle Erledigung, während der letzte Punkt der Tagesordnung Anträge, der schon i bei Beginn der Sitzung Anlaß zu erregten Debatten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.