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Der Israelit · 1900-06-18 · Heft 49 (18.6.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 49 (18.6.1900)
Date
1900-06-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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religiöse Hindernisse sich ohne weiteres hinwegzusetzen. So konnte es kommen, daß bei der Wahl eines Rabbiners im vorigen Jahre im Vordergrund stand, inwieweit der Candidat geneigt sei, den geselligen Verkehr mit der christlichen Welt zu pflegen. Einem sehr tüchtigen Bewerber, dem in seiner rabbinischen Befähigung unbestritten der Vorrang gebührte, wurde geradezu die Frage vorgelegt, ob er bei einem solchen Verkehr vom Weingenuß sich zurückhalten werde. Als dieser Candidat entschieden die Frage bejahte, wurde seinem Rivalen, der sich willfähriger zeigte, der Vorzug gegeben und dieser gewählt. Wenn unsere Weisen aus das große Heilmittel der “-irn hinzuweisen unermüdlich sind, so mögen auch unsere Glaubensbrüder in ihrer traurigen Lage ihres Gottes und Seiner Lehre gedenken. Dann werden sie nicht in der Gunst der vermeintlichen christlichen Freunde, von denen sicher heute keiner ihnen zu Hülfe eilt, oder zu ihrem Schuhe erscheint, die höchste Ehre finden. Die Verbesserung dieses Jrrthums wird sie dann iinmer mehr dazu führen, den Anforderungen des religiösen Lebens, wie es unsere heilige Lehre zur unveräußerlichen Bedingung macht, gern und willig zu solgeu. Kattowiü O.-T., 12. Juni. Am Mittwoch, den 0. Juni, fand zu Mvslowitz in Mühle's Hotel eine Sitzung des oberschlesischen Rabbinerverbandes statt. Rach verschiedenen den Verband betreffenden Mittheilungen (Dr. Cohn- Kattowih) wurde als Ort der nächsten Versammlung Tarnowitz bestimmt. Hierauf wurde die Vertretung durch die Collegen während der großen Sommerserien geregelt. Die Berathungen über die Revision des Religionsunterrichtes und Beaufsichtigung der religiösen Institutionen in den rabbinerlosen Gemeinden nahmen einen großen Theil der Sitzung in Anspruch und führten bezüglich des ersten Punktes zu dem Beschluß des Verbandes, beim oberschlesischen Gemeindebund die Erledigung dieser Angelegenheit anzuregen und sich bereit zu erklären, gemeinsam mit diesem die Sache an zuständiger Stelle zu fördern, sowie das nothwendige gesetzliche Material zu sammeln. Die Beaufsichtigung der religiösen Institutionen, besonders der -‘p? und nurtr in rabbinerlosen Gemeinden hatte bereits im Jahre 1893 und auch später wiederholt den Verband beschäftigt, doch sind nach dem Bericht des Vorsitzenden Dr. Cohn und der llebereinstimmung der Anwesenden die bereits früher vorhanden gewesenen und anerkannten Schwierigkeiten noch immer vorhanden. Immerhin sei zu hoffen, daß nunmehr nach Regelung der Revision des Religionsunterrichtes und durch öftere Predigten der betheiligten Collegen in den rabbiuerlosen Gemeinden auch für diese Beaufsichtigung und Abstellung etwaiger Mißstände Gelegenheit sich finden werde. Die Versammlung nimmt auch eine demgemäße Resolution an. Des weiteren beschäftigte die Versammlung die Frage der Beköstigung der jüdischen Sträflinge ln den Zuchthäusern zu Ratibor und Groß-Strelitz am Pesachfeste. Der Vorsitzende theilt mit, daß er vor dem diesjährigen Pesachfeste Veranlassung genommen habe, sich von einer Anzahl oberschlesischer Gemeinden Beiträge zur Bestreitung der Kosten der rituellen Verpflegung der jüdischen Sträflinge zu Gr.-Strehlitz zu erbitten und sei auch die hierzu nöthige Summe eingegangen. Es sei jedoch zu erwägen, daß voraussichtlich die gleiche Rothwendigkeit wie in diesem Jahre alljährlich vorhanden sein würde, und in Anbetracht dessen, daß nach nunmehriger Aufhebung des Zuchthauses zu Rawitsch als Sammelplatz für jüdische Sträflinge diese in Ratibor und Groß-Strehlitz internirt seien und es unbillig sei, diese beiden Städte die Kosten der Beköstigung am Pesach allein tragen zu lassen, beschließt die Versammlung nach eingehender Erörterung der Angelegenheit, sich an den oberschlesischen Gemeindebund mit dem Ersuchen zu wenden, diese Angelegenheit in einer ihm geeignet erscheinenden Weise generell zu regeln. Einen ferneren Punkt der Tagesordnung bildete die Regelung des Verhältnisses der Zweigverbände zum Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband, welche die Versammlung als nothwendig erachtete, und wurde beschlossen, diese Regelung beim Vorstande des deutschen Rabbinerverbandes zu beantragen. Auf der Tagesordnung stand außerdem noch die Behandlung einer halachischen und talmudischen Frage, sowie zweier Referate, welche aber zum Bedauern der Versammlung in Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit und der nothwendigen Abreise einiger Collegen nach der Heimath nicht mehr zur Verhandlung gebracht werden konnten und deßhalb die ersten Punkte der Tagesordnung der nächsten Versammlung bilden sollen. Marburg, 12. Juni. Am 6. Juni fand hier die 32. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt. Etwa 60 Lehrer waren erschienen, ebenso die Herren Rabbinen Dr. Munk-Marburg und Dr. Prager als Vertreter des Vorsteheramtes in Cassel. Außerdem waren einige Vorstandsmitglieder der hiesigen Gemeinde anwesend. Nachdem der Jahresbericht vorgelesen war, übergab Herr Vorsitzender A m r a m den Vorsitz Herrn Oppenheim - Treysa, um als Referent das schwierige Thema: „Wie ist eine religiöse Gesinnung bei unserer Jugend dauernd zu begründen?" zu behandeln. Und wahrlich, er hat seine Aufgabe meisterhaft gelöst. Häufige und sogar schwierige Debatten knüpften sich an den Vortrag. Herr Amram war aber seiner Sache sicher und vertheidigte seine „Leitsätze" mit seltener Festigkeit. Es wurden hierauf die Anträge vorgenommen: 1) daß dem Ausschuß Vollmacht ertheilt wird, geeignete Schritte zur besonderen Besoldung des Vorsängerdienstes zu thun. Es wurden hier von Herrn Amram zwei Anträge gemacht. Entweder man müsse es mit den Vorsteherämtern ausmachen, oder bei der Regierung anfragen, ob der jüdische Lehrerdienst auch mit dem Kirchendienst identisch sei. Herr Dr. Prager

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