Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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gekommen märe. — Nicht einmal über die Feiertage darf sie lammen?" Steinhart zuckte die Achseln. „Die Baronin kommt erst in der nächsten Woche nach Hause und der Gras sagt, er könne in dieser Angelegenheit nicht catheu, bevor nicht seine Frau die Baronin sondirt habe, ob sie ihren Plan, Elsa lausen zu lassen, endgiltig ausgegeben hat oder nicht. Gr hält e» nicht einmal für wahrscheinlich, daß sie ihn ausgegeben hat, denn sie steht in Wirklichkeit ganz allein, ist nur von bezahl ten Venien umgeben und da möchte sie Elsa in ihr Haus nehmen und sie zu ihrer Gesetlschafteriu und Pflegerin erziehen, die ihr nicht für Geld, sondern aus reiner An hän.glichkeit diene den» das Kind hat ein sehr dank bares Gemüth." Biltor war dunlelroth gelvvrden, uiNvitlkürlieh vallte er die Hände. „Gin schöner Plan, das! - - O, das böse Weib! Elsa braucht nicht zu dienen und wenn sie ihr auch nicht eine Leibrente geschenkt hätte." Steinhart lächelte über die Erregtheit des Knaden. „Dienen ist keine Schande." „Das weiß ich wohl, aber ehe ich zugeben würde, daß Elsa diene, lieber würde ich Dag und Nacht Holz spalten." „So ist c* doch gewiß gut, daß sie eine Leibrente hat/' sagte Steinhart. Viktor rieb sich die Stirn. „Was voll einer so bösen Frau kommt, soll gut sein? Wenn ich zu befehlen hätte, so tvürde ich Elsa verbieten, das Geld anzuneh men, denn dadurch null die Baronin sie nur locken." „Du magst recht haben, doch davor werden wir sic zu schützen wissen. Das Beste wird sein, wir geben sie in ein frommes jüdisches Mädchenpensionat in H. . ., da kann Werner und seine Frau hin und tvieder nach ihr sehen. Hier in der Nähe möchte ich sie nicht haben." „lieber die Feiertage könntest Du sie ruhig Herkommen lassen. Da habe ich doch Ferien, da würde ich sie keinen Moment allein lassen. Du könntest sie wirklich Herkommen lassen, Vater." „Ich darf in dieser Beziehung nichts thun, was der Graf widerräth nnb er hat mir ausdrücklich gesagt, ich solle nichts thun, bevor er mir mitgetheilt, wie die Baronin darüber denkt. — Nur au Werner werde ich noch heute schreiben, ob er einverstanden ist, Elsa in ein Pensionat in H. ... zu geben. Uebrigens muß die Baronin die Rente niecht gerade in böser Absicht gegeben haben, wenn ich den Grafen richtig verstanden habe, so ist es eigentlich ein Vermächtniß ihres Sohnes, der das Kind überaus lieb gehabt hat und von dem Elsa auch so oft spricht. Er ist kaum zwanzig Jahre alt getvorden, konnte daher über sein Vermögen noch nicht verfügen. Aber der Graf meint, wenn er einige Jahre älter gewesen wäre, hätte er Elsa den größten Theil seines Vermögens vermacht, so daß sie eine mehrfache Millionärin geworden wäre." Viktor zuckte die Achseln. „WaS hätte sie davon gehabt? Sie wäre davon nicht bester geworden, und nicht lieblicher und vergnügter glaube ich auch nicht." Der Vater blickte ihn lächelnd an. „Vielleicht hast Du recht, aber Du bedenkst nicht, welch' ein Segen Millionen in den Händen eines guten Menschen werden können." „Das ist wahr," erwiedcrtc Viktor, „viele Andere hätten dadurch glücklich werden können, aber Elsa selbst und Was er noch vor sich hinmurmelte, konnte Steinhart nicht verstehen. -- Mehr als acht Dage waren verstrichen, seit Steinhart dem Verwalter geschrieben hatte, ohne daß Antwort von ihm erfolgt wäre. Bittor grollte und schimpfte über den Werner, der sein Herzblättchen, wie er sich ausdrückte, nicht von sich lassen wollte. Aber er sollte sich in Acht nehmen, man würde ihm das arme Kindchen nicht lasten, damit es am Ende noch gar er würde schon sehen!" „Was würde er sehen?" fragte Marianne neugierig. Die Mutter lachte, der Knabe ward dunkelroth und lief hinaus, wenige Minuten darauf aber riß er die Thüre auf und rief laut jubelnd: „Sie kommt! sie kommt! Elsa kommt!" Dann rannte er davon. „Elsa kommt!" jauchzte Marianne und lief gleichfalls hinaus, und Frau Steinhart warf ihre Handarbeit auf den Tisch und eilte vor das Haus. Aber hier sah sie Niemand. Doch jetzt ward dort unten, wo die Straße eine Biegung macht, ein Herr sichtbar, es war Werner. Er batte sie erkannt und zog schon von weitem grüßend den Hut. Und jetzt erkannte sie auch Elsa, die zwischen ihren beiden Kindern einherschritt. Jetzt aber riß sie sich los von ihnen und rannte, so schnell sie ihre kleinen Füße tragen konnten, der freundlichen Frau entgegen, die sie mit offenen Armen empfing. „Meine liebe kleine Elsa!" „Vitebe, liebe Tante! — Hast Du eine Freude, daß ich wieder da bin?" „Ja, liebes Kind, ich habe eine große Freude und der Onkel wird sich auch freuen, und Viktor und Marianne auch." „Ja, ja," jubelte Marianne und schlang ihre Arme um ihre kleine Freundin. „Nun, ich habe Ihnen keinen unwillkommenen Gast gebracht," sagte Werner, indem er an Frau Steiuhart's Seite dem Wohnhause zuschritt. „Nein," entgegenete sie, „Sie haben uns einen sehr lieben Gast gebracht, das Kind hat uns und namentlich unseren Kindern sehr gefehlt." „UnS wird es fehlen," erwiederte Werner ernst, „denn — Sie wissen noch gar nicht, was Ihnen bevorsteht — nicht als Gast habe ich Ihnen das Kind gebracht, sondern, wenn Sie wollen, können Sie es für immer bei sich behalten, es ist nichts mehr zu fürchten." „Gott sei Dank!" sagte Frau Steinhart innig, „so hat die Baronin endlich das Frevelhafte ihres Planes erkannt." — Werner zuckte die Achseln. „Ob sie das erkannt