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Der Israelit · 1900-06-13 · Heft 48 (13.6.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 48 (13.6.1900)
Date
1900-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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971 ien; man begründet gewöhnlich die ablehnenden Bescheide mit der Motivirung, daß die vorhandenen Mittel anderweitig Verwendung finden müssen. So kommt es denn, daß manche israelitische Gemeinden mit öffentlichen Volksschulen 200—490 Prozent Schulsteuer entrichten müssen. Da ein Aufbringen von Abgaben in solcher Höhe für die Dauer aber nicht angängig ist, so sind die wenig leistungsfähigen Gemeinden gezwungen, die Schulen aufzulösen, eine Maßnahme, die von der Aufsichtsbehörde gern sanktionirt wird. Auch in anderer Weise tritt das geringe Wohltvollen einzelner Bezirksregierungen den israelitischen Lehrern an Volksschulen gegenüber in die Erscheinung. Während man den christlichen Lehrern überall da, wo mit dem Lehramte ein Kirchendienst organisch verbunden ist — Paragraph 4 des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 3. März 1897 — ein erhöhtes Gehalt beziehungsweise eine besonders fixirte Stellenzulage gewährt, können jüdische Volksschullehrer zum Theil an den 'Vortheilen dieser gesetzlichen Bestimmung nicht theilnchmen. Eine Regierung hat auf ein Gesuch um Festsetzung einer Vergütung für Kirchendienst beziehungs- >veise Genehmigung derselben als pensionsfähige Einnahme dahin entschieden, daß dem Antrag nicht stattgegeben werden könne, da Synagogendienst kein Kirchendienst sei. Der vorerwähnte Paragraph spricht allerdings nur von Kirchendienst, jedoch wird der Gesetzgeber eine derartige Auslegung nicht im Sinne gehabt haben. Mancher junge Volksschullehrer, welcher unter großen Opfern sich zu dieser Stellung emporgearbeitet hat, ist gezwungen, sein jetziges Amt zu verlassen und als „abhängiger" Religionslehrer, dem jede Aussicht auf eine Versorgung im Alter oder bei einer cintretenden Dienstunfähigkeit benommen ist, sein Dasein zu fristen. Auf den bevorstehenden Versammlungen sollen die Anstellungsverhältnisse der jüdischen Lehrer eingehend erörtert und über eventuelle Maßnahmen berathen werden. Berlin, 11. Juni. In einem Artikel über die Unruhen in Könitz, der wiederholt vor Ruhestörungen und Zusammenrottungen warnt, theilt die „Berliner Eorresp." mit, der Minister des Innern entsandte nochmals den Geheimrath Maubach als seinen Kommissar nach Könitz. Vom Niederrhein. Am 26. v. M. feierte der weit über die Grenzen seines engeren Wirkungskreises bekannte und geschätzte Herr Lehrer Cohen in Rees am Rhein seinen siebzigsten Geburtstag. Wenngleich Genannter in seiner zur Genüge bekannten Bescheidenheit von einer Berücksichtigung dieser Thatsache gern abgesehen hätte, ließen es sich dennoch seine vielen Verehrer und Freunde nicht nehmen, ihre Sympathien in mannigfacher Art zu bekunden. Aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes von Laien und Gelehrten eingegangene zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche zeugten so recht von der Liebe und Verehrung, deren sich der Gefeierte allüberall zu erfreuen hat. Von einer offiziellen Feier seitens der Gemeindemitglieder ist mit Rücksicht auf das am 8. August d. I. statthabende fünfzigjährige Dienstjubiläum Abstand genommen worden, da zu besagtem Vorkommuisse größere Festlichkeiten in Aussicht genommen sind. — Die Schulkinder überreichten unter passenden Deklamationen herrliche Blumenspenden und die Mitglieder seiner Gemeinde sowohl, als auch Andersgläubige, iiberbrachten dem würdigen Gefeierten ihre Glück wünsche. Seitens der niederrheinischen Collegen war eine besondere Ehrung beabsichtigt. Dieselben überreichten am darauffolgenden Sonntag einen prachtvollen silbernen Pokal mit Widmung und Inschrift der Spender. Herr Lehrer Spier- Wesel überreichte denselben Namens der Geber mit einer tiefempfundenen Ansprache und auch Herr Lehrer barsch- Emmerich ließ es sich nicht nehmen, dem Gefeierten herzliche Worte zu widmen. Tief gerührt dankte derselbe in herzlichen und bewegten Worten. Wünschen wir dem jugendfrischen Greise eine Würdigung seiner Verdienste zu seinem im August s. G. w. statthabenden Ehrentage, die fernere Berufs- und Schaffensfreudigkeit, welche wir wie bisher an demselben zu beobachten Gelegenheit hatten, sowie an der Seite seiner würdigen Gattin einen heiteren, frohen Lebensabend. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i c. Ans Ungarn, im Siwan. Wie alljährlich, versammelten sich auch diesmal mehrere orthodoxe Rabbiner zu einer Konferenz in Budapest. Es wurde über mehrere »nichtige Angelegenheiten, die das gesetzestreue Jndenthum betreffen, eingehend berathen und hatte Herr Präses L i p s ch i tz gute Gelegenheit, die von gewisser Seite ausgestreuten Gerüchte auf ihren richtigen Werth zu reduciren. Er gab Aufklärung über die in Aussicht gestellte Ministerialverordnung und die Männer der Konfernz gewannen die Ueberzeugung, daß der Inhalt derselben die bestehenden Rechte des gesetzestreuen Judenthums vollkommen respectire. Gegen das Vorgehen einiger Aerzte, die in der bekannten Beschneidungsverordnnng ein Mezizahverbot erblicken, hat die Kanzleileitung beim Minister des Innern Beschwerde erhoben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Minister zuletzt der Ansicht des Kanzleipräsidiums beipflichten wird. Zu bedauern bleibt aber, daß die Hetze gegen die Mezizah durch die Agitation eines jüdischen Blattes noch mehr aufgestachelt wurde unb dieses frömmelnde Gepolter vielen Mohelim den Muth nahm, sich den Verfügungen pedantischer Aerzte entgegenzustellen. Es ist überhaupt unerhört, was von gewisser Seite an Ausfällen persönlicher Gehässigkeit seit einigen Jahren geboten wird. Leider scheint es das Loos der orthodoxen Führer zu sein, das Amt nur mit „Meßiraß Nefesch" führen zu können. Der selige Ignatz Reich wurde viele Jahre hindurch von der jüdischen Zeitung förmlich mißhandelt. Der damalige Redacteur Moritz Ehrenthal hat haarklein nachgewiesen, daß Ignatz Reich absolut keinOrthodoxer ist. Dieser fromme Mann begnügte sich mit der Anerkennung der angesehensten

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