Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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985 Erbe und mehret es. Dann wird es Eures Lebens höchstes Ziel sein, Eure Häuser stets zu jüdischen Häusern zu gestalten nach dem Borbilde Eures elterlichen Hauses, und: wie Euer Vater gestrebt hat, Euch zu Kindern seines Vaters zu erziehen, so wird es Euer Ziel sein, Eure Kinder als Kinder Eures Vaters heranblühen zu sehen. Dann bleibt Ihr ewig mit ihm vereint, er ist stets gegenwärtig in Euren Häusern, und ivenn Ihr in solchem Sinne sein Gedächtniß in Ehren haltet, so wird sich in dem Segen, der Euch Allen wird, cs bewahrheiten: pnjt ^7 daß das Andenken an Euren Heimgegangenen herrlichen Vater Euch zum Segen werde immerdar. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Posen, 7. Juni. Eine Versammlung der Rabbiner unserer Provinz hat am 23. und 24. v. Mts. hier stattgefunden, um über die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes zu berathen. Die Tagesordnung lautete >vie folgt: 1. Gesichtspunkte für den Religionsunterricht, a) in organisirten Religionsschulen, b) in staatlichen oder städtischen Anstalten, 0 für solchen, der von einzelnen Kultusbeamten des Ortes, d) für solchen, der durch auswärtige Lehrer oder Wanderlehrer ertheilt wird. 2. Inspektion des Religionsunterrichts. 3. Wanderpredigten. 4. Ausbildung von Kultusbeamten. 3. Anbahnung von Beziehungen zlvischcn den beiden Gemeindeverbänden der Provinz. 3. Verabredung, betreffend gleichzeitige talmudische oder andere wissenschaftliche Studien und den Austausch der Ergebnisse auf brieflichem Wege oder erneuten Zusammenkünften. Ein Bericht über die Versammlung lvird tvohl noch erscheinen. O c st e r r. - 1l n g a r. M 0 n a r ch i e. Budapest, im Juni. Anläßlich seines 70. Geburtstages hat der hiesige Großindustrielle M. L ö >v i 100,000 Kronen gestiftet, deren Zinsen von 4000 Kronen an solche zehn jüdische Zöglinge der verschiedenen Lehranstalten auszufolgcn sind, die sich eine besondere Fertigkeit im Uebersehen der Bibel und der Propheten ungeeignet haben. Vorige Woche gelangten die ersten Prämien zur Vertheilung. Es haben sich 25 Schüler gemeldet, die das vorgeschriebene Pensum -— Torah, Josua, Richter und Samuel — absolvirt hatten. Alle haben die Prüfung ziemlich gut bestanden, prämiirt lvurden aber nur zehn. Das neologe Wochenblatt „Egyenlöseg" bejubelt die Thatsache, daß die große fortschrittliche Budapester Kehilah über 25 jüdische Kinder verfügt, die in Torah und einem Theile der ersten Propheten etwas Bescheid wissen. Bei näherer Betrachtung braucht dieses Factum gar nicht so sehr bejubelt zu werden. In Budapest existirt eine viel kleinere orthodoxe Gemeinde, die eine Elementar- und Toraß-Cheszed-Schule unter schweren Opfern erhält; dort befinden sich über 100 Zöglinge, die Bibel und Propheten vorzüglich übersetzen, aber auch Raschi und etwas Mischnajoth dazu. Diese sind allerdings von der Konkurrenz ausgeschlossen. Die orthodoxe Gemeinde verfügt über ein Budget von blos 60,000 Kronen, die große Reformgemeinde hingegen verausgabt für jüdische Schulzwecke allein 400,000 Kronen jährlich. Wenn für diese horrende Summe blos 25 Schulkinder im Bibelübersetzen tüchtig (?) sind, und auch diese 25 sich nur aus den „oberen Klassen der Gymnasien und Realschulen" rekrutiren, so verdient dieses Verhältniß — gelinde gesagt — doch nicht so bejubelt zu werden. Ueber Anregung des Herrn M. S z a b 0 l c s i hat der anwesende edle Stifter feierlichst versichert, an seinem 80. Geburtstage, wenn ihm der liebe Gott das Leben schenkt, die Stiftung zu verdoppeln. Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen! Die Rabbiner der Gemeinde glänzten, wie immer, ivenn von einer „jüdischen Schulsache" die Rede ist, durch ihre Ablvescnheit. Persien. Teheran. Erfreulicherweise läßt sich von hier jetzt wieder eine kleine Besserung der Zustände berichten. Die Gemüther haben sich einigermaßen beruhigt und die jüdischen Gewerbetreibenden können ihrer Rahrung ivieder nachgchen. — Die Allianceschule hat eine wichtige Reuerung eingcführt, nämlich eine Werkstatt für Mützenfabrikation, der sich bald eine zweite für Kupferschmieden rbeit anschließen soll. Die Zöglinge dieser Werkstätten Iverden hoffentlich leichter in der Lage sein, sich ihr Brod zu verdienen, als die jetzigen Handiverker, deren Fähigkeiten oft zu ivünschcn übrig lassen. Es Iväre ausgezeichnet, wenn die Alliance isr. universelle ihr erzieherisches Werk noch weiter fortsehen würde, denn in den inneren Theilen Persiens geht es den Juden noch erbärmlich. In den großen Städten sind Schulen nöthig, mindestens in Schiras, Kermanscha, Jspahan, Ourmea und Kaschan, sollten solche in das Leben gerufen werden. Aber was vielleicht das wichtigste Iväre, würde eine Ackerbauschule sein, denn die persischen Juden sollten zeitig dem Landbau zugeführt iverden und in dem Innern Persiens, besonders in der Gegend von Jspahan, ist Land in guter Dualität billig zu haben. Dieser schöne Plan erfordert freilich große Mittel und lvird deßhalb vielleicht noch längere Zeit unausgeführt bleiben müssen, aber das Ziel, das erstrebt Iverden muß, bezeichnet er doch. > Vermischtes. < New-?)ork. Das Mont-Sinai Hosvital, welches jetzt einen großartigen Neubau errichtet, der auf 1,500,000 Dollars veranschlagt wird, hat von den Kindern des Herrn Meyer Gug gen heim ein Geschenk von 200,000 Dollars und von Herrn Henry L. Einstein 125,000 Dollars erhalten.