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Der Israelit · 1900-06-18 · Heft 49 (18.6.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 49 (18.6.1900)
Date
1900-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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997 ^wg?TjByyyw.*y '.^TiTr' waschen, ober irgend ei Wad gegessen ober getrunken, ohne den vorgeschriebcnen Segen zu sprechend — Ob sie den richtigen gesagt hat, das entzieht sich allerdings meiner Beurtheilung, aber ich möchte es glauben. - Prüfen Sie Elsa nnd ich glanbe, Sie werden sich überzeugen, daß sie nichts vergessen hat, was sie von Ihnen gelernt. - Viktor hat gesagt, dies muß man thnn nnd Viktor hat gesagt, das darf man nicht — hundertmal im Lause des Tages hätten Sic hören können: Viktor Not gesagt." „Wim ja," ries Elsa, „das ist dort) auch wahr, 'Viktor hat mir auch das Alles gesagt, sonst hätte ich es doch nicht wissen können." „Run, last hören, Elsa," sprach Steinhart, „ob Du alle Segenspriiche richtig angewandt hast. Was hast Du gesagt, kvenn Du Aepfel, Birnen, Erdbeeren, Eier oder Milch gegessen oder getrunken hast?" Die Mfeine beantwortete Alles rasch und richtig. Steinhart nickte ihr lächelnd zu. „Du bist ein braves Kind, und Du, Viktor, kannst stolz auf Deine Schülerin sein." Der Knabe tvar glühend roth geworden, sein ganzes Antlitz leuchtete, aber in seinem Auge glänzte eine Thräne. „Ich glaube," sagte Werner, „meine Iran iveist auch einige von diesen Segenspriichen auswendig, nicht Elsa?" ,/Vein," erlviederte diese, „von diesen kann die Tante leinen auskvendig, aber die anderen, die man sagt, kvenn es donnert oder blitzt - koeistt Du," kvandte sie sich an Viktor, „Du hast mir doch auch gesagt, wie Alles auf Deutsch heistt „Was?" ries er, „das koeistt Du auch noch?" Sie nickte ernst. „Gekvist." „Was Viktor gesagt hat, das ivird Elsa doch nicht vergessen haben," fügte Werner lächelnd hinzu. „Wein, gekvist nicht, ich habe es nicht vergessen, und einmal im Sommer, da war ein so schreckliches Gekvitter, da hat das Mädchen, daS bei Tante Werner die Teller spült, sich so stark gefürchtet vor dem argen Donner - und ich habe mich gar nicht gefürchtet, weil ich das gesagt habe, was man sagen must, wenn es donnert und blitzt. Und da hat Tante Werner gesagt, sie möchte gerne wissen, kvas ich da gesagt habe, aber aut Deutsch. Und da habe ich es gesagt, erst auf Hebräisch und dann auf Deutsch, und das hat der Tante so gut gefallen, dass ich es ihr ganz viele Mal habe sagen müssen, und dann hat sie es auch gesagt, immer, kvenn es gedonnert und geblitzt hat." „DaS verhält sich in der That so," bestätigte Werner. „Aber nun habe ich eine Bitte an Sie. Sie kvissen, wie sehr meine Frau an ihrem Herzblättchen, kvie sie Elsa nennt, hängt und haben sich nun überzeugt, daß sie in ihren religiösen Observanzen in keiner Weise gehindert wird, oder auch nur daran vergißt. Darum, wenn sie nun fortan immer bei Ihnen bleiben wird, so lassen Sie sie alljährlich im Sommer auf einige Wochen zu uns kommen. Sie sehen, die Fastenlost hat ihr nicht geschadet." „Wein," emgegnete Steinhart, „der Aufenthalt bei Ihnen hat ihr in keiner Weise geschadet, ich kann daher nichts dagegen haben, daß sie in jedem Sommer einige Wochen bei Ihnen verbringt, namentlich, da mir das Vcrsiigungsrecht über sie fehlt." „Das werden Sie haben," versetzte Werner, „Graf EdgerSdorf in seiner vorsorglichen Weise hat schon davon gesprochen, daß er die Behörde veranlassen werde, Sie zu Elsa's Vormund zu ernennen. Aber mir scheint," fügte er lächelnd hinzu, „der gestrenge Herr Kehrer ist nicht ganz einverstanden, daß seine Schülerin im Sommer einige Wochen seiner Obhut entzogen sein sollte, darknn erlaube ich mir, Sie gleichfalls einzuladen, junger Herr. Begleiten Sie Elsa und erfreuen Sie uns durch Ihren Besuch. Wollen Sie?" „Wenn meine Eltern es erlauben, würde ich Ihre Einladung sehr gerne annehmen," erwiederte Viktor. „Darf ich?" kvandte er sich fragend an die Eltern. „Wir erlauben es gern," erwiederte der Vater, „vorausgesetzt, daß die ungewohnte Kost Dir ebensogut bekommt, wie Elsa." „O, Sie brauchen sich nicht gerade auf Elsa's Fastenkost zu beschränken, in dem nahen H.sind viele israelitische Restaurationen, in denen Sie speisen Sinnen, so oft Sie kvollen. Also abgemacht, Sie besuchen uns im Sommer mit Elsa." „Das ist schön!" jubelte Elsa, „das ist schön!" — Am folgenden Tage reiste Werner ab. Die Feiertage vergingen in heiterster Weise und gleich nach denselben trat Elsa, deren Sicherheit nun von keiner Seite mehr bedroht war, in dieselbe Schule, die Marianne besuchte. Den Unterricht im Hebräischen aber setzte Viktor eifrig fort. Als der Sommer kam, wiederholte Werner seine Einladung nnd eines schönen Tages befanden sich Viktor und Elsa unterwegs nach H. . . ., in dessen Nähe das Gut lag, das Werner verwaltete. Beide waren überglücklich. Elsa freute sich auf das Wiedersehen der guten Leute und Viktor war stolz auf das Vertrauen, das ihm geschenkt wurde, indem man Elsa in seiner Begleitung reisen ließ. Eine Reihe von Jahren waren in glücklichem Stillleben dahingeflossen, nur unterbrochen von den jährlichen Reisen nach H. Die Kinder waren herangewachsen, Viktor war ein frischer, kräftiger junger Mann von 24 Jahren, Marianne und Elsa kvaren blühend schöne Mädchen, beide im 11. Jahre. Doch war Elsa beinahe um Kopfeslänge größer als Marianne. Jedesmal, wenn sie im Sommer zu Werner kam, staunte dieser und seine Frau, wie herrlich sie sich entfaltete. In den späteren Jahren hatte Viktor sie zwar auch nach H. . . . begleitet, war jedoch immer sehr bald

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