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Der Israelit · 1900-06-13 · Heft 48 (13.6.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 48 (13.6.1900)
Date
1900-06-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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4U Jahrgang. Zweite Beilage M M 48 des „Israelis. Leitender Slrtikel. Gesprochen an der Bahre und am Ende der Traucrwoche von Dr. M. Hirsch y\*T. (A IN 0. und 11. Dezember 1 8 9 9.) ft) An der Bahre. Meine Verehrten, ich darf wohl sagen, meine Brüder! Denn wenn die gemeinsame Verehrung, die gemeinsame Liebe und der gemeinsame Schmerz ein Band um einen großen Kreis sonst einander fernstehender Menschen schlingen und sie einander nahe bringen kann, so macht dies mächtige Gefühl der Verehrung und der Liebe, und das mächtigere der tiefen Trauer um den herrlichen Heimgegangenen, an dessen Bahre wir hier stehen, uns alle in diesem Augenblicke zu einer großen Familie. Doch nicht dieser Trauer will ich Ausdruck geben. Der herannahende Sabbat gebietet im jüdischen Kreise der Klage Einhalt. Sowie ein jeder Sabbat zu dem strebenden und wirkenden jüdischen Menschen spricht: b? nw, halte ein, du hast vollbracht das Wirken dieser Woche, siehe es als vollendet an! so spricht der Sabbatgedanke auch zu allen, die um einen Heimgegangenen Bruder trauern: Haltet ein mit der Klage! er hat vollbracht, was er vollbringen sollte, an ihn erging des Vaters Ruf: b:, du hast vollendet, du bist am Ziele! und fordert die Trauernden auf, auch ihrerseits als vollendet zu betrachten des Bruders Wirken, der nunmehr eingegangen ist in den ibzv dv rot?, in die einige Sabbatruhe, in den einigen Sabbatsrieden. Darum nicht das, was wir verloren, sondern das, was wir beivahren, möchte ich in diesem Augenblicke mit kurzen Zügen uns vergegenwärtigen, auf daß es uns ein dauerndes theures Gut bleibe, was er weitesten Kreisen der jüdischen Gesammtheit gewesen, was er seiner Gemeinde, was er seiner Familie als heiliges Vermächtnis; hinterlassen hat. Was er weitesten Kreisen bietet? Das leuchtende Vorbild eines Mannes in des Wortes edelster und umfassendster Bedeutung. Eines überzeugungsstarken, geraden, offen und tapfer für das, was er als wahr und gut erkannt hatte, stets furchtlos eintretenden Mannes, der immer nur die Sache und nie die Person im Auge hatte, eines Mannes, dessen klares begeistertes Wort irpivei teste Kreise gedrungen, eines Mannes mit dem *) Aus der soeben erschienenen gleichnamigen Er innerungsschrift. A. Molling u. Eie., Eomm. Gesellschaft Hannover. ' hellen Geiste und den beredten Lippen und dem weichen, liebeerfüllten Herzen, eines Mannes, der die Hochachtung auch seiner Gegner und die Liebe aller derer gewonnen, die das Glück hatten, ihm näher zu treten. Was er aber seiner Gemeinde gewesen, was er Ihnen dauernd hinterläßt? Ach nicht mir, dem Fernen, steht es zu, davon auch nur ein flüchtiges Bild zu geben. Das Bild seines Wirkens und seiner Persönlichkeit lebt ja in Ihrer aller Herzen in viel größerer Lebenswahrheit und Lebenswärme, als ich es zu zeichnen vermöchte. Rur das Eine lasten Sie mich an seiner Bahre aussprechen: Er war die edelste Verkörperung des gesetzestreuen Judenthums. Dessen Vertretung bildete seines Lebens höchsten Inhalt. Und von ihm vertreten, wußte er auch in den Augen der in ganz anderen Anschauungen herangewachsenen Brüder Achtung und Respekt zu gewinnen. Die hohe, rückhaltlose und freudige Anerkennung des Wirkens meines Bruders fand ihren ergreifenden Ausdruck darin, daß von Ihnen, verehrte Herren, der Gedanke ins Auge gefaßt wurde, seine Hülle in das Gotteshaus zu tragen. Sie haben damit seinem Wirken die denkbar höchste Anerkennung ausgesprochen, Sie haben damit spontan es anerkannt, daß in erster Linie seinem Wirken es zu verdanken ist, wenn dieser heiligsten Stätte der Gemeinde das alt- und echtjüdische Gepräge erhalten, und sie vor nichtjüdischen und unjüdischen Neuerungen bewahrt blieb. Empfangen Sie den innigen Dank der Familie für diese Absicht, die nur aus äußeren Gründen, wegen der Kürze der Zeit, unausgeführt blieb. Jedenfalls haben Sie mit diesem Gedanken in solchem Augenblick für ewig bekundet, wie voll Sie das Wirken meines Bruders zu würdigen wissen. Möge sein Geist auch in Zukunft Ihren Berathungen für das Wohl der Gemeinde gegenwärtig bleiben, und Sie die von ihm vertretene Sache hoch halten, auch wenn der Mund sich schloß, der so lange für sie eintrat. So wird sein Name ewig in Ihrer Mitte leben, und sein Gedächtniß in Wahrheit zum Segen werden. Und was er Euch war und dauernd bleibt, Dir, meine geliebte Schwester, Euch, meine geliebten Neffen und Nichten, uns, seinen Brüdern — wie vermöchte ich dem in dieser Stunde auch nur den schwächsten Ausdruck zu geben! Es ist das Bild des herrlichsten Mannes, des herrlichsten Vaters und Bruders, besten leuchtende Züge dauernd in unseren Herzen eingegraben sind. Lasset diese Züge nie erblassen, meine Söhne, nehmt die Fahne auf, die seinen Händen entsunken, bewährt Euch als würdige Söhne Eures herrlichen Vaters, danket Gott dafür, daß Ihr ihn pflegen durftet bis zu seinem letzten Athemzuge und danket Gott, daß er ihn Euch so lange als leuchtendes Vorbild gelassen 'n nt? w — fr: n Gott hatte ihn uns verliehen, der Name Gottes sei gesegnet!

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