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Der Israelit · 1900-06-13 · Heft 48 (13.6.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 48 (13.6.1900)
Date
1900-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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970 Sprachenverständniß zu deuten. Bei der Behandlung des talmudischen Rechts sehen wir seinen Sinn für System und Ordnung; er liebt es, die Einzelfälle der Easuistik auf allgemeine Principien zurückzuführen. Um die Stellung des jüdischen Rechtes der Staatsbehörde gegenüber vor Mißdeutung zu schützen — wie leicht hätte die Böswilligkeit die eigene Gerichtsbarkeit der jüdischen Gemeinden als staatsgefährlich brandmarken können — spricht er die Satzung aus rr^'n iO'-i Kni2^o-[, daß der Jude von Religionswegen gehalten sei, alle Staatsgesetze treu zu befolgen. Ganz iin Einklang mit dem bekannten Ausspruch des Propheten Jeremias '121 oitow nrn, „Sorget für das Wohl des Staates, in dem ihr lebt." Seine tiefe Weisheit wurde vom edlen Rab willig anerkannt; dieser wandte auf ihn das Schriftwort an: „kein Geheimniß ist ihm verborgen." .T2 d;x 71 br. Sein geläutertes Sittlichkeitsbewußtsein verbietet «n rca d. h. die Hintergehung und Unaufrichtigkeit, jede Erweckung eines falschen Scheines (wörtlich: die Hinwegstehlung der richtigen Erkenntniß). Selbst einem Heiden gegenüber ist dies durchaus sündhaft ^7^ bw ib'ex mn 21^ 11DS Als einst einer seiner Schüler einem heidnischen Fährmann alZ Lohn ein Huhn geben will, das als trefa für Juden ohnehin unbrauchbar geworden war, zürnte Samuel und gebot, dem Heiden zu sagen, daß es für Juden werthlos sei, damit der Fährmann nicht zu der irrigen Meinung komme, einen besonders ansehnlichen Lohn diesmal erhalten zu haben. Auch sonst sind ihm alle Menschen gleich vor Gott, mrai p p »ritt* *e Israels Gott und Richter waltet über alle Völker. Auch dem Sklaven gegenüber soll Milde und Schonung walten; zur Arbeit, nicht zur Kränkung ist er dir verstattet. Sein vorurteilsfreies, edles Wesen, das ganz mit seinen Lehren harmonirte, gewann ihm angesehene Freunde auch unter den Persern. Israels Lebenselement ist ihm die Thora; wie die Fische ohne Wasser sterben, so muß Israel ohne Thora zu Grunde gehen, lehrt er mit R. Akiba. Seiner tiefen Gottesdurchdrungenheit erscheint jeder Genuß, der nicht durch einen Gottespreis geweiht ist, als Raub am Weltenheiligthum vnp^zbycl Sein Lebensmotto ist dw etpb ^2.“t „Alles um Gottes Willen — in edler Absicht!" Wenn daher Rab bei den Geistesgrößen Palästinas in höherem Ansehen steht, als Samuel, der von ihnen nur als i;72n „unser Genosse" angeredet wird, so ist darin keine absichtliche Zurücksetzung Samuels, sondern nur eine Huldigung des den Palästinern verständlicheren Rab zu erblicken, der '021, unser Meister auch von R. Jochanan und R. Simon ben Lakisch, den Koryphäen Palästinas, genannt wird. Samuel hatte seinen Festkalender den palästinischen Geisteshelden geschickt. R. Jochanan konnte darin, da er mit Astronomie sich nicht befaßte, keine Bekundung großen Thorawissens erblicken, und that das Werk mit den Worten ab: „Rechnen kann er." Als aber Samuel auch auf dem Gebiete der Thoraforschung, zumal bezüglich der NL "7 8-Bestimmungen, die Resultate seiner Untersuchungen dem R. Jochanan gesandt hatte, war der greise Lehrer für Samuel so begeistert, daß er den Entschluß faßte, ihn in Nehardea aufzusuchen. R. Jochanan starb darauf, ohne seinen Plan ausgeführt zu haben. Die ruhigen politischen Verhältnisse, unter denen Rab und Samuel wirkten, begünstigten sehr ihre Thätigkeit. Nach dem Tode dieser beiden Meister wurden die Juden durch die fanatischen Gebern und ihre zelotischen Pfaffen, die Magier, aus ihrer Ruhe aufgestört. Die unduldsamen Bekenner der Lichtreligion des Zoroaster fügten den Juden viel Leid zu. Die traurige Lage wurde noch schlimmer, als der ehrgeizige Palmyrener Odenat Eroberungszüge in Persien machte und dabei die Juden mit uneingeschränkter Willkür plünderte und ausraubte. Auch in Nehardea fiel die Horde ein und zerstörte diese Hauptstadt der babylonischen Juden. Die unglücklichen Einwohner, meistens Juden, mußten fliichten und wurden von ihren Brüdern in anderen Theilen des Landes, so gut es ging, ausgenommen und unterstützt. Auch die Hochschule Sanmels war dadurch vernichtet. Die Schüler zerstreuten sich nach allen Richtungen; ein großer Theil begab sich nach Sura, dem Wirkungskreise Rabs, andere gingen nach Pumbedita, wo damals eine neue Hochschule gegründet wurde. Wir werden im Folgenden sehen, daß in den hereinbrausenden Stürmen dieser verfolgungsreichen Zeit Sura u. Pumbedita die Hochburgen lvaren, in denen die geistigen Güter des Volkes geborgen und gerettet wurden. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 11. Juni. Die israelitische Volksschule in Preußen sieht einer wenig verlockenden Zukunft entgegen. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob man diese so segensreich wirkenden Anstalten nach und nach gänzlich verschwinden lassen wollte. Schon jetzt machen sich die Anzeichen geltend, die darauf hindeuten, daß nach einem bestimmten System gearbeitet wird. So verlveigern seit geraumer Zeit einzelne Bezirksregierungen Lehrern an schwach besuchten Volksschulen die definitive Anstellung, obgleich jene die zweite (praktische) Lehrerprüfung entsprechend den Forderungen der „Allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872" abgelegt haben. Während man anderen (christlichen) Schulverbänden zur Bestreitung der Schullasten Staatszuschüsse in solcher Höhe gewährt, daß die zu entrichtende Schulsteuer den Satz von 70 Prozent nicht übersteigt, müssen die oft sehr steuerschwachen jüdischen Schulverbände auf eine solche Vergünstigung verzich- ■

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