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Der Israelit · 1900-06-18 · Heft 49 (18.6.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 49 (18.6.1900)
Date
1900-06-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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strengere Handhabung des Hausirverbotes und der auf Den Aufenthalt der Nicht-Rumänen in den Ruralgemeinden des Landes bezüglichen Ausnahmebestimmungen von zahlreichen kleinen Gewerbesleuten isr. Konfession als eine schwere Schädigung ihrer Erwerbsinteressen gefühlt. Als nun im Vorjahre im Zusammenhänge mit der allgemeinen Krisis und der Mißernte eine vollständige Stockung im Handel und in der Bauthätigkeit eintrat, waren viele tausende israelitischer Familien, welche bisher als Kleinkaufleute, Makler und Bauhandwerker von der Hand in den Mund gelebt hatten, dem Hunger preisgegeben. Namentlich in der oberen Moldau, wo der Prozentsatz der israelitischen Bevölkerung ein weit größerer als in den übrigen Landestheilen ist, ja in manchen Gemeinden sogar die der Rumänen übertrisft, hat diesen Winter über ein namenloses Elend geherrscht und es hatte daher die von den Zionisten angeregte Auswanderungsidee zahlreiche Anhänger gefunden. Weit wirkungsvoller als durch den einem halb nebulösen Ziele entgegenstrebenden Zionismus wurde aber die Auswanderungsbewegung durch eine Anzahl jüngerer Männer gefördert, welche nicht nur an der Möglichkeit einer Erlangung des rumänischen Bürgerrechtes, sondern auch an der Möglichkeit eines ferneren Lebenserwerbs in Rumänien verzweifelnd Auswanderungsgesellschaften mit ganz bestimmten Zielen organisirten. Wirklich haben auch nur wenige der bisher aus Rumänien ausgewanderten Israeliten den Versuch gemacht, sich, wenn auch nicht in Palästina selbst, so doch in Vorderasien eine neue Heimath zu gründen. Die weitaus größere Anzahl, darunter die Mitglieder sämmtlicher bester organisirten Auswanderungsgeseüschasten, wenden sich nach der neuen Welt, nach Nord- und Südamerika. Einzelne dieser Gesellschaften haben den Beschluß gefaßt, den Weg bis Hamburg zu Fuß > zurückzulegen und das Erscheinen dieser vielfach in rumänische Bauerntracht gekleideten Fußwanderer hat auf österreichisch-ungarischem und deutschem Territorium selbstverständlich großes Aufsehen erregt. Die hiesigen Behörden standen dieser Auswanderung anfangs völlig passiv gegenüber. Erst als man die Wahrnehmung machen mußte, daß es gerade der arbeitskräftige, jüngere, männliche Nachwuchs war, ivelcher dem Lande seiner Geburt den Rücken kehrte, suchte man dem weiteren Umsichgreifen der Auswanderungs-Bewegung vorzubeugen. Es ist aber nicht bekannt, ob die zu diesem Zwecke angewendeten Polizeimaßregeln einen Erfolg gehabt haben. Ja selbst die Versuche einflußreicher und verständiger Israeliten, die Auswanderungslustigen vor einer übereilten Emigration zu warnen, haben keinen Erfolg gehabt, sondern ihren Urhebern nur Verdächtigungen eingetragen. Die Noth, die bittere Noth spottet eben jeder wenn auch noch so gut gemeinten Belehrung, und da sich gegenüber dem wachsenden Einfluß der streng erklusivistischen rumänischen Handwerkergenossenschaften die Aussicht der isr. Handwerker aus Wiedererlangung von Arbeit immer mehr verschlechtert, so wird auch die Auswanderungsbewegung nicht so bald zum Stillstand gebracht werden können. Feuilleton. WcrcH ei nev wahren Megebenhert. saI Von Friedrich Rott Frau Steinhart und die beiden kleinen Mädchen waren in das Zimmer gegangen. Di? Mutter ordnete den Tisch zum Abendbrod und Marianne war ihr dabei behilflich. „Jetzt werde ich wieder neben dem Vater sitzen und Du, Elsa, wirst neben der Mutter sitzen," sagte Marianne. ..Ach nein," entgegnete Elsa, „heute Abend möchte ich lieber neben Onkel Werner sitzen, er fährt schon morgen wieder fort und wenn er dann zu Hause der Tante erzählen wird, daß ich schon heute Abend neben Tante Steinhart gesessen bin, dann glaubt Tante Werner, daß ich, wenn ich hier bin, gar nicht mehr an sie denke — und das würde mir so leid thun, wenn sie das glauben würde —" Marianne wiegle das Köpfchen, sie konnte das nicht begreifen, ihre Munter aber nickte Elsa lächelnd zu, „Du bist ein liebes gutes Kind und Haft ganz recht, so lange Herr Werner hier ist, sollst Du neben ihm sitzen. — Doch nun wollen wir zu Tische gehen. Herr Werner, darf ich bitten, sich hierher zu setzen — und Ihr andern, waschet Euch." „Elsa, koinm her!" rief Viktor, „ich will Dir übergießen. Jetzt mußt Du Dir auch wieder vor dem Essen die Hände ivaschen." Die Kleine war rasch an seiner Seite und hielt die Hände über ein Waschbecken, während er Wasser darüber goß. „Nun mußt Du aber auch die Berochoh sagen soll ich Hessen?" „Nein, nein!" rief sie abwehrend, „das kann ich schon allein." Uno ohne Fehler sprach sie den beim Händelvaschen üblichen Segensspruch. Viktor blickte glücklich lächelnd zu ihr nieder. „Das ist viel, daß Du das noch so gut behalten hast, das hätte ich nicht gedacht." „Aber wie hätte sie denn das vergessen können," sagte Werner, „glauben Sie denn, junger Herr, Ihre Schülerin hätte während ihres Aufenthaltes bei uns je ein Stück Brod gegessen, ohne sich die Hände zu

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