Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 48 (13.6.1900)
- Date
- 1900-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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972 Rabbiner und schätzte sich glücklich, wenn er der jüdischen Sache irgend einen Dienst leistete. Auch Präses Lkpschitz wird sich damit begnügen müssen, die Koryphäen des gesetzestreuen Judenthums auf seiner Seite zu wissen. Die bösen Zungen zum Stillschweigen zu bringen, wird ihm ebensowenig, wie seinem Vorgänger gelingen. Einen Tadel können wir aber Herrn Rabbiner Lipschitz nicht ersparen, daß er gerade in diesem Belange die Gepflogenheit seines Vorgängers aufgegeben. Ignatz Reich betrachtete es als Demüthigung der gerechten Sache, mit skandalsüchtigen jüdischen Zeitungsschreibern zu polemisiren und ist diesem P r i n z i p e bis zu seinem Tode treu geblieben. Herr Rabbiner Lipschitz überwindet manchesmal den Ekel, den einem dieses Treiben einflößen muß und läßt hie und da auf derartige Anwürfe reflectiren. Er hat diesbezüglich entschieden unrecht und muß sich nachträglich immer die Hände waschen. Rußland. Petersburg. (A u f e n t h a l t s r e ch t.) Der Senat hat jüngst Entscheidungen getroffen, die das Aufenthaltsrecht der Juden außerhalb des Territoriums in verschiedenen Punkten präcisiren. Die Verwaltung von Ufa (Gouvernement von Orenburg) hatte einem israelitischen Färber Aleskovski befohlen, die Stadt zu verlassen, weil er keine Arbeiter in seiner Färberei hatte und sich mehr mit Messerschleifen als mit seinem Handwerk beschäftigte, infolgedessen sollte sein Zeugniß als Handwerker als annu lirt betrachtet werden. Der Senat hat erklärt, daß das von dem Färber erlangte Zeuniß ihm in einer Stadt gegeben fei, wo die Juden das Aufenthaltsrecht haben, daß man infolgedessen ihm dies Recht in einer Gegend, wo keine Genossenschaft bestehe, nicht nehmen könne. Außerdem könnten die Behörden ihm nicht untersagen, sich einem anderen Handwerk, als dem im Zeugniß genannten, zu widmen. Endlich ließen sich auch die Verpflichtungen, die für einen Meister darin bestünden, sich Arbeiter zu halten, nicht auf die Dörfer anwenden, in denen keine Genossenschaft bestünde. Dieser Erlaß ist sehr wichtig. Denn er bestimmt: Erstlich, daß die jüdischen Handwerker, die solche Dörfer bewohnen, in denen keine Genossenschaft besteht, nicht die Pflicht haben, Compagnons zu haben, und zweitens, daß die jüdischen Handwerker, die außerhalb des Territoriums wohnen, das Recht haben, jedem Handwerk obzuliegen. Amerika. Philadelphia. Die hiesige jüdische Gemeinde feierte kürzlich einen jüdischen Offizier, der sich im Kampfe auf den Philippinen ausgezeichnet hat. Kapitän Louis O st h e i m ist 1860 geboren und trat im Alter von 18 Jahren in die Militärakademie in Rewyork ein. 1883 wurde er Lieutenant in dem dritten Artillerieregiment und bei Ausbruch des Krieges mit Spanien gehörte er zu den Truppen, die nach den Philippinen geschickt wurden. Er befehligte eine Zeitlang die Artillerie in Jloilo und zeichnete sich bei den dortigen Kämpfen so aus, daß er vor dein Feinde zum Kapitän befördert wurde. Feuilleton. WctcH einer wcrHvenMegeben Heit. *21 Bon Friedrich Rott „Aber ich habe Marianne versprochen, ich werde Dich nur fragen, ob Elsa kommen wird, und dann gleich nach Hause laufen und es ihr berichten." „Marianne wird sich gedulden müssen, ebenso wie Du und ich, denn ich wiederhole, ich weiß noch nicht, ob sie zu uns kommen ivird. — Marianne weiß doch nichts Näheres, weßhalb Elsa fort von uns ist -" „Gewiß nicht, Vater, Du hast es mir doch verboten, es ihr zu sagen. - Und außerdem ist sie doch noch viel zu klein, sie könnte es doch noch gar nicht verstehen." „Freilich nicht " „Aber hier ist doch Niemand, wolltest Dir mkr jetzt nicht sagen, was siic gute Nachrichten Du bringst?" „Gewiß will ich es Dir sagen, denn ich weiß, Du wirst Dich darüber freuen. Also die Baronin Waldstein hat den Grafen Edgersdorf ersucht, er möchte für ihre Kosten für Elsa eine Leibrente von 1200 Mk. besorgen und das Hai er gethan, und nun hat Elsa, so lange sie lebt, jährlich 1200 Ml." „Elsa, die kleine Elsa hat jährlich 1200 Ml.," rief Viktor staunend, „so 'n kleines Mädchen hat so viel Geld? — Da ist sie ja reich." „Reich ist man noch nicht mit 1200 Mk. jährlich — aber es ist immerhin ein Glück für sie. Ich werde dieser Tage dem Werner darüber schreiben, wenn sie nicht bei uns sein kann, muß sie in einem anderen jüdischen Hause untergebracht werden, für immer darf sie nicht bei Nichtjuden sein. Ich kann nichts ohne den Verwalter thun, aber ich weiß im vorhinein, er wird es mir überlassen, ein geeignetes Haus ausfindig zu machen, in dem sie eine religiöse Erziehung erhalten ivird." Viktor athinete tief auf. „Das ist die Hauptsache — und das ist freilich eine gute Nachricht — aber schöner wäre es doch gewesen, wenn sie wieder zu uns