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Der Israelit · 1900-06-13 · Heft 48 (13.6.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 48 (13.6.1900)
Date
1900-06-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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984 I») Am bilde der Tranerwoche. Nur noch wenige Angenblicke, und mit der hereindrechenden Rächt beginnt der letzte Tag der Trauer-!ooei;e. Und lvenn wir uns am kommenden Morgen hier zum Gebete versammelt haben werden, so nehmen wieder ihren gewohnten Charakter an diese Räume, in denen mein Heimgegangener Bruder sein reiches hieniediges Leben vollendete, — diese Räume, in denen die herrlichen Gedanken gedacht wurden, die in Wort und Schrift in weite Fernen hinausgingen und in weitesten Kreisen unseres Volkes lauten Widerhall weckten in den Herzen und in den Gemüthern, lauter und tiefer, als dem oberflächlichen Blicke erscheint, — diese Räume, die Zeugen waren des herrlichsten Familenglückes, in dem Vater und Mutter im Kreise ihrer Kinder und Enkel bereits des höchsten irdischen Lohnes theilhaftig wurden, — diese Räume, die auch Zeugen waren in den Tagen dieser Woche von der unbegrenzten Verehrung und Liebe, die die ganze Geineinde wie eine Famile in der gemeinsamen Trauer um den ihr so früh Entrissenen vereinigte. Doch nicht rühren will ich an die so frische Wunde — es drängt mich vielmehr, mit wenigen Worten die Summe dessen zusammenzufassen, was in den Tagen dieser Woche an meinem Auge vorübergezogen. Da lassen Sie mich es denn aussprechen, verehrte Freunde, lasset mich es aussprechen, geliebte Schwester und geliebte Kinder: der Eindruck, den ich trotz all' der tiefen .Kümmerniß meines Herzens aus diesen schweren Tagen mitnehme und von dem ich wünsche, daß auch Ihr ihn bewahret möget, er ist ein unendlich erhebender. Es ist die tiefe Ueberzeugung: mein Heimgegangener theurer Bruder Isaak ist ein glücklicher, ist ein reicher Mann gewesen. Sehet, die Tage dieser Woche rufen alljährlich im jüdischeil Kreise das Bild eines Sterbelagers in die Erinnerung, den Abschied unseres Vaters Jakob von den Seinen, da er seines kämpflind priifllngSreichen tlud doch so reich gesegneten Lebens letzte Stunde herannahen fühlte Welcher Gedanke lvar es, der Vater Jakob in dieser Stunde umschwebte? Er gedachte seines Weibes, der Geliebten seines Herzens und rief seinen Töchtern und rief allen jüdischen Töchtern zu: t& Hx myx rr:- „Töchter, sie überragte weit die engen Schranken des gewöhnlichen Lebens!" — War mein Bruder nicht glücklich, — konnte nicht auch er seinen Kindern, seinen Söhnen und seinen Töchtern zurufen: .Kinder, Eure Mutter sei Euch ewig ein leuchtend Vorbild, ihr Blick schaute weit hinaus über zeitliche und räumliche Umschränkung! Siehe, geliebte Schwester, in diesen Tagen des Schmerzes hast Du mir wiederholt erzählt, wie eifrig Du in den ersten Jahren Eurer Ehe bestrebt warst, Dich zu der Höhe seiner Anschauungen emporzuarbeiten, die Weite seines Gesichtskreises zu der Deinigen zu machen. Run, das ist Dir herrlich gelungen. Mein Bruder Isaak war so glücklich, in Dir ein Weib zu besitzen, das sich geistig zu ihm emporrankte, in seinem Sinne seine Kinder erzog, das ihm als treue Stütze zur Seite stand in allen heiteren und ernsten Tagen, das lveit über die Umschränkung des eigenen Hauses hinaus mit ihm fühlte lind mit ihm sorgte, das sein warmes Interesse und seine Sorgen theilte für die Gänge seiner Gemeinde und innigen Antheil nahm an seinen Bestrebungen für das Wohl seines Volkes. Er war glücklich in Deinem Besitze, und Du hast das beglückende Belvußtsein, in solcher Weise einem solchen Manne fast vier Dezennien zur Seite gestanden zu sein. Dies Belvußtsein ist eine reiche Hinterlassenschaft, es lvird Dich aufrecht halten und stärken und Dir die Kraft geben, in seinem Sinne weiter zu wirken, eine treue Mutter Deinen Kindern, eine treue Großmutter Deinen Enkelkindern, und in dem thätigen Liebeswirken im Kreise Deiner Gemeinde wirst Du, umgeben von der Liebe und Verehrung Deiner Kinder und Enkel, Trost und innere Ruhe finden und als starke, gottesfürchtige Frau es bald inne werden, wie Du in solchem Leben und solchem Wirken in steter inniger Gemeinschaft bleibst mit dem theuren Heimgegangenen. Und war nicht auch in einer anderen Beziehung mein Bruder ein glücklicher, gottgesegneter Mann, glich nicht auch in einem anderen Punkte sein Lager dem unseres Vaters Jakob? Als in dessen Sterbestunde seine Kinder sein Lager umstanden, da entrang sich seiner Brust die schlvere bange Frage: tziLL xcs? sind's auch meine Kinder, die mein Lager umstehen, sind sie die meinen geblieben im Geiste und im Herzen, die meinen in ihrem Leben? — Da antworteten die Kinder: „Höre es, Vater Israel, unser Gott ist Einer, Dein Gott ist unser Gott, dem Du gedient, dem dienen auch wir, der Geist, der Dich erfüllt, er beseelt auch uns!" — Run, war nicht auch mein Bruder so glücklich, das beseligende Bewußtsein mit hinüber zu nehmen in die Ewigkeit, daß auch seine Kinder ihm gelobten n ins* daß der Gott, den ihr Vater sie gelehrt, auch ihr Gott uitb dieses Gottes Wort auch das Gesetz ihres Lebens sei imb bleiben werde, daß sie in dem Sinne ihres Vaters leben und für seine Ziele nach besten Kräften strebeil und wirken werden? Und ferner: war mein Bruder nicht auch so glücklich, daß seine Söhne ihm Frauen zugeführt haben, die er mit der ganzen Innigkeit eines jüdischen Vaters als seine Töchter, als die „Vollenderinnen seines Hauses" in's Herz schließen konnte, und daß seine Tochter ihm einen Sohn zugeführt hat, wie er ihn sich herrlicher und dein Geiste seines Hauses verwandter gar nicht hätte wünschen können, einen Sohn in deS Wortes herrlichstem Sinne? Das alles sind Momente, auf die ich in dieser Stunde Hinweisen möchte, das sind Güter, die nimmer schwinden. Darum gelobt es Euch in dieser Stunde, immer eingedenk zu bleiben, welches hehren Mannes Kinder Ihr seid. So reich das Erbe dieses Mannes ist, so ernst ist die Verantwortung, die es auflegt. Bleibet dieser Verantwortung stets eingedenk! Wahret dieses

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